Ausstellung „Spot an! Szenen einer römischen Stadt“ (Rheinisches Landesmuseum Trier, 31. August 2019 bis 26. Januar 2020) (Teil 2)

Der nächste Raum gibt einen Überblick über die römische Religion. Der Kaiserkult und öffentliche Kulte einten das Volk, aber der private Glaube wurde nicht angetastet. Die „Freie Götterwahl“ war ein wichtiger Faktor im Leben der Römer. Sie machte es auch möglich, die Religionen eroberter Völker problemlos zu integrieren. Erst das Christentum beendete dieses Nebeneinander vieler verschiedener Gottheiten.

Als Handelszentrum war Trier „Auf 100.000 Kilometern vernetzt“. Hier kreuzten sich zwei große Fernstraßen und an der Mosel wurde ein Hafen mit großen Speicherbauten angelegt. Man importierte Glas, Lampen, Terra Sigillata und kulinarische Spezialitäten. Zu den Exportschlagern Triers gehörten die sogenannten Trierer Spruchbecher (3.-4. Jh. n. Chr.) und der Wein, der in Gutshöfen rund um Trier angebaut wurde.

Im 3. Jh. n. Chr. verliert Rom mehr und mehr an Bedeutung. Die Kaiser residieren an verschiedenen anderen Orten ihres Reichs. Sie gründen „Neue Kaiserresidenzen für das Imperium“, darunter Trier, das unter Maximian und Konstantin dem Großen eine prachtvolle Palastanlage erhielt. Aber auch außerhalb Triers entstehen Kaiserresidenzen wie in Konz und andere prachtvolle Villen wohlhabender Trierer Bürger.

Der letzte Raum geht auf „Das römische Jenseits“ und die Bestattungssitten der Römer ein. Zunächst war die Brandbestattung vorherrschend. Diese wurde aber nach und nach von der Köperbestattung in Sarkophagen abgelöst. Die prachtvollen Grabbauten wohlhabender Verstorbenen säumten die Ausfallstraßen und sorgten dafür, dass man sich ihrer noch lange nach ihrem Tod erinnerte.

In Trier sind noch heute viele Spuren der römischen Antike sichtbar, so beispielsweise verschiedene Thermen und natürlich vor allem die Porta Nigra – das Wahrzeichen der Stadt. Und bei jeder Baumaßnahme treten weitere Spuren zutage. Die Ausstellung „Spot an! Szenen einer römischen Stadt“ zeigt einmal mehr die Bedeutung Triers für die Erforschung römischer Städte.

 

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Korana Deppmeyer; Maria Carmen D’Onza, Spot an! Szenen einer römischen Stadt. Begleitschrift zur Wanderausstellung (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 42) (2019)  

 

 

Ausstellung „Spot an! Szenen einer römischen Stadt“ (Rheinisches Landesmuseum Trier, 31. August 2019 bis 26. Januar 2020) (Teil 1)

Das Rheinische Landesmuseum Trier widmet dieses Jahr dem römischen Trier eine neue Sonderausstellung: „Spot an! Szenen einer römischen Stadt“. Zahlreiche Funde, die bisher in den Depots versteckt waren, illustrieren schlaglichtartig das Leben in einer römischen Großstadt wie Trier.

Eine Grafik veranschaulicht die wichtigsten Daten der Geschichte des römischen Trier und stellt sie der Geschichte Roms gegenüber. Der erste Raum – „Planmäßige Stadtgründung“ – zeigt die Konstruktion der Brücke über die Mosel, die den Grundstein für die Gründung der Stadt Trier an dieser Stelle bildete. Die verwendeten Eichenpfähle wurden 18/17 v. Chr. gefällt und man nimmt an, dass die Stadt gleichzeitig gegründet wurde. Die Stadt wurde auf dem Reißbrett geplant – mit rechtwinklig verlaufenden Straßen. Dazu verwendeten die Römer die Groma, ein aus einem Visierkreuz und Loten bestehendes Vermessungsinstrument.

Wie aber lebte man in einer römischen Stadt wie Trier? Es gab öffentliche Plätze mit Verwaltungsgebäuden und Heiligtümern. Für Brunnen und Thermen – und manchmal auch für die Wasserversorgung individueller Häuser – wurde Wasser aus der Umgebung über viele Kilometer lange Wasserleitungen in die Stadt gebracht. Statuen verherrlichten Kaiser und verdiente Persönlichkeiten. Eine Befestigungsmauer mit eindrucksvollen Toren und Türmen sicherte die Stadt.

Wohlhabende Bürger schmückten Ihre Häuser mit Wandmalereien und Fußbodenmosaiken. Ihre Häuser hatten Höfen und Gärten und in der Regel auch eigene Bäder. Die einfache Bevölkerung musste sich dagegen mit mehrstöckigen Mietshäusern begnügen. Statt eigener Küchen standen ihnen zahlreiche Garküchen zur Verfügung. Öffentliche Badeanlagen wiederum wurden ebenso von allen Bevölkerungsschichten genutzt wie auch das Amphitheater, in dem man sich bei Tierhetzen und Gladiatoren vergnügte.

Die nächsten Stationen der Ausstellung – „Leben in einer römischen Großstadt“, „Wasser für die Stadt“ und „Spektakel für die Massen“ – widmen sich diesen Aspekten des römischen Stadtlebens.

 

(Fortsetzung folgt …)

Das Musen-Mosaik von Vichten, Luxemburg

Ein Höhepunkt im Musée national d’Histoire et d’Art in Luxemburg ist das Fußbodenmosaik, dass 1995 in einer gallo-römischen Villa in Vichtem ausgegraben wurde, wo das gut 60 m² große Mosaik den Empfangssaal der Villa schmückte.

Flechtbänder, Ranken und andere dekorative und geometrische Formen bilden den Rahmen für den Hauptteil der Komposition, in dem die Musen in achteckigen Bildfeldern dargestellt sind. Im Zentrum sieht man Calliope, die Muse der epischen und elegischen Dichtung, an der Seite von Homer.

Dieses zentrale Medaillon umgeben die übrigen acht Musen, die Hesiod um 700 v. Chr. überliefert hat: Clio (Geschichtsschreibung), Euterpe (Musik und lyrische Dichtung), Thalia (Komödie), Melpomene (Tragödie), Terpsichore (Tanz und dramatische Chöre), Ae rato (Liebesdichtung), Polymnia (Chorgesang und Harmonie) und Urania (Astronomie). Die Musen sind durch Beischriften eindeutig benannt.

Das Mosaik entstand um 240 n. Chr. Die Gesamtkomposition des Mosaiks ähnelt Mosaiken des Raums Trier. Möglicherweise war der Besitzer der Villa in Vichtem Mitglied einer Familie aus dem Stamm der Treverer und hatte in Trier eine bedeutende Stellung im 3. Jh. n. Chr.

Die Ausgrabungen brachten auch Kenntnisse zur Herstellung des Mosaiks zutage. Die Steinchen waren aus Marmor, Kalkstein, Keramik und Sandstein. Offenbar wurden die Mosaiksteinchen (Tessellae) in einem Raum neben dem Empfangssaal vorbereitet, bevor sie dort in eine 3 cm dicke weiße Kalkmörtelschicht gelegt wurden.

Das Mosaik wurde nach seiner Bergung zunächst im Landesmuseum in Trier und später im Luxemburger Nationalmuseum restauriert. Dort nimmt es heute einen separaten Raum ein und ist ein Prunkstück der Dauerausstellung.

 

Literatur:

  • Jean Krier, „Fouille, étude Et Restauration. Peintures Romaines De Vichten.“ Archéologia (Dijon), 395 (2002) S. 44-47
  • Rainer Fischer, „Mosaik Von Vichten.“ Musée Info, 13 (2000) S. 38-39

Die Etrusker – Weltkultur im antiken Italien (16.12.2017 – 17.6.2018 Badisches Landesmuseum Karlsruhe) (Teil 3)

Der nächste Teil der Ausstellung widmet sich der „Zeit der Stadtstaaten“, die unter anderem von vielen Kriegen gegen Griechen, Kelten und Rom, und den damit verbundenen Krisen geprägt war. Künstlerisch fällt in diese Zeit zunächst ein verstärkter Import aus Griechenland, aber auch das eigene archaische Kunsthandwerk. Die Karlsruher Ausstellung zeigt unter anderem den typischen Terrakotta-Schmuck (Antefixe, Akrotere) eines tuskanischen Tempels, Weihgeschenke und Götterbilder.

In das 4. Jh. v. Chr. fällt das Erstarken Roms und die allmähliche Eroberung der etruskischen Städte bis Etrurien schließlich Anfang des 1. Jhs. v. Chr.  im römischen Reich aufgeht. Künstlerisch ist dies die Zeit der Sarkophage und Urnen mit Reliefs.

Das besondere Verhältnis zwischen Rom und den Etruskern wird in einem eigenen Abschnitt der Ausstellung präsentiert. Hier finden wir unter anderem die Statue des sogenannten Arringatore. Die Statue stellt den Etrusker Aule Meteli in einer Toga dar und war vermutlich als Weihgeschenk in einem Heiligtum aufgestellt. Auch Kaiser Claudius ist hier vertreten, der eine leider verlorene zwanzigbändige Geschichte der Etrusker geschrieben haben soll.

„Die Etrusker und wir“ gibt zum Abschluss einen Einblick in die Geschichte der Erforschung der Etrusker und zeigt etruskische Kunst aus Raubgrabungen, Fälschungen etruskischer Kunst sowie etruskisch beeinflusste Kunst.

Zur Karlsruher Ausstellung ist ein umfangreicher Begleitkatalog erschienen, der die einzelnen Teile der Ausstellung vertieft und viel Hintergrundwissen bietet: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Herausgeber), Die Etrusker: Weltkultur im antiken Italien (2017) ISBN 978-3806236217

Weitere Informationen:

Barbarathermen, Trier

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Während die Kaiserthermen mit ihren weithin sichtbaren Ruinen den meisten Besuchern Triers bekannt sind, versteckt sich zur Mosel hin eine weitere römische Thermenanlage. Diese Barbarathermen – eine der größten Thermenanlagen des römischen Reichs – sind nach 15 Jahren Restaurierungsarbeiten seit 2015 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Literatur:

  • H. Cüppers: Die Barbarathermen. In: H. Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Lizenzausgabe, (Hamburg 2002) S. 616–620.
  • S. Faust: Barbarathermen. In: Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg.): Führer zu archäologischen Denkmälern des Trierer Landes. (Trier 2008) (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 35) S. 40f.
  • T. Fontaine: Die Barbarathermen. In: H.-P. Kuhnen (Hrsg.): Das römische Trier (Stuttgart 2001) S. 102–113 (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 40).
  • K.-P. Goethert: Die Barbarathermen. In: Römerbauten in Trier. Führungsheft 20, Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz (Regensburg 2003) S. 76–105.
  • G. Stanzl / M. Dodt: Die Barbarathermen in Trier. Ein neues Projekt der Bauforschung – Restaurierung und Präsentation. In: Die Denkmalpflege. Band 63, Nr. 1 (Berlin 2005) S. 39–54.
  • W. Weber: Trier, Barbarathermen. Hrsg.: Verwaltung der staatlichen Schlösser Rheinland-Pfalz. Nr. 6, (Mainz 1976)

Um die riesige Thermenanlage zu errichten, mussten 2 Häuserblöcke und eine Straße weichen Sie waren Teil des kaiserlichen Bauprogramms, mit dem Trier im 2. Jh. unter mehreren Kaisern eine repräsentative Ausstattung erhielt. Die Maße von 172 x 240 m machten die Thermen bei Ihrer Errichtung sogar zu den zweitgrößten des Imperium Romanum. Nur die Trajansthermen in Rom übertrafen sie noch.

Der Aufbau der Thermen weist einige Besonderheiten auf, die sich auch bei nordafrikanischen Thermen finden: Wasserbecken zu beiden Seiten des Kaltbades, vorspringende Seitensäle beim Warmbad sowie ein Schwimmbecken, das aus der Nordfront herausragt. Bemerkenswert sind außerdem beheizbare Schwimmbecken, die sich in den Räumen zu Seiten des Warmbades befanden. Diese wurden zwar auch in privaten Badeanlagen der nördlichen Provinzen gefunden, für öffentliche Thermen sind sie allerdings ungewöhnlich.

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Nördlich und südlich des eigentlichen Thermengebäudes befanden sich große Höfe, Palästren, die für sportliche Aktivitäten zur Verfügung standen. Nach dem Umkleiden begann der Badegast seinen Besuch im Heißbadesaal (Caldarium). Dafür durchquerte er Kaltbad (Frigidarium) und Warmbad (Tepidarium). Der Rückweg zum Umkleideraum führte dann wieder über Tepidarium und Frigidarium. Daneben gab es in den Thermen andere „Wellness“-Annehmlichkeiten, wie Massage, Schwitzbäder usw.

Große Fenster sorgten für Tageslicht und die Säle waren reich mit geschmückt. Unter der Skulpturenausstattung in Trier finden wir auch Kopien bekannter griechischer Werke, z. B. die sogenannte Amazone vom Typ Mattei.

Laut den Funden wurde die Thermenanlage bis ins frühe 5. Jh. n. Chr. genutzt, als die Anlage offenbar im Zuge der Germaneneinfälle zerstört wurde. Im Laufe der Jahrhunderte dienten die Ruinen wie üblich als Steinbruch und einige Einbauten lassen sich möglicherweise als Kirche deuten.

Den ursprünglichen Namen der Thermen kennen wir nicht. Ihren heutigen Namen erhielt von der Pfarrkirche St. Barbara, die jedoch nicht mehr besteht.

Heute führt ein Steg quer durch die Anlage und der Besucher erfährt an 9 Infotafeln das wichtigste über die Thermen und das römische Badewesen.

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Römerbrücke in Trier

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Die heutige Römerbrücke in Trier ruht auf den Originalpfeilern einer Brücke aus dem 2. Jh. n. Chr. und belegt das technische Können römischer Architekten.

Diese Brücke war bereits die dritte Brücke, die die Römer an diesem Moselabschnitt errichteten. Bereits ca. 16/17 v. Chr. entstand nach den gefundenen Hölzern die erste Brücke über die Mosel – vermutlich verbunden mit der ersten römischen Siedlung an der Stelle der Stadt Trier. Die genaue Lage ist nicht bekannt. Vermutlich lag sie etwas flussabwärts. Die genannten Holzfunde stammen aus ihrer Zweitverwendung in der zweiten Brücke.

Man vermutet, dass die erste Brücke als Pfahljochbrücke gebaut wurde. Dazu wurden Pfeiler schräg in das Flussbett gerammt und mit Balken verbunden. Diese Querbalken wiederum wurden mit Holzbalken verbunden, die die Straße bildeten. Zur Brechung der Strömung standen weitere Pfeiler noch schräger von der Brück ab. Eine solche Pfahljochbrücke ist allerdings ziemlich niedrig und muss den Schiffsverkehr behindert haben. Eventuell war ein Teil der Brücke als Zugbrücke konstruiert, um diesen Nachteil wettzumachen.

Unter Vespasian wurde diese Brücke um 71 n. Chr. durch eine Steinbrücke ersetzt. Die Steinpfeiler ruhten auf einem Balkenrost, der in das Flussbett gerammt wurde. Reste der Balken und ihrer Eisenschuhe kann man im Landesmuseum sehen. Die Steinpfeiler liefen wie bei der späteren, noch heute erhaltenen Brücke, gegen die Strömung spitz zu, allerdings schloss die Rückseite gerade ab. Über den Pfeilern erhob sich das sogenannte Sprengwerk, eine Holzkonstruktion, die die eigentliche Holzfahrbahn trug. Diese war einschließlich der Bürgersteigen vermutlich ca. 8 m breit.

Um 144 n. Chr. ersetzte man diese Brücke durch eine breitere Brücke – wieder etwas weiter flussaufwärts –, deren Pfeiler diesmal direkt auf dem Flussbett auflagen. Diesmal schloss die Rückseite der Pfeiler halbrund ab. Auch bei dieser Brücke ruhte die Fahrbahn auf einer Holzkonstruktion. Die Fahrbahn war jetzt ca. 11 m breit. Fünf der sieben ursprünglichen Pfeiler stehen heute noch. Man sieht auf deutlich die Konsolen, die die Holzkonstruktion auf den Pfeilern stützten.

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Erst im Mittelalter tauschte man die Holzkonstruktion gegen eine Steinwölbung. Ende des 17. Jh. n. Chr. wurde die Brücke von französischen Truppen zerstört. Beim Wiederaufbau 1716–1718 errichtete man auch das Kreuz und die Statue des Heiligen Nikolaus. Der heutige Zustand stammt aus dem Jahr 1931, als die Brücke verbreitert wurde.

Literatur

  • H. Cüppers: Die Trierer Römerbrücken, von Zabern, Mainz 1969, (Trierer Grabungen und Forschungen 5)
  • H. Cüppers: Trier – die Römerbrücke. in: H. Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Lizenzausgabe, Nikol, Hamburg 2002, S. 608–614
  • H. Cüppers: Die Römerbrücken. In: H.-P. Kuhnen (Hrsg.): Das römische Trier. Theiss, Stuttgart 2001, S. 158–165 (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 40)
  • S. Faust: Römerbrücke. In: Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg.): Führer zu archäologischen Denkmälern des Trierer Landes. Trier 2008 (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 35) S. 60 f.
  • M. Neyses/ E. Hollstein in: Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg.): Trier – Augustusstadt der Treverer. 2. Auflage, Mainz 1984, S. 180–182
  • A. Neyses, Ein Wiederherstellungsversuch der um 150 n. Chr. erbauten Moselbrücke in Trier, Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 54, 2007, S. 471 – 495 (https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/jahrb-rgzm/article/view/18547)
  • Wikipedia

 

Die Kaiserthermen in Trier (Teil 2)

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Als sich Konstantin später seiner neuen Hauptstadt Konstantinopel zuwandte, ließ er viele Bauten in Trier unvollendet, so zum Beispiel die Thermen. Ab der zweiten Hälfte des 4. Jhs. n. Chr. wurde an der Bauruine der Thermen weitergebaut – allerdings wurde die ursprünglich geplante Nutzung als monumentale öffentliche Thermen offenbar aufgegeben.

Man vergrößerte den Hof, indem man einige der angrenzenden Räume wieder abriss, unter anderem das Frigidarium. Die bereits vorhandenen Einbauten für Heiz- und Wassertechnik wurden wieder entfernt und die unterirdischen Anlagen zum Teil zugeschüttet. Rund um den Hof entstanden kleine Räume sowie neben dem ursprünglichen Tepidarium eine kleine Badeanlage. Man vermutet, dass es sich bei der neuen Anlage um eine Kaserne der kaiserlichen Leibgarde handelte. Das ehemalige Caldarium interpretiert man dabei als Exerzierplatz mit angrenzendem Fahnenheiligtum.

Doch schon einige Jahre später, seit 392 n. Chr., war Trier keine Kaiserresidenz mehr und um die Jahrhundertwende wurde auch der Sitz der gallischen Prätorianerpräfektur nach Arles verlegt. Die nun leerstehende Kaserne wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten von der Bevölkerung jedoch immer wieder als Zuflucht genutzt. Das weithin sichtbare Caldarium wurde später sogar zu einer Burg umgebaut.

Den heutigen Besucher der Kaiserthermen beeindruckt wohl vor allem die hochaufragende Apsidenanlage des Caldariums. Interessant sind jedoch auch die unterirdischen Wasserleitungen und Gänge für das Personal oder die Heizräume, die später nicht mehr genutzt und teilweise zugeschüttet wurden. Man muss sich bei der Besichtigung immer darüber im Klaren sein, dass man Stückwerk aus verschiedenen Bau- und Nutzungsphasen vor sich hat.