Limeseum und Römerpark Ruffenhofen (Teil 3)

Die Funde aus dem Ruffenhofener Lager befinden sich im Limeseum, einem 2012 eingeweihten Museum beim Römerpark. Das Museum gliedert sich in die vier Themenbereiche „Typisch Rom“, „Eine Grenze für Rom“, „Soldaten für Rom“ und „Das Leben im Vicus“. Zusätzlich gibt es ein Museumskino und Raum für Sonderausstellungen.

Vorbei an Zitaten zum Limes von der Antike bis heute führt uns der Weg zunächst zu einem Bereich, der uns typische Errungenschaften präsentiert, die um ca. 100 n. Chr. im Zuge der römischen Eroberung auch in die Gegend des heutigen Ruffenhofen kamen. Dazu gehören Gemmen und Münzen sowie Häuser mit Wandmalereien, Fußbodenheizung und Wandheizung. Ein weiteres wichtiges Kulturgut der Römer war ihre Sprache und die Schrift, einheitliche Maße und Gewichte sowie der Straßenbau.

Die Grenzbefestigung am Limes illustriert eine Kopie von der Markussäule in Rom und ein Modell des Limes mit einem Wachtturm. Ein Plan und ein großes Modell zeigen uns Grundriss und Lage des Kastells von Ruffenhofen und der dazugehörigen Zivilsiedlung. Ein Themenschwerpunt in diesem Bereich ist auch die Dendrochronologie, mit deren Hilfe die gefundenen Palisadenhölzer usw. datiert werden konnten. Auch andere archäologische Methoden werden hier vorgestellt, z. B. die Luftbildarchäologie oder geomagnetische Prospektion.

Auch zu den stationierten Soldaten geben uns verschiedene Funde Auskunft. So fand man beispielsweise das Fragment eines Militärdiploms, mit dem der Helvetier Villmus zum Ende seiner Dienstzeit das römische Bürgerrecht erhielt. Ein weiterer namentlich bekannter Soldat aus Ruffenhofen ist December, der seinen Helm mit seinem Namen markierte.

December begleitet uns durch das ganze Museum. Er dient als Beispiel für den möglichen Lebenslauf eines römischen Soldaten – von seiner Zeit als Soldat über seine Entlassung als römischer Bürger bis hin zu seinem anschließenden Leben als Handwerker zusammen mit Frau und Kind in der Zivilsiedlung vor dem Lager. Vom Leben im Vicus erzählen Spielzeug, Schmuck, Utensilien zur Schönheitspflege und verschiedene Gegenstände für den Haushalt. Aber auch zum Totenkult und zur Religion geben die Funde aus der Zivilsiedlung und den umliegenden Gutshöfen Auskunft.

Im Museumskino kann man das Gesehene noch einmal vertiefen, bevor man im letzten Raum, der auch für Sonderausstellungen dient, durch das große Panoramafenster einen Blick auf den Römerpark werfen kann.

Literatur:
Matthias Pausch (Hrsg.): Limeseum Ruffenhofen: An den Grenzen des Römischen Reiches – Ein Museumsführer Heinl, Rednitzhembach 2013

Advertisements

Limeseum und Römerpark Ruffenhofen (Teil 2)

Das römische Kastell von Ruffenhofen liegt an der Mündung des Denzenbachs in den Fluss Wörnitz und ca. 1,5 km von der Mündung der Sulzach in die Wörnitz. Anfangs handelte es sich vermutlich um ein Holzkastell, das erst Mitte des 2. Jhs. n. Chr. in Stein erneuert wurde. Vom Holzkastell wurde allerdings bisher nichts gefunden. Das Steinkastell war 190 x 197 m groß. Die Hauptseite, d.h. die dem Feind zugewandte Seite, war nach Nordosten zum Hesselberg ausgerichtet. An dieser Seite befand sich zwischen der Porta Praetoria mit zwei Durchfahrten und den Ecktürmen jeweils ein weiterer Turm. Auch an den beiden anschließenden Seiten hatten die Tore zwei Durchfahrten. Die Anzahl der Zwischentürme ist an diesen Seiten jedoch noch unklar. Das Tor an der Rückseite hatte nur eine Durchfahrt und hier scheint es auch keine Zwischentürme gegeben zu haben. Das Lager war außerdem von Gräben umgeben, wobei die beiden äußeren vermutlich erst im 3. Jh. angelegt wurden.

Von der Innenbebauung des Kastells konnten die Principia, das Stabs- und Verwaltungsgebäude, die große Mehrzweckhalle über der Via principalis sowie der dahinter liegende Hof mit umliegenden Diensträumen und Fahnenheiligtum nachgewiesen werden. Auch von den in Holz errichteten Wohnbaracken der Soldaten konnten durch geophysikalische Methoden fünf Bauten dokumentiert werden.

Das Ruffenhofener Kastell scheint Mitte des 3. Jhs. n Chr. verlassen worden zu sein, als es offenbar einem Brand zum Opfer gefallen worden war.

Vor dem Kastell erstreckte sich der Vicus, die Zivilsiedlung, offenbar etwa 700 Meter nach Süden und Südosten. Von dieser Siedlung ist bisher nicht viel nachgewiesen. Nachgewiesen werden konnte die Gräberstraße, eine Therme und möglicherweise ein kleiner Tempel.

(Fortsetzung folgt …)

Limeseum und Römerpark Ruffenhofen (Teil 1)

Im Hinterland des obergermanisch-rätischen Limes, der seit 2005 zum UNESCO-Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches“ gehört, entstanden ab ca. 100 n. Chr. Kastelle, deren Besatzung die Grenze schützen sollte. Eines dieser Lager entstand gut 2 km vom Limes entfernt beim heutigen Ort Ruffenhofen im Kreis Ansbach.

Das römische Kastell von Ruffenhofen lag zwischen den Kastellen Aalen und Weißenburg und ist ca. 3,7 Hektar groß. Die Fläche des Lagers wurde in späteren Jahrhunderten nicht überbaut, sondern nur landwirtschaftlich genutzt. Um die archäologischen Strukturen im Boden zu schützen, begann man 2002 mit dem Ankauf der Flächen und der Einrichtung des Römerparks Ruffenhofen, der auch die zum Lager gehörende Zivilsiedlung umfasst.

Als Teil des UNESCO Welterbes darf das Lager nicht ausgegraben werden. Stattdessen wird es mit zerstörungsfreien Methoden erforscht (sogenannte geophysikalische Prospektion). Die Umrisse des Lagers und seiner Innenbauten werden durch Pflanzen markiert.

Der Weg durch den Römerpark (Lageplan) beginnt an einem Aussichtshügel, von dem man sich einen ersten Überblick über das Gelände verschaffen kann. Ein Modell im Maßstab 1:10 einen veranschaulicht die bisher gefundenen Strukturen.

Detaillierte Informationen zum Kastelle und der Zivilsiedlung findet der Besucher an verschiedenen Stationen des Spaziergangs anhand von Schildern, Bildszenen und Abgüssen römischer Steindenkmäler.

 

(Fortsetzung folgt …)

Kelten und Römer in Manching

Im südöstlich von Ingolstadt gelegenen Ort Manching fand man Reste eines bedeutenden keltischen Oppidums sowie eines römischen Kastells aus dem 1. Jh. nach Chr.

Das Oppidum, eine befestigte, stadtartig angelegte Siedlung der Kelten, war von einem ca. 8 km langen Ringwall umgeben. Dieser im Mittelalter als „der Pfahl“ bekannte Wall wurde erstmals 1888 mit einer keltischen Siedlung in Verbindung gebracht und schon 1892 fanden erste Ausgrabungen statt. Weitere Ausgrabungen folgten im 20. Jh., unter anderem während des Baus und der späteren Instandsetzungen des Militärflughafens.

Das Manchinger Oppidum war offenbar eine der größten Keltensiedlungen Europas. Die besiedelte Fläche war 3,8 km2 groß, es gab einen Hafen und zahlreiche öffentliche Gebäude. Funde wie Wein und andere Luxusgüter aus Italien oder Südgallien zeigen, dass dieses Oppidum gut in der antiken Welt vernetzt war. Die Siedlung bestand vom 3. bis zum 1. Jh. v. Chr. Zur Zeit ihrer größten Blüte im letzten Drittel des 2. Jhs. v. Chr. wurde der Ringwall mit seinen großen Toren errichtet. Man geht davon aus, dass der Niedergang dieser Siedlung mit dem allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang der keltischen Welt zusammenhängt.

Allmählich ging das Land in den Besitz der römischen Eroberer über, die diese Grenzregion ihres Reiches Mitte des 1. Jhs. n. Chr. mit einem Kastell sicherten. Das Lager im Manchinger Ortsteil Oberstimm beherbergte ca. 500 Soldaten, die unter anderem den Verkehr auf dem südlichsten der damaligen Donauarme kontrollierte und auch Versorgungsaufgaben für andere Militärlager im Hinterland des Donaulimes wahrnahm.

Bekannt ist das Kastell von Oberstimm heute vor allem durch die zwei römischen Militärschiffe, die 1986 dort gefunden wurden. Die Schiffe können in die Zeit Domitians oder Trajans datiert werden. Sie wurden zunächst im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz restauriert und bilden seit 2005 einen Höhepunkt des kelten römer museums manching.

Das Museum beherbergt neben den Schiffen ein Modell des Kastells in Oberstimm, von dem heute sonst leider nichts mehr zu sehen ist. Funde aus dem Lager zeugen vom Leben einfacher Soldaten, aber auch von ihren Vorgesetzen, die es sich sogar leisten konnten, Austern zu importieren.

Der zweite Teil der Dauerausstellung ist den Menschen gewidmet, die im Oppidum von Manching lebten. Höhepunkte sind hier einer der größten keltischen Goldschätze sowie ein Bäumchen aus Gold. Andere Funde zeugen von den weitreichenden Handelskontakten der Kelten.

Zum Museum von Manching gehört außerdem ein archäologischer Lehrpfad mit 20 Informationstafeln an 11 Standorten, auf dem man auf keltischen und römischen Spuren wandeln kann.

Weitere Informationen bietet die Website des Museums, die sehr detailliert alles Wissenswerte zu Oppidum, Kastell, Museum und Lehrpfad vorstellt.

Obernburg am Main – auf den Spuren der römischen Besiedelung

Eines der Kastelle, die die Römer entlang des „nassen“ Limes Main bauten, befindet sich an der Stelle des heutigen Ortes Obernburg am Main in Bayern. Das ca. 110 n. Chr. errichtete Kohortenlager befindet sich gegenüber des Flusses Elsava. Etwas südlich fließt auch die Mümling in den Main.

Das Lager ist heute komplett überbaut, seine Struktur kann man jedoch noch teilweise im Straßenplan der Altstadt nachvollziehen. Die Badgasse folgt der Via Praetoria, die von der Porta praetoria (im Pflaster der Badgasse kenntlich gemacht) zum Stabsgebäude führte. Der Via decumana, die hinter dem Stabsgebäude zur Porta decumana führte, folgt heute die Schmiedstraße. Die Römerstraße dagegen entspricht der Via principalis, der Straße, die vor den Principia entlangführte. An einigen wichtigen Stellen des Lagers sind Hinweisschilder angebracht.

Die wichtigste Entdeckung Obernburgs war allerdings eine Benefiziarierstation mit dem dazugehörigen Weihebereich. Die Ausgrabungen (2000 – 2007) konnten erstmals eine vollständige Benefiziarerstation freilegen und dokumentieren. Benefiziarier dienten im römischen Militär als Sekretäre und waren normalerweise an verschiedene Orte in der Provinz abkommandiert, wo sie auch als eine Art Polizei fungierten. Sie wurden alle 6 Monate ausgetauscht und als Dank dafür, dass sie diese Zeit gut überstanden haben, dankten sie den Göttern zum Ende ihrer Dienstzeit mit Weihesteinen, die uns heute wichtige Informationen über die stationierten Soldaten liefern.

Viele Funde aus dem Lager und der Benefiziarierstation werden im Römermuseum von Obernburg präsentiert. Dort gibt es auch ein Modell des römischen Obernburg. Der besondere Schatz des Museums sind jedoch Inschriftensteine aus dem Weihebezirk der Benefiziarier. Außerdem ist die Bauinschrift des Stabsgebäudes des Lagers ausgestellt sowie zahlreiche Kleinfunde, z. B. Fibeln, Gebrauchskeramik und Münzen. Auch wurden Bruchstücke mehrerer Jupitergigantensäulen.gefunden. Die Rekonstruktion einer vollständigen Jupitergigantensäule steht vor dem Museum. Der Keller ist dem Mithraskult gewidmet.

 

Weitere Informationen:

Literatur:

  • Erfurth, Eric (2017): Römerstadt Obernburg am Main. Ein Rundgang. Erste Auflage. Obernburg am Main: LOGO VERLAG Eric Erfurth. ISBN 978-3-939462-30-9