Lederverarbeitung bei den Römern (Teil 1)

Wie wir aus der antiken Literatur wissen, stammten die am häufigsten verwendeten Tierhäute für Bekleidung, Zelte, Rüstungsgegenstände und Schuhoberleder von Ziegen, Schafen und Rindern. Für schwere Bodenleder wie Schuhsohlen benutzte man fast nur Rinderleder und gelegentlich auch Pferdehaut. Die Armee hatte einen so großen Lederverbrauch, dass man Leder sogar importieren musste. Welche Tierart bei einem Fundstück vorliegt, ist meist nur schwer zu bestimmen, da das Narbenbild oft nicht mehr erhalten, verzerrt oder mit festem Schmutz belegt ist. Zudem ähneln sich manche Ledersorten sehr, z.B. Ziege und Schaf. Ein Hilfsmittel zur Bestimmung z. B. sind Stereomikroskope, da bei diesen das Präparat räumlich erscheint.

Um aus den Tierhäuten Leder zu erhalten, mussten die Häute zunächst gegerbt werden. Dabei wird die Haut mit Hilfe von Gerbstoffen stabilisiert und der Verwesungsprozess gestoppt. Man hat fast ausschließlich vegetabil gegerbte Häute gefunden. Als Gerbmittel diente meist Fichtenrinde, aber auch Eichen und Erlenrinde, Sumach, Granatapfelschalen, Galläpfel, Eicheln, Wurzeln und Beeren der wilden Rebe und Akazien. Kostbareres Leder wurde teilweise mit Alaun gegerbt. Bei der Sämischgerbung wird dagegen in das Leder eine tierische Fettsubstanz, z. B. Fischtran, eingerieben. Diese Gerbart ergibt besonders weiches Leder, wie es vor allem für Bekleidung notwendig ist. Daneben gab es auch sogenannte Kombinationsgerbungen, bei der verschiedene Gerbstoffe auf der gleichen Haut zur Einwirkung gebracht werden. Verarbeitet wurde neben Rohleder auch Pergament (konservierte Rohhaut).

Schon bei der Gerbung erzielte man je nach Gerbmittel eine andere Farbe, z.B. Weiß bei Verwendung von Alaun. Ansonsten benutzte man z. B. folgende Färbemittel: Krapp, Efeu, Scharlach und Purpur für Rot; Sumach-Blätter, Rinde des Lotosbaums und Granatapfelschalen für Gelb. Für Schwarz nahm man Pech oder Teer, oder man brachte mit Eisensalzen verunreinigtes Kupfervitriol mit dem Gerbstoff Tannin zur Reaktion.

 

(Fortsetzung folgt…)

Die Gallier in Italien (Teil 3)

Im 3. Samnitenkrieg (298 – 290 v. Chr.) verbündeten sich Samniten, Etrusker, Kelten (v.a. Boier), Sabiner, Lukaner und Umbrer gegen Rom[1]. Trotz anfänglicher Erfolge dieser Koalition[2] besiegten die Römer sie jedoch 295 v. Chr. bei Sentinum[3].

Doch schon 285 v. Chr. verbündeten sich die Gallier, wieder v.a. die Boier, erneut mit einem Teil der Etrusker und besiegten die Römer noch im gleichen Jahr bei Arretium (Arezzo)[4]. Zwei Jahre später endeten am Vadimoner See auch diese Auseinandersetzungen mit einem Sieg Roms[5] und führten zur Eroberung des Gebiets der Senonen[6]. Die Römer gründeten verschiedene Städte, z.B. Sena Gallica und Sentinum[7], um ihr neues Territorium zu sichern.

Trotzdem gab es weiterhin immer wieder Zusammenstöße zwischen Galliern und Römern. So erlitten die Gallier 225 v. Chr. eine vernichtende Niederlage gegen eine etruskisch-römische Allianz bei Telamon (225 v. Chr.) und 222 v. Chr. wurde Mediolanum, die Hauptstadt der Insubrer[8] eingenommen.

Im 2. Punischen Krieg (218 – 201 v. Chr.) schlossen sich die Gallier den Karthagern an[9]. Diese Koalition fügte den Römern 217 v. Chr. am Lago Trasimeno[10] und 216 v. Chr. bei Cannae[11] schwere Niederlagen zu. Doch 207 v. Chr. unterlagen Hannibal und seine Verbündeten den Römern bei Sena Gallica[12].

Anfang des 2. Jhs. v. Chr. kam es in Oberitalien noch einmal zu einem Krieg Roms gegen Gallier. 193 v. Chr. besiegten die Römer die Boier bei Mutina und eroberten ihre Hauptstadt Bononia[13]. Ein weiterer Sieg der Römer 191 v. Chr.[14]  führte schließlich zur Unterwerfung der gesamten Padana[15]. In der Folge verschwanden die Boier von der politischen Bildfläche. Nur nördlich des Po befanden sich mit den Insubrern und den Cenomanen noch mehr oder weniger autonome Gallier, die jedoch Verbündete Roms wurden[16].

[1]    M. Torelli, Die Etrusker (1988) S. 310
[2]    Pol. II 19,6 spricht z. B. von Plünderungen durch Kelten
[3]    M. Torelli, Die Etrusker (1988) 310; G. Mansuelli in: The Celts (1991) S. 8; vgl. Pol. II 19,6; Liv. X 17-30; Frontin. I 8,3
[4]    Torelli Die Etrusker (1988) S. 310
[5]    M. Verzar in: I Galli e l’Italia (1978) S. 196
[6]    Pol. II 19
[7]    M. Verzar in: I Galli e l’Italia (1978) S. 196
[8]    G. Mansuelli in: The Celts (1991) S. 8
[9]    P. Grimal, Der Hellenismus und der Aufstieg Roms (1965) S. 342
[10]   M. Pallottino, Etruskologie (1988) S. 234; P. Grimal, Der Hellenismus und der Aufstieg Roms (1984) S. 343
[11]   P. Grimal, Der Hellenismus und der Aufstieg Roms (1984) S. 345
[12]   D. Vitali in: The Celts (1991) S. 223; P. Grimal, Der Hellenismus und der Aufstieg Roms (1984) S. 351
[13]   RE III 1 (1897) S. 630 ff. s.v. Boii (Ihm); Liv. XXXVI 38-42
[14]   Pol. II 18,9; G. Mansuelli in: The Celts (1991) S. 8
[15]   M. Verzar in: I Galli e l’Italia (1978) S. 196; M. T. Grassi, I Celti in Italia (1991) S. 37
[16]   Grassi I Celti in Italia (1991) S. 39

Die Gallier in Italien (Teil 2)

Das erste gesicherte Datum in der Geschichte der Gallier in Italien ist die verheerende Niederlage der Römer gegen die Gallier an der Allia und die anschließende Einnahme Roms um 387/86 v. Chr.[1]. Geschockt von diesen Ereignissen blieben die Gallier lange Zeit für die Römer und alle anderen Völker der Inbegriff aller Schrecken. Die Nachricht von der Eroberung Roms verbreitete sich sehr schnell und bereits im 4. Jh. v. Chr. finden wir sie auch in griechischen Quellen[2]. Eine weitere Folge dieser Ereignisse war, dass man sich nun stärker mit den Galliern beschäftigte und die Berichte über die Gallier in der antiken Literatur daher auch ausführlicher wurden.

In den folgenden Jahrhunderten der Auseinandersetzungen zwischen dem immer stärker expandierenden Rom und den übrigen Völkern Italiens finden wir die Kelten auf der Seite verschiedener Mächte und es kam immer wieder zu wechselnden Koalitionen. Auch als Söldner verdingten sich die Gallier.

Beispielsweise wurden die Unternehmungen des Dionysios von Syrakus gegen die Etrusker (384/383 v. Chr.), in deren Verlauf die Syrakuser Pyrgi, den Hafen der etruskischen Stadt Caere, mit seinem Heiligtum der Leukothea bzw. Eileithya plünderten[3], durch eigenständige Aktionen verschiedener Galliergruppen oder durch gallische Söldner im Heer des Dionysios unterstützt[4].

354 v. Chr. kam es, wohl auch zur Abwehr der Gallier, zu einem römisch-samnitischen Bündnis[5]. Später schlossen sich wiederum die keltischen Senonen mit den Etruskern und anderen italischen Völkern zusammen, um sich dem gemeinsamen Feind Rom entgegenzustellen. Allerdings musste die gallisch-italische Koalition eine Niederlage hinnehmen. 332 v. Chr. schloss Rom mit den Senonen einen Vertrag, der den Frieden für die nächsten Jahrzehnte[6] sicherte.

[1]    Liv. V 33 ff.; Plut., Cam. 16 ff.; Theop., FGrHist 115 fr. 317
[2]    z. B. Theop., FGrHist 115 fr. 317
[3]    D. Vitali in: The Celts (1991) S. 222; K. W. Weeber, Geschichte der Etrusker (1979) 152 f.; H. Bengtson, Grundriß der römischen Geschichte I3 (1982) 65; vgl. Diodor XV 14,3; pseudoaristotelisches Oeconomicon II 2,20i (1349 b); Strab. V 2,8
[4]    M. Szabó in: The Celts (1991) S. 333
[5]    M. Cary, A History of Rome down to the Reign of Constantine2 (1962) 92; Der Kleine Pauly 4 (1979) 1533 s.v. Samnites (Radke); P. Grimal, Der Hellenismus und der Aufstieg Roms (1984) 122; vgl. Liv. VII 19,4; Diod. 16,45,8
[6]    D. Vitali in: The Celts (1991) S. 222

(Forsetzung folgt…)

Die Gallier in Italien (Teil 1)

Da die Gallier selbst uns keine schriftlichen Zeugnisse über ihre Geschichte hinterlassen haben, können wir ihre Einwanderung nach Italien und die Zeit bis zu ihrer Integration in das Imperium Romanum zu einem großen Teil nur aus verstreuten Informationen in der Literatur der Römer und Griechen rekonstruieren.

In den antiken Quellen finden wir allerdings widersprüchliche Angaben darüber, wann die Gallier nach Italien einwanderten. Lange Zeit war die vorherrschende Meinung, dass es sich bei der Ankunft der Gallier in Italien um eine große, einheitliche Einwanderungswelle kurz vor der Einnahme Roms handelte[1]. Inzwischen folgt man jedoch eher der Darstellung des Livius, der den ausführlichsten Bericht zur Einwanderung der Gallier liefert[2]. Danach kamen die ersten Gruppen von Kelten bereits zur Regierungszeit des Tarquinius Priscus (616 – 578 v. Chr.) nach Italien[3]. Diese Gallier hätten sich in der Region nördlich des Po niedergelassen und die dort ansässigen Einheimischen vertrieben. Nach und nach folgten weitere Gruppen. Zuletzt, um 400 v. Chr., gab es eine weitere größere Einwanderungswelle. Diese Gruppen überschritten den Po auf der Suche nach weiterem Siedlungsraum und vertrieben die dort wohnenden Etrusker und Umbrier. Einige Gruppen stießen dann sogar bis nach Mittelitalien vor. Für diese „lange Chronologie“ des Livius spricht auch, dass wir in anderen antiken Quellen ebenfalls Hinweise auf die Anwesenheit von Kelten in der Poebene ab dem 6. Jh. v. Chr. finden.

[1]    z. B. Dion. Hal. XIII exc. 10-11; Plut., Cam. 15 ff.; Appian IV 2, exc. ex Celt. 2
[2]    vgl. hierzu auch H. Homeyer, Zum Keltenexkurs in Livius‘ 5. Buch, Historia 9, 1960, 345 ff.
[3]    z. B. Liv. V 34: Niederlage der Etrusker gegen Gallier in der Nähe des Ticino gegen 600 v. Chr.

(Forsetzung folgt…)

Kaiser Commodus als Herkules (Inv. 1120, Konservatoren Palast, Rom)

Eine der wohl bekanntesten erhaltenen Bildnisse des römischen Kaisers Commodus ist eine Halbfigur im Konservatoren Palast in Rom, die 1874 auf dem Esquilin gefunden wurde.

Commodus erhielt von seinem Vater Marc Aurel schon mit 5 Jahren (zusammen mit seinem jüngeren Bruder Annius Verus) den Titel Caesar und war damit Unterkaiser. Ab 177 n. Chr. war er Augustus und damit gleichberechtigter Mitherrscher seines Vaters sowie nach dessen Tod 180 n. Chr. Alleinherrscher.

Während er das römische Volk mit „Brot und Spielen“ bei Laune hielt, kam es mit dem Senat dagegen bald zu Spannungen. So kam es schon 181 oder 182 zur sogenannten Lucilla-Verschwörung (benannt nach seiner Schwester). Dass er sogar in der Öffentlichkeit als Gladiator kämpfte (ein Thema, das in verschiedenen Filmen – wie „Gladiator“ – aufgenommen wurde), und auch seine Selbstinszenierung als Herkules, machten ihn für den Senat sicher nicht gerade zu einem geeigneten Herrscher.

Bei der Halbfigur in Rom trägt Commodus über dem Kopf ein Löwenfell, dessen vordere Pranken über der Brust verknotet sind. Eine Hinterpfote und der Schwanz sind über der linken Arm geworfen. In der linken Hand trägt er die Hesperiden-Äpfel und in der rechten Hand eine Keule. Die Büste „schwebt“ auf einem Sockel aus zwei gekreuzten Füllhörnern, die an jeder Seite von einer Amazone gehalten werden. Zwischen den Füllhörner befindet sich im oberen Bereich eine Pelta, eine Schildform, die typisch für Amazonen ist, unter anderem mit der Darstellung eines Medusenhauptes. Die unteren Enden der Füllhörner rahmen eine Kugel, auf der Sterne und die Tierkreiszeichen Stier, Steinbock und Skorpion zu erkennen sind.

Die dargestellten Symbole verweisen auf verschiedene Beinamen, die sich Commodus zugelegt hatte, und die wir auch auf Münzen finden, auf denen er sich als Herkules darstellen ließ. Die Füllhörner symbolisieren Glück und Wohlstand („Felix“) und verweisen auf das goldene Zeitalter, das Commodus seinem Volk verheißt. Dabei bezieht er sich mit dem Steinbock auf dem Globus vermutlich auf Augustus und dessen Pax Romana. Das Sternzeichen Stier dagegen könnte auf die mythische Gründung Roms am 21. April 753 v. Chr. verweisen. Commodus selbst schließt die Reihe der (Neu)Gründer Roms ab („Conditor Romae“) – er wurde vermutlich unter dem Sternzeichen Skorpion gezeugt. Wie sein Vorbild Herkules ist Commodus zudem unbesiegbar („Invictus“) und beherrscht die Völker des Globus von Westen (Hesperiden-Äpfel) bis Osten (Amazonen).

 

Literaturauswahl:

  • Alexander Demandt, Das Privatleben der römischen Kaiser (München 1997)
  • Olivier Joram Hekster, Commodus. An emperor at the crossroads (Amsterdam 2002)
  • Ralf von den Hoff, Commodus als Hercules. In: Luca Giuliani (Hrsg.): Meisterwerke der antiken Kunst (München 2005) S. 114–135.