Ausstellungen, Kommentare, Wissenswertes

Mein Blog richtet sich an alle archäologisch Interessierten. Hier werden Vorträge und Ausstellungen angekündigt und teilweise kommentiert, Museen vorgestellt oder andere archäologische Themen, mit denen ich mich gerade beschäftige, veröffentlicht. Da ich in Bonn wohne, wird Bonn und Umgebung bzw. die Römer im Rheinland im Mittelpunkt der Beiträge stehen. Parallel zu meiner Website www.archaeologie-verstehen.de werden aber auch Römer allgemein (einschließlich Provinzen), Etrusker und Kelten sowie die materiellen Zeugnisse der frühen Christen weitere thematische Schwerpunkte bilden.

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12.10.2017 Vortrag: „The trade relationships between the Mediterranean and the Indian Ocean through the Eastern Desert of Egypt during the Graeco-Roman period“ (Prof. Dr. Jean-Pierre Brun, Collège de France, Paris)

Zeit: 18:15 Uhr

Adresse:

Akademisches Kunstmuseum – Antikensammlung der Universität Bonn
Am Hofgarten 21
53113 Bonn

Eintritt frei

 

 

Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi, Syrakus (Teil 3)

Sektor C: Die Kolonien von Syrakus

Abteilung C widmet sich den Kolonien, die von Syrakus gegründet wurden, sowie anderen griechischen Städten Siziliens wie Akrigent und Gela.

Die früheste Kolonie von Syrakus war vermutlich Heloros (heute Eloro). Wie Keramikfunde zeigen, wurde die Stadt offenbar im 8. Jh. v. Chr. gegründet. Weitere ausgestellte Funde aus Heloros stammen beispielsweise aus einem Heiligtum für Demeter und Kore. Aus Akrai (gegründet 664 v. Chr.) zeigt das Museum zwei Statuen aus dem 6. Jh. v. Chr., bei denen leider die Köpfe fehlen. Aus Kasmene (gegründet 644 v. Chr.) stammt die Figur eines Mädchens mit einer Taube. In Kamarina, der spätesten Kolonie der Stadt Syrakus (gegründet 598 v. Chr.), fand man neben reichen Grabausstattungen viele attische Vasen. Ein besonderes Stück ist zudem die archaische Reiterstatue aus Terrakotta, die als Bekrönung des Giebelfirstes (Akroterion) diente.

Nach der Vorstellung der Städte, die von Syrakus gegründet wurden, präsentiert das Museum Paolo Orsi Funde aus weiteren griechischen Städten Siziliens. Aus einem Heiligtum für Kore / Persephone in Francavilla bei Naxos stammen Statuetten und Weihetafeln. Gela wird repräsentiert durch archaische Architekturteile und Ton-Sarkophage sowie zahlreichen Vasen und Terrakottafiguren aus Gräbern. Hervorzuheben ist auch eine Sitzstatue aus Grammichele. Den Abschluss dieses Sektors bilden Funde aus der Gegend um Agrigent, z.B. Weihegaben aus einem Heiligtum für Demeter und Kore (5. und 4. Jh. v. Chr., Agrigent) sowie 3 seltene Statuetten aus Holz (2. Hälfte 7. Jh. v. Chr., Palma di Montechiaro).

 

(Fortsetzung folgt …)

Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi, Syrakus (Teil 2)

Sektor B: Syrakus in archaischer und klassischer Zeit

Die nächste Abteilung des Museums widmet sich zunächst ganz allgemein der Kolonisation Siziliens durch die Griechen ab dem 8. Jahrhunderts v. Chr. Der Überlieferung nach war Naxos die erste griechische Kolonie. Naxos soll 735 v. Chr. – 734 v. Chr. gegründet worden sein – wahrscheinlich von Bewohnern der Stadt Chalkis auf Euböa. Schon wenig später gründete Naxos eigene Kolonien auf Sizilien, z. B. Katane (Catania) und Leontinoi (Lentini). Hier wurde beispielweise der ausgestellte nackte Jüngling (Kouros) aus Marmor gefunden.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Abteilung bilden die Funde aus Megara Hyblaea. Aus dieser 729 v Chr. von der dorischen Stadt Megara gegründeten Stadt sind neben zahlreichen aus Gräbern stammende Keramikfunde ein weiterer Kouros sowie die Statue einer sitzenden Frau / Göttin, die zwei Kinder säugt, ausgestellt.

Etwa zur gleichen Zeit wie Naxos entstand auf der Insel Ortygia die korinthische Kolonie Syrakusai. Syrakus entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Städte Siziliens. Sie breitete sich nicht nur ziemlich schnell auf das angrenzende Festland aus, sondern gründete ebenfalls eigene Städte (Akrai 664 v. Chr., Kasmenai 644 v. Chr. usw.).

Aus Syrakus selbst zeigt die Ausstellung zahlreiche Funde aus den Nekropolen der Stadt. Schwerpunkt bilden jedoch Architekturteile (teilweise aus Terrakotta), Statuen und Weihgeschenke aus den verschiedenen Tempeln in Syrakus: Heiligtum für Demeter und Kore, Athenaion, Artemision (Ionischer Tempe) und Apollotempel. Zu den Highlights dieser Abteilung gehört die Terrakottaplatte mit der Darstellung einer Gorgo (Medusa), aber auch das Symbol des Museums, ein kleines Bronzepferd aus geometrischer Zeit (siehe Bild oben).

 

(Fortsetzung folgt …)

Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi, Syrakus (Teil 1)

Eines der wichtigsten Museen Siziliens ist das Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi in Syrakus. Das 1988 eröffnete Museum zeigt Funde aus dem Ostteil der Insel. Vorbei an Amphoren, Mühlsteinen und Altären vorbei führt der Weg zum Eingang, wo Toga-Statuen ausgestellt sind. Im Garten des Museums sind außerdem Sarkophage und Architekturteile ausgestellt. Leider sind die Wege nicht besonders gepflegt. Trotzdem sollte man den kurzen Spaziergang beim Besuch des Museums mit einplanen.

Das Museum ist fünf Sektoren unterteilt:

  1. Sektor A: Vorgeschichte
  2. Sektor B: Syrakus in archaischer und klassischer Zeit
  3. Sektor C: Die Kolonien von Syrakus
  4. Sektor D: Hellenismus und Römisches Reich
  5. Sektor F: Frühchristliche und Byzantinische Zeit

Im Untergeschoss des Museums ist außerdem seit 2010 eine bemerkenswerte Münzsammlung untergebracht, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die Münzsammlung

Die Basis der Münzsammlung bilden die Münzen und Medaillen der in den 1950er Jahren entstandenen Sammlung von Luigi Bernabò Brea. Seitdem kamen eine Reihe privater Sammlungen dazu und heute kann die gesamte Entwicklung der Münzprägung Siziliens von der archaischen Zeit bis ins Mittelalter präsentiert werden. Auch die Entwicklung des Schmucks seit prähistorischer Zeit ist inzwischen im Münzkabinett des Museums präsent.

Sektor A: Vorgeschichte

Der Rundgang durch die erste Haupt-Abteilung des Museums beginnt mit einer Einführung in Geologie und Paläontologie Siziliens. Danach werden verschiedene Kulturen von der Steinzeit bis zur Bronzezeit vorgestellt.

Während der neolithischen Stentinello-Kultur (4.-3. Jhrtausend v. Chr.) entstanden die ersten Dörfer und man begann, das Land zu bebauen. Die Castelluccio-Kultur der älteren Bronzezeit legte Gräber in Form von künstlichen Höhlen, die mit Steintüren geschlossen wurden. Ausgestellt sind diese mit Symbolen verzierten Türen sowie verschiedene Grabbeigaben. Ab der mittleren Bronzezeit gab es Kontakte zur griechischen Kultur. Zu den Grabbeigaben der sogenannten Thapsos-Kultur gehörte beispielsweise mykenische Keramik. Aus späterer Zeit findet man geometrische Keramik – teils griechische Originale, teils lokale Produktion. Auch Kontakten zu Malta, Zypern oder zum italischen Festland lassen sich nachweisen.

 

(Fortsetzung folgt …)

Castra Regina – das römische Legionslager von Regensburg

Bereits aus keltischer Zeit gibt es in Regensburg viele Funde, die aber um 15 v. Chr. vollständig abbrechen. Um ca. 80 n. Chr. entstand dann ein Auxiliarlager in Holz-Erde-Technik im heutigen Stadtteil Kumpfmühl. Das von Graben und Palisaden umgebene Lager diente der Bewachung der Mündungen von Naab und Regen in die Donau und beherbergte eine Kohorte Hilfstruppen aus 1000 Fußsoldaten oder 500 berittenen Soldaten. Um das Lager herum entstand auch eine Zivilsiedlung. In der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts wurde das Lager zwar in Stein ausgebaut, aber auch diese Befestigung konnte nicht verhindern, dass das Lager und die Zivilsiedlung im Verlauf der Markomannen-Kriege kurz nach der Mitte des 2. Jahrhunderts zerstört wurden.

Ab etwa 175 n. Chr. ließ Kaiser Marc Aurel dann ein Legionslager aus Stein errichten. Dieses Castra Regina genannte Lager wurde 179 n. Chr. eingeweiht, wie eine Inschrift belegt. Die Inschrift befand sich ursprünglich über dem Osttor. Sie nannte Marc Aurel und seinen Sohn Commodus.

Wir können drei Bauphasen unterscheiden:

  1. Phase: 179 – 244 n. Chr.
  2. Phase: 244 – 330 n. Chr.
  3. Phase: 330 – 5. Jh. n. Chr.

In der ersten Phase (179 – 244 n. Chr.) errichtete Marc Aurel direkt an der Donau ein Lager für die 3. Italische Legion, die von Marc Aurel speziell für die Kriege gegen die Markomannen ausgehoben worden war. Etwa 6000 Mann stark war die Besatzung dieses Lagers. Es maß 440 x 450 Meter und wurde von Anfang an in Stein errichtet. Von der Innenbebauung sind Reste des Stabsgebäudes (Praetoria) und der Mannschaftsräume sowie eine kleine Therme in der Nordostecke erhalten.

Während der Alamanneneinfälle wurden 244 n. Chr. alle Gebäude zerstört. Danach wurde das Lager zunächst wieder komplett aufgebaut. Nach einer weiteren Zerstörung 288 n. Chr. wurde das Lager jedoch nur noch teilweise wieder aufgebaut.

Ab 330 n. Chr. erfolgte dann ein vollständiger Umbau. Das Lager wurde auf etwa ein Sechstel reduziert und man nutze nur noch die Nordostecke. Um 375 n. Chr. wurde das Lager ein weiteres Mal zerstört. Um 408 n. Chr. erfolgte ein erster Rückzug der römischen Truppen und 458 n. Chr. wurde das Lager endgültig aufgegeben. Das Lagerinnere wird später von Germanen besiedelt.

Einige Reste des römischen Lagers haben sich bis heute im Stadtbild Regenburgs erhalten. Dazu gehören das Nordtor (die Porta Praetoria) sowie einige Teile der östlichen Befestigungsmauer einschließlich der nordöstlichen und südöstlichen Ecke.

Interessante Website zum römischen Regensburg:

http://reinis-welten.de/regensburg/dieroemerinregensburg/dieroemischeepocheinregensburg/index.html