04.05.2017 Vortrag: Kellerkinder auf dem Weg nach oben. Das „Bombenschutt-Projekt“ im Römisch-Germanischen Museum Köln. (Dr. Marion Euskirchen, Köln)

 

Ort und Zeit:

Donnerstag, den 4. Mai 2017 – 19.00 Uhr

LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Außenstelle Overath – Gut Eichthal
Eichtal 1
51491 Overath

Preis:
3,- €; ermäßigt 1,50 €

Burg Linn und das archäologische Museum von Krefeld

Im 12. Jh. n. Chr. baute Otto von Lynn eine bereits bestehende Motte (künstlicher Hügel) mit einem von einer Palisade umgebenen Wachtturm als Stammsitz der Herren von Lynn aus. 1188 ging die Burg an den Kölner Kurfürsten, blieb der Familie von Linn aber als Lehen erhalten. Im Laufe der Jahrhunderte entstand das heutige Ensemble von Burg und Jagdschloss. Anfang des 18. Jhs. wurde die Burg im spanischen Erbfolgekrieg durch einen Brand zerstört und blieb bis ins 20 Jh. als Ruine bestehen. Inzwischen wurde die Wasserburg restauriert und zusammen mit dem Jagdschloss   als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hier kann man mehr über die wechselvolle Geschichte der Burg erfahren.

Neben der Burg befindet sich das archäologische Museum Krefelds, dessen Gebäude im zweiten Weltkrieg als Bunker errichtet worden war. Highlights in diesem Museum sind die Funde aus dem römischen Lager Gelduba (Krefeld-Gellep) und dem Gräberfeld Gelleps. 6500 Personen wurden hier von der römischen bis zur frühmittelalterlichen Zeit bestattet. Herausragend sind beispielsweise die Beigaben für den fränkischen Fürsten Arpvar. Auch die Mange der gefundenen Gläser und Fibeln ist sehenswert. Ein anderer besonderer Fund ist ein Lastkahn aus der Zeit Karls des Großen (768 bis 814 König des Fränkischen Reichs). Für dieses 16 Meter lange Schiff wurde eigens eine lichtdurchflutete Halle gebaut, an deren Wänden die Geschichte des Rheinhafens von der Antike bis in die Gegenwart dargestellt ist.

Weitere Informationen: http://www.museumburglinn.de/de/

 

Das römische Welzheim (Teil 2)

Westkastell

Das 1895 gefundene Westkastell von Welzheim ist an seiner Südseite 236,1 m lang, an der Westseite 181 m. Die 1,4 – 2,1 m breiten Umfassungsmauern haben sich im Boden noch etwa 60-70 cm hoch erhalten. Da dieses Kastell unter der modernen Siedlung liegt, wissen wir darüber wesentlich weniger als über das Ostkastell.

Die Tore im Süden, Osten und Westen konnten allerdings teilweise freigelegt werden. Alle diese Tore hatten zwei Durchfahrten zwischen zwei Türmen. Von den Innenbauten konnte nur die Principia, das Stabsgebäude, ausgegraben werden. Die vor diesem Gebäude verlaufende „via principalis“ ist von einer Halle überdeckt. Daran schließt sich ein Innenhof an, hinter dem das Verwaltungsgebäude und das Fahnenheiligtum (sacellum) liegen.

An den Ecken des Lagers gab es rechteckige bis trapezförmige Türme. Zum Lager gehört auch ein 44 x 16 m großes Badegebäude, das ca. 100 m östlich des Lagers gefunden wurde.

Das Welzheimer Westkastell war ein Alenkastell. Die Besatzung war also eine 500 Mann starke berittene Einheit. Die gefundenen Münzen lassen vermuten, dass dieses Lager vor der Mitte des 2. Jhs. n. Chr. errichtet wurde.

 

Zivilsiedlung

Bei jedem römischen Kastell gab es auch eine Zivilsiedlung. Diese stand vermutlich unter militärischer Aufsicht. Die Welzheimer Zivilsiedlung liegt zwischen den beiden Kastellen – leider ebenfalls unter moderner Bebauung. Zwar konnten in diesem Bereich keine systematischen Grabungen durchgeführt werden, aber 1979 konnte ein Gräberfeld im Bereich der Justus-Kerner-Halle bei einer Notgrabung untersucht werden. Außerdem stößt man bei Baumaßnahmen immer wieder auf Spuren der römischen Vergangenheit Welzheims. Neben verschiedenen Münzen trat beispielsweise ein Eisendepot zutage.

 

Literaturauswahl (aus Wikipedia):

  • Dieter Planck: Welzheim. Römische Kastelle und Zivilsiedlung. In: Die Römer in Baden-Württemberg. Stuttgart, Theiss 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 364ff.
  • Sönke Lorenz, Andreas Schmauder: Welzheim. Vom Römerlager zur modernen Stadt. Markstein, Filderstadt 2002, ISBN 3-935129-05-X.
  • Dieter Planck: Untersuchungen im Westkastell von Welzheim, Rems-Murr-Kreis. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg, 1989, S. 126–127.
  • Rüdiger Krause, Alexandra Gram: Neue Ausgrabungen im Westkastell von Welzheim, Rems-Murr-Kreis. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2005. 26, 2006 ISSN 0724-8954, S. 129–134.
  • Klaus Kortüm: Das Westkastell von Welzheim – ein beinahe unbekanntes Schwergewicht am Obergermanischen Limes. In: Jahresheft des Historischen Vereins Welzheimer Wald 14, 2010, S. 5–60.
  • Marcus G. Meyer, Harald von der Osten-Woldenburg, Klaus Kortüm: Mit Bodenradar zu neuen Erkenntnissen über die Innenbebauung des Welzheimer Ostkastells. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2012, 2013, S. 170–173.
  • Harald von der Osten-Woldenburg: Elektro- und geomagnetische Prospektion des Welzheimer Ostkastells, Rems-Murr- Kreis. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1993, 1994, S. 135–140.
  • Carol van Driel-Murray, Hans-Heinz Hartmann: Das Ostkastell von Welzheim, Rems-Murr-Kreis. Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1077-2.

Das römische Welzheim (Teil 1)

Welzheim in Baden-Württemberg liegt am südlichen Ende einer etwa 80 km langen schnurgeraden Linie des römischen Limes. Schon im 19. Jh. konnten hier zwei durch eine ca. 530 m langen Straße verbundene Kastelle und eine dazugehörige zivile Siedlung nachgewiesen werden.

Das sogenannte Westkastell sowie die Zivilsiedlung sind heute fast völlig überbaut und können nur bei Notgrabungen im Rahmen von Baumaßnahmen kurz untersucht werden. Das Ostkastell konnte jedoch durch einen archäologischen Park geschützt werden. Der Limes selbst wurde in Welzheim nicht gefunden. Geht man von einer geraden Linie aus, würde das östliche Kastell bereits außerhalb des römischen Reiches.

Ostkastell

Bereits Anfang des 19. Jhs. vermutete Heinrich Prescher, der Pfarrer der Nachbargemeinde, aufgrund zahlreicher Münzfunde in der sogenannten Flur Bürg, dass hier ein römisches Kastell liegen müsse, worauf auch der Flurname hinzuweisen schien. Erst 1886 wurden jedoch an dieser Stelle Grabungen durchgeführt und die Vermutung bestätigte sich. 1894 wurde der Bereich gründlicher untersucht. 1960 erwarb das Land Baden-Württemberg den Grund, auf dem das Kastell lag und zwischen 1976 und 1981 fanden dort weitere Grabungen statt. Die Innenbebauung wurde vor allem durch zerstörungsfreie Methoden untersucht (z. B. elektromagnetische Prospektion).

Das Kastell ist an Ost – und Westseite je 123 m lang, an der Nordseite 130 m und an der Südseite 136 m. Die Grabungen zwischen 1976 und 1981 beschränkten sich auf das Südtor, den südöstlichen Eckturm, den Westturm und die Mauer dazwischen. Die Kastellmauer hatte hier eine Breite von 1,1 m – 1,4 m und war z. Tl. noch über 1,2 m hoch erhalten. Parallel zur Mauer fand man im Innern des Kastells eine Pfostenreihe, die vermutlich einen Wehrgang trug. Vor der Mauer lagen zwei Spitzgräben. Die Umfassungsmauer des Kastells stürzte offenbar aufgrund ungünstiger Bodenverhältnisse mehrfach ein und man fand Spuren verschiedener Ausbesserungsarbeiten.

Das Ostkastell von Welzheim liegt auf einem Vorsprung über dem Flüsschen Lein. Es ist im Südosten und teilweise an der Nordseite geschützt und bietet einen weiten Blick über das Limesgebiet. Das Gelände senkt sich von Nordwesten nach Südosten um etwa 10 m ab. Das Osttor hat eine Durchfahrt und offenbar nur einen Turm. An der Südseite gibt es offenbar nur eine Zungenmauer. An Nord- und Westseite der Umfassungsmauer gab es zusätzliche Zwischentürme. Verschiedene Ausbesserungsarbeiten lassen auf schlechte Bodenverhältnisse schließen.

Bei der Vermessung der Lagerstraße fand man vier holzverschalte Brunnen. Neben zahlreichen tierischen und pflanzlichen Resten hatten sich hier zum Beispiel eine Holzschaufel, ein Kupfereimer und Teile eines Maskenhelmes aus Eisenblech erhalten. Der bedeutendste Fund waren allerdings Reste von etwa 100 römischen Schuhen verschiedenster Typen.

Das Lager war ein Numeruskastell und bot Platz für eine 150 bis 200 Mann starke Besatzung. Das Kastell wurde offenbar um die Mitte des 2. Jhs. n. Chr. errichtet und bestand bis zum Fall des Limes um 260 n. Chr.

Der heutige Archäologische Park Welzheim zeigt eine Rekonstruktion des Westtores und macht durch Hecken weitere Teile des Kastells sichtbar. Des Weiteren sind auch Kopien römischer Steindenkmäler aus anderen römischen Fundstellen ausgestellt.

 

(Fortsetzung folgt …)