Panathenäische Preisamphoren

Zu Ehren der Stadtgöttin Athene richtete Athen das Fest der Panathenäen aus. All vier Jahre fanden die sogenannten großen Panathenäen statt, zu denen verschiedene sportliche und musische Wettkämpfe gehörten. Als Preise für die sportlichen Wettkämpfe wurden – vermutlich ab der Neuordnung des Festes 566 v. Chr. – die sogenannten panathenäischen Preisamphoren verliehen. Pro Spiel wurden tausende von Amphoren benötigt. Ab ca. 530 v. Chr. wurden Form und Dekor dieser Amphoren festgelegt und blieben lange Zeit unverändert. Im Laufe der Zeit gab es dann zwar einige Änderungen, aber bis zum Ende der Panathenäen im 5. Jh. n. Chr. blieb der Dekor schwarzfigurig. Über einen großen Zeitraum des 4. Jhs. v. Chr. sind die Amphoren genau datierbar, da der für die Befüllung zuständige Archon inschriftlich erwähnt wird.

Diese ca. 60 – 80 cm hohen Amphoren sind durch Inschriften als Preisamphoren gekennzeichnet und enthielten Olivenöl. Sie wurden oft als Trophäen aufbewahrt, andere wurden in Tempel geweiht oder einem Verstorbenen mit ins Grab gegeben. Die Amphoren bzw. das Öl konnten aber auch verkauft werden, sodass man sie in vielen Regionen findet.

Hals und Fuß sind recht schmal. Der Hals wird durch einen plastischen Ring von der Schulter getrennt und trägt einen doppelten Fries aus Lotuspalmetten. Auf der Vorderseite sieht man eine nach links schreitende Athena Promachos, die von Säulen flankiert wird, auf denen ab ca. 530 v. Chr. Hähne stehen. An der linken Säule steht die Preisinschrift.

Als früheste panathenäische Preisamphora gilt die sogenannte Burgon-Amphora (British Museum, London). Diese zeigt noch keine Lotuspalmetten und Athena wird noch nicht von Säulen flankiert.

Jeder Maler bzw. eine Malergruppe scheint ein eigenes Schildzeichen verwendet zu haben. Im 4. Jh. v. Chr. wurden die Hähne durch jährlich wechselnde Symbole ersetzt und seit 363/62 schreitet Athena nach rechts.

Auf der Rückseite ist anfangs der Wettkampf dargestellt, in dem der Preis gewonnen wurde. Diese Darstellungen sind weniger archaistisch als die Vorderseite. Ab der Mitte des 5. Jhs. v. Chr. wurden auch Siegerehrungen abgebildet und später auch Siegesgöttinnen oder Personifikationen.

 

Literatur:

  • John Boardman: Schwarzfigurige Vasen aus Athen. Ein Handbuch (4. Aufl., Mainz 1994)
  • Martin Bentz: Panathenäische Preisamphoren. Eine athenische Vasengattung und ihre Funktion vom 6.–4. Jahrhundert v. Chr. (= Antike Kunst. Beiheft 18). Vereinigung der Freunde Antiker Kunst (Basel 1998)
  • Martin Bentz, Norbert Eschbach (Hrsg.): Panathenaïka. Symposion zu den Panathenäischen Preisamphoren (Mainz 2001)
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Griechische Grabdenkmäler (Teil 2)

In der klassischen Zeit (ca. 480 – 323 v. Chr.) werden die Grabstelen breiter. Die alten Themen wie Athletik, Jagd und Krieg werden jetzt seltener dargestellt und ganz selten sind Darstellungen einer bestimmten Aussage über den Toten. Stattdessen finden wir jetzt vor allem mehrfigurige Darstellungen mit einfachen „Lebensbildern“. Dabei sind meist polare Paare wie Mann und Frau, Mutter und Kind, Herrin und Dienerin usw. dargestellt, wobei die Szenen oft eine Atmosphäre der Trauer vermitteln. Die Deutung der Darstellungen ist allerdings umstritten. Bekannte Beispiele sind das Hegeso-Relief, die Theano-Stele und die Alxenor-Stele.

Im Hellenismus setzen in Athen, das in bisher in der Grabkunst führend war, wegen des Anti-Luxus-Gesetzes des Demetrios von Phaleron die Grabdenkmäler aus. Insgesamt kann man sagen, dass die Grabdenkmäler der hellenistischen Welt relativ einheitlich waren. Es werden allgemeine Szenen dargestellt. Beliebt werden beispielsweise Szenen, in denen die Familie tafelt (kein Totenmahl!). außerdem werden Standesabzeichen beigefügt. Individuelle Szenen sind dagegen selten.

Einige Fürsten und andere Personen der führenden Schichten ließen aber in dieser Zeit auch Grabdenkmäler errichten, die über das Übliche hinausgehen. Bekanntestes Beispiel ist sicher das Maussoleum von Halikarnassos in der heutigen Türkei (360-330 v. Chr.). Das iGrabmal bestand aus einem hohen Sockel, über dem sich ein tempelartiger Aufbau erhob. Man fand 2 Statuen, die vermutlich Maussolos und seine Frau Artemisia darstellen.

Ein ähnliches Grabmal ist das Nereidenmomunent (London, British Museum). Auch hier erhebt sich ein tempelartiger Aufbau, der die Grabkammer enthält, auf einem Sockel. Andere monumentale Grabformen können Felsgräber (z. B. in Kaunos) oder Hügelgräber (z. B. Grab Phillips II. in Vergina) sein. Insgesamt gibt es nur wenige monumentale Gräber. Ihr Bildschmuck stellt keine Leistungen des Verstorbenen mehr dar. Stattdessen wirken die Bauten für sich.

 

Griechische Grabdenkmäler (Teil 1)

Wie auch heute noch üblich, markierte man schon in der griechischen Antike die Gräber der Verstorbenen, um das Andenken der Toten zu wahren. Und auch damals gab es verschiedene Formen von Grabdenkmäler.

Schon seit dem späten 3. Jahrtausend v. Chr. sind Grabhügel bekannt. Ein Beispiel ist der Grabhügel in Nidri auf Lefkas.

Seit mykenischer Zeit (ca. 17. – 11. Jh. v. Chr.) kennen wir Grabstelen, die die Gräber markierten (Bsp. Grabzirkel in Mykene). Dargestellte Themen sind Wagenfahrt, Kampfszenen und Jagdszenen, also Bilder aus der Welt der Adligen. Es gibt aber auch rein ornamental verzierte Stelen.

In der geometrischen Zeit (ca. 900 – 700 v. Chr.) verwendete man ebenfalls zunächst Stelen und wohl leichte Anschüttungen. Später errichtete man richtige Grabhügel. Zur Markierung verwendete anfangs Gefäße. Im Boden dieser Gefäße befindet sich ein Loch für Trankopfer (= Libationen). Die Gefäße zeigen Szenen aus dem Totenritual (Aufbahrung, Leichenzug usw.) sowie Szenen aus dem Leben des Toten (Bsp. Dipylon-Amphora) Seit dem 8 Jh. v. Chr. gab es Grabsteine aus Stein oder Holz.

In der archaischen Zeit (ca. 750 – 500 v. Chr.) wurden die Grabmäler stärker personalisiert. So können die Stelen jetzt Namen tragen. Im 6. Jh. v. Chr. ist diese Tendenz besonders in Athen ausgeprägt. In dieser Zeit kommen auch die sogenannten Kuroi und Korai auf, freiplastische Figuren von jungen Männern und Frauen (Bsp.: Kroisos, Phrasikleia). Auch jetzt prägen Szenen aus der adligen Lebenswelt die Darstellungen. Als Bekrönung der Stelen finden wir oft Sphingen, die das Grab schützen sollten.

 

(Fortsetzung folgt …)

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 4)

Am ersten eigentlichen Festtag gab es eine große Prozession, an der alle Teilnehmer der Agone (= Wettkämpfe) und auch Frauen teilnahmen. Es war eine sehr farbenfrohe Prozession: die attischen Bürger trugen weiße Kleidung, die Metöken (= dauerhaft in Athen lebende Fremde ohne Bürgerrecht) scharlachrote Kleidung und die Choregen (Bürger, die finanziell und organisatorisch für die Chöre verantwortlich waren) trugen sehr prunkvolle Gewänder. Die Prozession endete vor dem Tempel des Dionysos Eleuthereus. Nachdem man dem Gott Schlachttiere und anderes geopfert hatte, ging man ins Theater.

Am Vormittag dieses Tages wurden außerdem verdiente Bürger geehrt und die Jugendlichen in die Gesellschaft eingeführt. Nachmittags wetteiferten Dithyrambenchöre miteinander (je ein Männer- und ein Knabenchor aus jeder Phyle (= Verwaltungsbezirk Athens und seines Umlands)). Ein Dithyrambos war das eigentliche Festlied des Dionysos und bestand aus einem Wechselgesang zwischen Chor und Vorsänger. Ein Chor aus 50 Teilnehmern sang und tanzte dabei zu Flötenmusik. Möglicherweise endete der Tag mit einem Umzug zu Ehren des Dionysos (Komos).

Am zweiten Festtag standen fünf Komödien auf dem Programm und danach folgten drei Tage mit je einer Tetralogie bestehend aus 3 Tragödien und 1 Satyrspiel. Die Theaterwettkämpfe (Agone) begannen bei Tagesanbruch. Vor Beginn einer Tetralogie gab es ein Opfer und man bestimmte auch di Richter, die die Stücke bewerten sollten. Die Reihenfolge der Konkurrenten wurde bei allen Wettbewerben durch das Los bestimmt.

Die Tragödien bestanden ursprünglich aus einem Chor und einem Schauspieler, der die verschiedenen Rollen mit Hilfe von unterschiedlichen Masken verkörperte. Später waren es zwei Schauspieler und noch später drei Schauspieler. Anfangs ehrte man nur die Dichter, später auch die Schauspieler. Die Siegerlisten der Dionysien und auch der Lenäen sind uns in Inschriften überliefert.

Am Abend des fünften Festtages gingen die Dionysien mit der Verkündung der Sieger im tragischen Wettkampf formal zu Ende, es fand jedoch noch eine abschließende Volksversammlung statt.

Die Entwicklung des Theaters – Tragödien, Komödien usw. sowie auch die Theaterbauten – hat ihren Ursprung in den Festen zu Ehren des Dionysos. Und die meisten im 5. Jh. v. Chr. entstandenen Dramen hatten ihre Uraufführung bei den städtischen Dionysien.

 

 

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 3)

Im März/April fand das wohl bekannteste Athener Dionysosfest statt, die sogenannten städtischen Dionysien, in deren Verlauf sich die besten Tragödien- und Komödiendichter in Wettkämpfen maßen.

Ursprünglich war dieses dem Dionysos Eleutheros gewidmete Fest wohl den ländlichen Dionysien ähnlich. Erst unter Peisistratos gewann das Fest an überregionaler Bedeutung. Es stand allen Griechen offen und wurde zur Selbstdarstellung Athens genutzt.

Das eigentliche Fest dauerte 5 Tage. Zusammen mit zwei vorbereitenden Tagen und einer Volksversammlung nach den Wettkämpfen ergeben sich folgende 8 Tage:

1. Tag:        Proagon
2. Tag:        Einholen des Götterbildes
3. Tag:        erster Festtag: Prozession, Festopfer, Dithyramben
4. Tag:        zweiter Festtag: Komödien-Wettkampf
5.- 7. Tag:   dritter bis fünfter Festtag: Tragödien-Wettkämpfe
8. Tag:        Volksversammlung im Theater

Der Proagon diente der Vorstellung der Vorstellung der Dichter und der Stücke. Am Tag danach holte man Dionysos symbolisch von Eleutherai nach Athen – in Erinnerung an das mythische Geschehen. Dazu brachte man das Kultbild des Dionysos aus seinem Tempel hinter dem Theater zu einem kleinen Tempel außerhalb der Stadtmauern im Kerameikos gebracht. Nach einem Opfer brachte man die Statue nach Einbruch der Nacht wieder zu seinem Heiligtum beim Theater.

 
(Fortsetzung folgt …)

 

 

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 2)

Die dreitägigen Lenaia im Januar/Februar waren dem Dionysos Lenaios gewidmet. Der Beiname könnte sich auf die Weinkelter beziehen (griech. „lenos“) oder auf die Mänaden, die Begleiterinnen des Dionysos, die auch „lenai“ genannt wurden.

Darstellungen der Lenaia auf griechischen Vasen zeigen sowohl Szenen mit Mänaden als auch das Mischen von Wein. Welche Riten genau zu Ehren des Gottes ausgeführt wurden, ist nicht bekannt. Die Darstellungen zeigen aber zum Beispiel Frauen, die Flöte spielend ekstatisch um eine mit einer Maske geschmückte Säule herumtanzen.

Ursprünglich fand dieses Fest in Athen im Lenaion statt, dessen genauer Ort nicht bekannt ist. Vermutlich verlegte man das Fest ab Mitte des 5. Jhs. v. Chr. ins Dionysostheater am Südhang der Akropolis. Ab dieser Zeit wurden im Rahmen der Lenaia auch Theaterstücke aufgeführt: zunächst nur fünf Komödien, später kamen zwei Tragödien dazu. Man geht davon aus, dass das Publikum hier  vermutlich auf die lokale Bevölkerung beschränkt war.

Die ländlichen oder kleinen Dionysien im Dezember / Januar waren ein Fruchtbarkeitsfest, das möglicherweise erst im Lauf der Zeit dem Dionysos gewidmet worden war. Im Zentrum des Festes stand eine Prozession von Phalloi. Nach dieser Prozession gab es Wettbewerbe für Tanz und Gesang sowie für Dithyramben (Chorlieder). An einigen Orten gab es auch hier wieder Theateraufführungen. Dabei handelte es sich möglicherweise um Stücke, die im Jahr davor bei den städtischen Dionysien uraufgeführt worden waren.

 
(Fortsetzung folgt …)

 

 

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 1)

Die Stadt Athen widmete dem Gott des Weines und des Theaters 4 Feste – die Anthesteria, die städtischen Dionysien, die ländlichen Dionysien und die Lenaia.

Die Anthesteria fanden im Februar/März statt und dauerten drei Tage – vom 11. bis 13. Tag des Monats Anthesterion.

1. Tag (Pithiogien):

Dieser erste Tag war ganz dem Dionysos und dem neuen Wein gewidmet. Nur der Dionysostempel war geöffnet und dort spendete man dem Gott etwas dem Wein, um ihm für die Ernte zu danken und den Wein gleichzeitig durch den Gott segnen und reinigen zu lassen. An diesem Tag waren sogar Sklaven zu den Tänzen und Gesängen zu Ehren des Dionysos zugelassen.

2. Tag (Choen):

Der zweite Festtag wurde als Kannenfest oder Trinkfest bezeichnet, was bereits auf einen der wesentlichen Züge des Tages hinweist. Zum einen gab es ein Trinkfest der offiziellen Vertreter der Stadt, zum anderen traf man sich aber auch privat und feierte zusammen mit dem Hausgesinde und den Lohnarbeitern. Dabei trank ausnahmsweise jeder aus einem eigenen Krug. Sowohl bei den offiziellen Feiern als auch bei den privaten gab es Trinkwettbewerbe.

An diesem Tag schenkte man den Kindern kleine Krüge. Die Darstellungen auf diesen Choenkännchen zeigten daher oft auch Szenen spielender Kindern. Kinder und Erwachsene trugen Blütenkränze. Am Abend wurden die Kränze um die Krüge gelegt und im Dionysosheiligtum gespendet.

Zu den Feiern an diesem Tag der Anthesteria gehörte auch ein Schiffskarrenumzug vom Hafen durch die Stadt zum Dionysosheiligtum. Man vermutet, dass dieser Umzug die Reise des Gottes nach Athen und seinen Einzug in die Stadt zu seiner Hochzeit mit der Basilinna, die Frau des Archon Basileus (der oberste Priester Athens) und Dionysos-Priesterin, symbolisiert. Schauspieler auf dem Wagen dabei verkörperten Dionysos und sein Gefolge

Vor ihrer „heiligen Hochzeit“ – Hieros Gamos – mit Dionysos legte sie im Dionysostempel einen Eid über ihre persönliche Keuschheit ab. Nach verschiedenen Reinigungsritualen führte eine Prozession der Basilinna und einer hölzernen Stele, die Dionysos symbolisierte, zum Amtslokal des Archon Basileus. Im Innern dieses soganannten Bukolions vollzog die Priesterin dann die Brautnacht, die sogenannte Hioros. Möglicherweise übernahm dabei ihr Mann die Rolle des Dionysos. Die Bevölkerung feierte die ganze Nacht hindurch auf den Straßen und am Morgen trug man die Holzstele wieder in den Dionysostempel zurück.

Gleichzeitig begann am Abend der Übergang vom fröhlichen Treiben der ersten beiden Tage zum letzten Tag des Festes, der den Toten gewidmet war, deren Geister während dieses Festes in die Stadt kamen.

3. Tag (Chytren):

Am dritten Tag versuchte man durch verschiedene Abwehrmaßnahmen sich vor den Geistern der Toten zu schützen, die im Glauben der Athener in der Nacht ins Reich der Lebenden zurückgekehrt waren. Gleichzeitig ehrte man die Verstorbenen durch Tänze und musische Vorführungen sowie sportliche Wettkämpfe. Ein weiterer Brauch am diesem Festtag war das Schaukeln – vor allem von Kindern und Jugendlichen – zur Reinigung von Unheil. Das Ende der Anthesteria markierte die Vertreibung der Geister mit Hilfe von verschiedenen Sprüchen.

 
(Fortsetzung folgt …)