Rezension: Karl-Josef Gilles, Der Trierer Goldschatz

Der große Goldmünzenschatz und das Münzkabinett im Rheinischen Landesmuseum Trier
(Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 39)

Anfang Oktober 2019 geriet ein Highlight des Rheinischen Landesmuseums Trier in die Schlagzeilen. Einbrecher waren in das Münzkabinett des Museums vorgedrungen und hatten versucht den „Trierer Goldschatz“ zu stehlen. Zwar gelang der Coup nicht, aber vorsichtshalber wurde der Schatz und die übrigen Münzen in Sicherheit gebracht und sind seitdem nicht mehr ausgestellt.

Bis auf Weiteres kann man sich daher nur über die beiden Führer zum „Trierer Goldschatz“ die Karl-Josef Gilles 2013 und 2014 herausgebracht hat, über diesen 1993 gefundenen Münzschatz informieren. Im Folgenden soll der kleinere Führer von 2014 kurz vorgestellt werden.

Gilles geht ausführlich auf die Fundumstände ein. Er ordnet den Trierer Schatz in die Reihe der größten bisher gefundenen Münzschätze ein. Es handelt sich hier um den bisher umfangreichsten Fund von Aurei, den römischen Goldmünzen. Gilles stellt die verschiedenen Arten von Münzfunden vor – von einzelnen Streufunden zu Hortfunden wie dem Trierer Münzschatz – und erklärt welchen Wert diese Fundtypen für die Analyse der Münzen haben.

Die Münzen des Trierer Goldschatzes befanden sich in einem eimerartigen Bronzekessel mit Stülpdeckel und waren von ihrem Besitzer offenbar in den Bürgerkriegswirren 196 n. Chr. versteckt worden. Nicht nur die Menge der darin enthaltenen Goldmünzen ist bemerkenswert. Der Schatz enthält außerdem bis dahin unbekannte Münztypen und Varianten bekannter Prägungen.

Neben einer Einführung über Entwicklung und Bedeutung römischer Münzen als Zahlungs- und Propagandamittel gibt Gilles in diesem Führer einen Überblick über die Münzprägung in Trier von den Anfängen bis ins 17. Jahrhundert. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Spätantike, als in Trier zum Teil bis zu drei Prägestätten gleichzeitig tätig waren.

So ist dieser kleine Führer zum Trierer Goldschatz nicht nur lesenswert, wenn man sich für den Schatz interessiert ist. Auch als allgemeine Einführung in das Münzwesen römischer Zeit – speziell im Trierer Gebiet – ist das Büchlein zu empfehlen.

Karl-Josef Gilles, Der Trierer Goldschatz
Der große Goldmünzenschatz und das Münzkabinett im Rheinischen Landesmuseum Trier
(Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 39)
Erscheinungsjahr: 2014
Umfang: 96 S. mit zahlreichen Abbildungen
Einband: Broschiert
ISBN / Artikelnr.: 978-3-8062-0003-4

Ausstellung „Spot an! Szenen einer römischen Stadt“ (Rheinisches Landesmuseum Trier, 31. August 2019 bis 26. Januar 2020) (Teil 2)

Der nächste Raum gibt einen Überblick über die römische Religion. Der Kaiserkult und öffentliche Kulte einten das Volk, aber der private Glaube wurde nicht angetastet. Die „Freie Götterwahl“ war ein wichtiger Faktor im Leben der Römer. Sie machte es auch möglich, die Religionen eroberter Völker problemlos zu integrieren. Erst das Christentum beendete dieses Nebeneinander vieler verschiedener Gottheiten.

Als Handelszentrum war Trier „Auf 100.000 Kilometern vernetzt“. Hier kreuzten sich zwei große Fernstraßen und an der Mosel wurde ein Hafen mit großen Speicherbauten angelegt. Man importierte Glas, Lampen, Terra Sigillata und kulinarische Spezialitäten. Zu den Exportschlagern Triers gehörten die sogenannten Trierer Spruchbecher (3.-4. Jh. n. Chr.) und der Wein, der in Gutshöfen rund um Trier angebaut wurde.

Im 3. Jh. n. Chr. verliert Rom mehr und mehr an Bedeutung. Die Kaiser residieren an verschiedenen anderen Orten ihres Reichs. Sie gründen „Neue Kaiserresidenzen für das Imperium“, darunter Trier, das unter Maximian und Konstantin dem Großen eine prachtvolle Palastanlage erhielt. Aber auch außerhalb Triers entstehen Kaiserresidenzen wie in Konz und andere prachtvolle Villen wohlhabender Trierer Bürger.

Der letzte Raum geht auf „Das römische Jenseits“ und die Bestattungssitten der Römer ein. Zunächst war die Brandbestattung vorherrschend. Diese wurde aber nach und nach von der Köperbestattung in Sarkophagen abgelöst. Die prachtvollen Grabbauten wohlhabender Verstorbenen säumten die Ausfallstraßen und sorgten dafür, dass man sich ihrer noch lange nach ihrem Tod erinnerte.

In Trier sind noch heute viele Spuren der römischen Antike sichtbar, so beispielsweise verschiedene Thermen und natürlich vor allem die Porta Nigra – das Wahrzeichen der Stadt. Und bei jeder Baumaßnahme treten weitere Spuren zutage. Die Ausstellung „Spot an! Szenen einer römischen Stadt“ zeigt einmal mehr die Bedeutung Triers für die Erforschung römischer Städte.

 

Spot an! Szenen einer römischen Stadt Bild 1

Korana Deppmeyer; Maria Carmen D’Onza, Spot an! Szenen einer römischen Stadt. Begleitschrift zur Wanderausstellung (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 42) (2019)  

 

 

Ausstellung „Spot an! Szenen einer römischen Stadt“ (Rheinisches Landesmuseum Trier, 31. August 2019 bis 26. Januar 2020) (Teil 1)

Das Rheinische Landesmuseum Trier widmet dieses Jahr dem römischen Trier eine neue Sonderausstellung: „Spot an! Szenen einer römischen Stadt“. Zahlreiche Funde, die bisher in den Depots versteckt waren, illustrieren schlaglichtartig das Leben in einer römischen Großstadt wie Trier.

Eine Grafik veranschaulicht die wichtigsten Daten der Geschichte des römischen Trier und stellt sie der Geschichte Roms gegenüber. Der erste Raum – „Planmäßige Stadtgründung“ – zeigt die Konstruktion der Brücke über die Mosel, die den Grundstein für die Gründung der Stadt Trier an dieser Stelle bildete. Die verwendeten Eichenpfähle wurden 18/17 v. Chr. gefällt und man nimmt an, dass die Stadt gleichzeitig gegründet wurde. Die Stadt wurde auf dem Reißbrett geplant – mit rechtwinklig verlaufenden Straßen. Dazu verwendeten die Römer die Groma, ein aus einem Visierkreuz und Loten bestehendes Vermessungsinstrument.

Wie aber lebte man in einer römischen Stadt wie Trier? Es gab öffentliche Plätze mit Verwaltungsgebäuden und Heiligtümern. Für Brunnen und Thermen – und manchmal auch für die Wasserversorgung individueller Häuser – wurde Wasser aus der Umgebung über viele Kilometer lange Wasserleitungen in die Stadt gebracht. Statuen verherrlichten Kaiser und verdiente Persönlichkeiten. Eine Befestigungsmauer mit eindrucksvollen Toren und Türmen sicherte die Stadt.

Wohlhabende Bürger schmückten Ihre Häuser mit Wandmalereien und Fußbodenmosaiken. Ihre Häuser hatten Höfen und Gärten und in der Regel auch eigene Bäder. Die einfache Bevölkerung musste sich dagegen mit mehrstöckigen Mietshäusern begnügen. Statt eigener Küchen standen ihnen zahlreiche Garküchen zur Verfügung. Öffentliche Badeanlagen wiederum wurden ebenso von allen Bevölkerungsschichten genutzt wie auch das Amphitheater, in dem man sich bei Tierhetzen und Gladiatoren vergnügte.

Die nächsten Stationen der Ausstellung – „Leben in einer römischen Großstadt“, „Wasser für die Stadt“ und „Spektakel für die Massen“ – widmen sich diesen Aspekten des römischen Stadtlebens.

 

(Fortsetzung folgt …)

Das Musen-Mosaik von Vichten, Luxemburg

Ein Höhepunkt im Musée national d’Histoire et d’Art in Luxemburg ist das Fußbodenmosaik, dass 1995 in einer gallo-römischen Villa in Vichtem ausgegraben wurde, wo das gut 60 m² große Mosaik den Empfangssaal der Villa schmückte.

Flechtbänder, Ranken und andere dekorative und geometrische Formen bilden den Rahmen für den Hauptteil der Komposition, in dem die Musen in achteckigen Bildfeldern dargestellt sind. Im Zentrum sieht man Calliope, die Muse der epischen und elegischen Dichtung, an der Seite von Homer.

Dieses zentrale Medaillon umgeben die übrigen acht Musen, die Hesiod um 700 v. Chr. überliefert hat: Clio (Geschichtsschreibung), Euterpe (Musik und lyrische Dichtung), Thalia (Komödie), Melpomene (Tragödie), Terpsichore (Tanz und dramatische Chöre), Ae rato (Liebesdichtung), Polymnia (Chorgesang und Harmonie) und Urania (Astronomie). Die Musen sind durch Beischriften eindeutig benannt.

Das Mosaik entstand um 240 n. Chr. Die Gesamtkomposition des Mosaiks ähnelt Mosaiken des Raums Trier. Möglicherweise war der Besitzer der Villa in Vichtem Mitglied einer Familie aus dem Stamm der Treverer und hatte in Trier eine bedeutende Stellung im 3. Jh. n. Chr.

Die Ausgrabungen brachten auch Kenntnisse zur Herstellung des Mosaiks zutage. Die Steinchen waren aus Marmor, Kalkstein, Keramik und Sandstein. Offenbar wurden die Mosaiksteinchen (Tessellae) in einem Raum neben dem Empfangssaal vorbereitet, bevor sie dort in eine 3 cm dicke weiße Kalkmörtelschicht gelegt wurden.

Das Mosaik wurde nach seiner Bergung zunächst im Landesmuseum in Trier und später im Luxemburger Nationalmuseum restauriert. Dort nimmt es heute einen separaten Raum ein und ist ein Prunkstück der Dauerausstellung.

 

Literatur:

  • Jean Krier, „Fouille, étude Et Restauration. Peintures Romaines De Vichten.“ Archéologia (Dijon), 395 (2002) S. 44-47
  • Rainer Fischer, „Mosaik Von Vichten.“ Musée Info, 13 (2000) S. 38-39

Die Etrusker – Weltkultur im antiken Italien (16.12.2017 – 17.6.2018 Badisches Landesmuseum Karlsruhe) (Teil 3)

Der nächste Teil der Ausstellung widmet sich der „Zeit der Stadtstaaten“, die unter anderem von vielen Kriegen gegen Griechen, Kelten und Rom, und den damit verbundenen Krisen geprägt war. Künstlerisch fällt in diese Zeit zunächst ein verstärkter Import aus Griechenland, aber auch das eigene archaische Kunsthandwerk. Die Karlsruher Ausstellung zeigt unter anderem den typischen Terrakotta-Schmuck (Antefixe, Akrotere) eines tuskanischen Tempels, Weihgeschenke und Götterbilder.

In das 4. Jh. v. Chr. fällt das Erstarken Roms und die allmähliche Eroberung der etruskischen Städte bis Etrurien schließlich Anfang des 1. Jhs. v. Chr.  im römischen Reich aufgeht. Künstlerisch ist dies die Zeit der Sarkophage und Urnen mit Reliefs.

Das besondere Verhältnis zwischen Rom und den Etruskern wird in einem eigenen Abschnitt der Ausstellung präsentiert. Hier finden wir unter anderem die Statue des sogenannten Arringatore. Die Statue stellt den Etrusker Aule Meteli in einer Toga dar und war vermutlich als Weihgeschenk in einem Heiligtum aufgestellt. Auch Kaiser Claudius ist hier vertreten, der eine leider verlorene zwanzigbändige Geschichte der Etrusker geschrieben haben soll.

„Die Etrusker und wir“ gibt zum Abschluss einen Einblick in die Geschichte der Erforschung der Etrusker und zeigt etruskische Kunst aus Raubgrabungen, Fälschungen etruskischer Kunst sowie etruskisch beeinflusste Kunst.

Zur Karlsruher Ausstellung ist ein umfangreicher Begleitkatalog erschienen, der die einzelnen Teile der Ausstellung vertieft und viel Hintergrundwissen bietet: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Herausgeber), Die Etrusker: Weltkultur im antiken Italien (2017) ISBN 978-3806236217

Weitere Informationen: