Ausstellungen, Kommentare, Wissenswertes

Mein Blog richtet sich an alle archäologisch Interessierten. Ich stelle Museen und Archäologische Parks vor, kündige Ausstellungen an und kommentiere sie teilweise auch oder ich präsentiere archäologische Themen oder Bücher, mit denen ich mich gerade beschäftige. Thematische Schwerpunkte bilden – parallel zu meiner Website www.archaeologie-verstehen.de – Römer (einschließlich Provinzen), Etrusker und Kelten sowie die materiellen Zeugnisse der frühen Christen.

Weitere interessante Artikel zu archäologischen Themen poste ich auf Twitter oder Facebook.

Al-Bara, Basilika El Hosn (Syrien)

Eine der sogenannten „Toten Städte“ im Nordwesten Syriens (siehe auch Julianos-Kirche in Brad) ist Al-Bara, das etwa 35 km von Idlib entfernt liegt. Gegründet im 4. Jahrhundert n. Chr., erlebte die Stadt ihre Blütezeit im 5. und 6. Jahrhundert. Die durch den Handel mit Olivenöl, Wein und Getreide reich gewordene Stadt wartet unter anderem mit fünf Kirchen auf, die heute allerdings nur noch in Resten sichtbar sind.

Eine dieser Kirchen ist die Basilika El Hosn, die im Norden außerhalb des eigentlichen Stadtgebiets liegt. Mit 56 Metern Länge und 29,5 Metern Breite ist sie eine der größten syrischen Kirchen überhaupt.

Es handelt es sich um eine dreischiffige Basilika mit einer eingeschriebenen, halbrunden Apsis und vier Nebenräumen bei gerade abschließender Ostwand. Vor der Westwand mit kleiner Portikus (Säulenhalle) und mehreren Nebenräumen liegt ein 100 × 60 Meter großer Hof, dessen Außenmauern über den eigentlichen Hauptbau der Basilika ragen. Auf Süd- und Nordseite ist jeweils eine weitere Portikus vorgelagert.

Der Haupteingang der Basilika befindet sich im Westen und kann vom Hof her durch die kleine Säulenhalle erreicht werden. In Verlängerung dieser Portikus schließen sich im Norden und im Süden je zwei Räume an. Direkt neben der Portikus liegen Türme, die sowohl von der Säulenhalle als auch von den jeweils anschließenden Seitenschiffen her betreten werden können. Die äußeren Räume öffnen sich zu den Säulenhallen vor der Nord- bzw. der Südseite, wobei der südliche Raum zusätzlich auch eine Tür zum Hof besitzt.

Die Apsis ist durch Schranken abgesetzt und es führt eine kleine Treppe hinauf. Von den Nebenräumen auf der Ostseite ist nur der innere südliche mit der Apsis verbunden. Beide inneren Räume öffnen sich im Übrigen zu den Seitenschiffen, die äußeren dagegen zu den Portiken vor der Nord- bzw. Südseite. Dort liegen auch unregelmäßig verteilt Eingange zur Basilika. Der Haupteingang lag jedoch auf der Westseite.

Die Seitenschiffe haben sowohl unten als auch auf der Empore Säulenkolonnaden und über den Seitenschiffen befindet sich ein Lichtgaden, dessen Fenster den Innenraum der Basilika beleuchten. Darüber schließt sich die Holzkonstruktion des Satteldaches an. Die Seitenschiffe sowie die davorliegenden Säulenhallen waren mit Pultdächern gedeckt. Eine Besonderheit des Innenraumes ist, dass die Säulenhallen der Seitenschiffe mit den Emporen auch auf der Westseite umlaufen.

Die enorme Größe der Basilika und der große vorgelagerte Hof sowie die Lage außerhalb der Stadt können darauf hinweisen, dass es sich hier um eine Pilgerkirche handelte.

Literaturauswahl:

  • Christine Strube, Die „Toten Städte“. Stadt und Land in Nordsyrien während der Spätantike. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1996
  • Jean Pascal Fourdrin, Église E.5 d’El Bāra. In: Syria, T. 69, Fasc. 1/2, 1992, pp. 171-210

Villa Rustica (Burgweinting bei Regensburg)

Luftbild Google

 

Südöstlich von Regensburg wurden auf dem Gebiet des Ortes Burgweinting Reste mehrerer römischer Villae Rusticae nachgewiesen. Eine davon wurde 1911/12 und 1915/1916 in Teilen ausgegraben und in neuerer Zeit durch Luftbildarchäologie erforscht.

Dieser Gutshof wurde von einer, ein unregelmäßiges Viereck bildender etwa 70 cm starken Mauer umschlossen, deren Gesamtlänge 402 Meter betrug. Das Südtor weist eine 3 Meter breite Durchfahrt mit ein- und ausspringenden Mauerschenkeln auf. Diese Hauptfront orientiert sich an einem vorbeifließenden Bach. Lücken an den anderen Seiten der Mauer, bei denen teilweise auch Kiesschüttungen nachgewiesen werden konnten, lassen auf drei weitere Tore schließen.

Der Gutshof umfasste mehrere Gebäude, die sich teils an die Mauer anlehnten, teils aber auch freistehend waren. Unter anderem konnten 10 Steinbauten nachgewiesen werden, von denen drei mit beheizbaren Räumen ausgestattet waren.

Als Haupthaus wird ein etwa 12,5 x 11 m großes Gebäude in der Mitte des teilweise mit Bruchsteinen gepflasterten Hofes gedeutet. Im Südteil dieses Gebäudes gibt es zwei Räume mit Hypokaust-Anlagen. Ein Gang trennt diese Räume von mehreren Räumen im Nordtrakt, die teilweise unterkellert sind. Vom Mittelgang aus wurden auch die hypokaustierten Räume beheizt.

Im Westen war dem Gebäude über die ganze Breite eine Säulenhalle oder ein Korridor vorgelagert. An der Ostseite schlossen sich ein Hof und weitere Gebäude an, die bis zur Hofmauer reichten und als Wirtschaftsräume interpretiert werden.

In der Ostecke des Gutshofes wurde ein zweiter Gebäudekomplex ausgegraben. Auch hier handelte es sich wohl um ein Wohngebäude. Hier waren mehrere Zimmer um einen Innenhof herum gruppiert und durch hölzerne Zwischenwände getrennt. Einer der Räume war eine Küche mit einem gemauerten Herd. Zudem fand man in der Südostecke des Innenhofes einen weiteren Kellerraum.

Um diesen Gebäudekomplex herum scharten sich weitere Gebäude, vermutlich Wirtschaftsgebäude, teilweise mit Ziegelpflaster und Hypokaust-Anlage. Auch fand man zwei Gruben, in denen unter anderem Tafelgeschirr (Terra Sigillata) zutage trat. Die in der Villa gefundenen Scherben stammen aus der Zeit von der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts bis zum 4. Jahrhundert n. Chr.

Im Westteil des Gutshofes fand man Reste weiterer Wirtschaftsgebäude und außerhalb des Hofes entdeckte man noch eine Scheune sowie einen ursprünglich überdachten Brunnen.

Die Anlage dieser Villa ist heute durch Bepflanzung sichtbar gemacht und bei Google sehr gut auf dem Luftbild oben zu sehen.

 

Literaturauswahl:

  • K. Dietz u. a., Regensburg zur Römerzeit (1979) S. 261–264.
  • W. Irlinger / J. Faßbinder, Die römische Villa rustica von Burgweinting – Von der Entdeckung über die Prospektion zur Visualisierung, in: Beiträge zur Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg, Band 4, 2000, S. 287 – 300

Theater des Pompeius in Rom

Marsfeld in Rom, Theater des Pompeius


Römische Theater wurden ursprünglich nur für die Zeit der Aufführung aus Holz errichtet. Zum Teil gab es nicht einmal Sitze für die Zuschauer, da man befürchtete das römische Volk könne verweichlichen. Überhaupt galten Theateraufführung als Luxus, der sich einem Römer zur Zeit der Republik nicht ziemte. Aber der Siegeszug des Theaters war seit dem engeren Kontakt mit der griechischen Welt, spätestens aber seit dem 1. Jh. v. Chr. nicht mehr aufzuhalten. Denn neben Rhetorikern und Philosophen kamen nun auch Künstler wie Schauspieler und Theaterdichter aus Griechenland nach Rom.

Zur Feier seines Triumphes 61 v. Chr. gab Gnaeus Pompeius Magnus das erste Theater aus Stein in Rom in Auftrag. Das Theater befand sich auf dem Marsfeld außerhalb des eigentlichen Stadtgebiets von Rom. Um Probleme zu umgehen, weil dieses Theater nun ein auf Dauer angelegter Bau war, plante Pompeius den Zuschauerraum als Unterbau für einen Tempel der Venus Victrix (die Siegreiche). Dadurch wirkten die Sitzplätze wie eine breite Freitreppe, die zum Tempel führte. Auch galt die feierliche Einweihung 55 v. Chr. nicht einem Theater, sondern dem Tempel.

Für die Errichtung des Theaters waren umfangreiche Substruktionen notwendig. Die dreistöckige Außenfassade des Zuschauerraums war durch Arkaden gegliedert. Unten wurden dorische Säulen verwendet und im mittleren Bereich ionische Säulen. Im obersten Stockwerk folgten die Säulen der korinthischen Ordnung. Antiken Quellen zufolge fanden 40.000 Zuschauer in diesem Theater Platz. Heutige Berechnungen gehen eher von etwa 17.500 Zuschauern aus.

Die zweistöckige Bühnenfront war prachtvoll mit Säulen und Nischen gestaltet. Der Skulpturenschmuck im Innern des Theaters bestand unter anderem aus 14 Statuen, die die von Pompeius unterworfenen Völker repräsentierten.

Neben dem Tempel der Venus Victrix, der das Gebäude offiziell geweiht war, gab es noch Altäre für die Personifizierungen Honos (Ehre), Virtus (Tugend) und Felicitas (Glück). Das Theater gehörte zu einer größeren Anlage, zu der die Portikus Pompeianae und Gärten sowie eine Versammlungshalle für den Senat gehörten. Vor einer dort aufgestellten Statue des Pompeius wurde später Caesar ermordet.

 

Literaturauswahl:

  • Jon Albers: Campus Martius. Die urbane Entwicklung des Marsfeldes von der Republik bis zur mittleren Kaiserzeit. Reichert, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-89500-921-1 , S. 72, 79, 108 f., 196.
  • Richard C. Beacham: The Roman Theatre and Its Audience. Harvard University Press, Cambridge [Ms] / London 1991, S. 160.
  • Pierre Gros: Theatrum Pompei. In: Eva Margareta Steinby (Hrsg.): Lexicon Topographicum Urbis Romae. Band 5. Quasar, Rom 2001, S. 35.

Villa von Alburg bei Straubing (Teil 2)

Die wenigen freigelegten Mauerreste des Westtraktes legen nahe, dass es im Anschluss an den zentralen Raum auch dort einen Gang mit Vorraum gab. Der Rest des westlichen Gebäudetraktes war aber offenbar anders aufgeteilt als der Ostteil und scheint weniger, aber dafür größere Räume aufzuweisen. Allerdings muss eine Rekonstruktion hypothetisch bleiben, da dieser Teil nicht ausgegraben wurde.

Wie bereits erwähnt, befand sich die Schauseite des Gebäudes mit Portikus und seitlichen Risaliten im Norden. Der dem Ostteil vorgelagerte Risalit bestand aus drei Räumen, von denen der ca. 7 x 6 m große nördliche und der eine südlich anschließende Raum hypokaustiert waren. Zwei außen an der Ostwand angebaute kleine Räume könnten der Beheizung oder der Lagerung des Brennmaterials gedient haben. Eventuell wurde auch der an den südlichen hypokaustierten Raum anschließende Raum als Heizraum genutzt. Dieser lag 80 cm niedriger und war über eine Treppe erreichbar.

Der westliche Risalit wurde nicht ausgegraben. Zwischen den Risaliten waren dem Gebäude zwei nur leicht fundamentierte Mauern vorgelagert. Hier gab es wohl eine Portikus. Das genaue Aussehen bleibt jedoch aufgrund des fragmentarischen Grabungsbefundes unklar. So ist unsicher, ob der hintere Teil geschlossen und der vordere offen war, oder ob der hintere Teil sich mit Holzsäulen auf eine davorliegende Terrasse öffnete.

Besonders bekannt wurde diese Villa, als man 1950 nur gut 100 Meter nordöstlich des Hauptgebäudes einen Kupferkessel fand, in dem sich mehrere bronzene Gesichtshelme, verzierte Pferdekopfschutzplatten, Statuetten und Eisengeräte befanden. Dies könnte darauf hinweisen, dass die Villa dem Kommandanten des römischen Lagers in Straubing gehörte. Vergraben wurde der Schatz vermutlich im Zusammenhang mit den Einfällen der Alamannen um 233 n. Chr.

Literatur:

  • Josef Keim, Hans Klumbach: Der römische Schatzfund von Straubing (= Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Band 3). 2., um eine Bibliografie erweiterte Auflage. Beck, München 1976.
  • Johannes Prammer: Das römische Straubing. Ausgrabungen, Schatzfund, Gäubodenmuseum (= Bayerische Museen. 11). Schnell & Steiner, München 1989
  • Johannes Prammer: Straubing, Ndb. Kastelle und Vicus. In: Wolfgang Czysz u. a.: Die Römer in Bayern. Lizenzausgabe der Auflage von 1995. Nikol, Hamburg 2005, S. 518–521.

Villa von Alburg bei Straubing (Teil 1)

In der Umgebung von Straubing, dem antiken Sorviodurum, wurden viele römische Villen bzw. Gutshöfe nachgewiesen. Meist erfolgte dieser Nachweis allerdings nur aufgrund von Häufungen von Oberflächenfunden, die bei Begehungen aufgelesen wurden. Eine der wenigen Grabungen fand dagegen bei der Villa am Alburger Hochweg statt.

Aufgrund der ausgegrabenen Teile und später angeschnittenen Mauern wird die Villa als Portikusvilla mit Eckrisaliten rekonstruiert. Es handelte sich wohl um einen ausgedehnten Gutsbetrieb, wie zahlreiche Keller und Gebäudespuren zeigen. Sogar eine eigene Ziegelproduktion gab es hier, von der man noch 7 Brennöfen fand.

Das Hauptgebäude war etwa 48 x 24 Meter groß. Man betrat das Gebäude wohl von Süden her, obwohl sich die Schauseite mit Portikus und Eckrisaliten an der Nordseite befand. In der Mitte der Südseite führt jedoch ein von zwei quadratischen Räumen flankierter Gang zu einem großen quergelagerten Raum (ca. 10 x 7,5 Meter), der das Zentrum des Gebäudes bildete. Ungewöhnlich ist eine Vertiefung von 2,70 Metern in diesem Raum. Der Ausgräber interpretiert diese Vertiefung als Impluvium, also das Sammelbecken für Regen in einem Atrium. Ein solches Impluvium ist jedoch normalerweise nicht so tief.

Nach Osten schloss sich zunächst ein länglicher Raum oder Gang an, von dem ein kleiner Raum mit Zugang zur nördlich gelegenen Portikus abgetrennt war. Der anschließende Gebäudeteil bestand aus einem weiteren nord-südlich verlaufenden Gang, der je drei symmetrisch angelegte Räume trennte. Eine hier gefundene Feuerstelle sowie ein Wasserkanal, der zu einer nördlich des Gebäudes gelegenen Zisterne führte, lassen darauf schließen, dass es sich hier um den Wirtschaftstrakt handelte.

(Fortsetzung folgt…)