Johanneskirche in Ephesus

Beim modernen Selcuk, nur wenige Kilometer entfernt vom antiken Ephesus, erheben sich die Ruinen der Johanneskirche auf einem Hügel. Die Kirche war dem Apostel Johannes geweiht. Der Legende nach war Johannes nach der Enthauptung seines Bruder Jakobus zusammen mit Maria nach Ephesus geflohen, wo er laut Irenäus von Lyon später auch starb. Eusebius von Cäsarea berichtet von einem Grab des Johannes in Ephesus. Über diesem Grab soll erst ein Mausoleum in Form eines von vier Säulen getragenen Kreuzgewölbes errichtet worden sein und später, unter Justinian, die Johanneskirche.

Man kann vier Bauphasen unterscheiden. In der ersten Phase gab es nur ein Kammersystem mit dem Grab und ein Staubwunder in einem Stollen. In einer zweiten Phase aus konstantinischer Zeit gab es einen 15 x 15 Meter großen Umbau. Von diesem haben sich allerdings nur Reste des Unterbaus erhalten. Die dritte Phase war bereits ein basilikaler Bau. Aus diesem Bau des 4./5. Jhs. n. Chr. haben sich Mosaikreste in den damals üblichen Farben Weiß, Schwarz und Rot erhalten.

Die heute sichtbaren Ruinen gehören zu einer Stiftung Justinians (6. Jh. n. Chr.). Er ließ fast einen Neubau errichten. Der Vorgängerbau wurde nicht nur verändert, sondern zumindest teilweise wohl auch abgerissen. Es handelt sich um einen Bau in Form eines Kreuzes mit freistehender, halbrunder Apsis und Emporen über den Seitenschiffen. Das Mittelschiff war mit sechs Kuppeln überwölbt, die außen mit Blei eingedeckt waren. Die Säulen sind aus Marmor und jene in den Seitenschiffen haben korinthische Kapitelle mit Kreuzrelief. Man fand auch Reste von Malereien. Die noch sichtbaren Mosaiken gehören allerdings zum Vorgängerbau.

Das Mauerwerk der 130 m langen und 40 m breiten Basilika besteht abwechselnd aus Bruchsteinen und Ziegelbändern. Der Kirche waren ein Narthex und ein 47 x 34 m großes Atrium vorgelagert. Letzteres war auf drei Seiten von Säulenhallen umgeben und erhob sich auf einem mächtigen Unterbau aus Tonnengewölben und Stützmauern.

An das bereits vorhandene Baptisterium mit zwei Apsiden und einem achteckigen Mittelraum mit Nischen schloss sich ein Schatzhaus an. Das eigentliche Baptisterium hatte vier Durchgänge, die mit vier halbrunden Nischen abwechseln. Dese Nischen haben Säulen auf hohen Sockeln, die möglicherweise ursprünglich nicht für diesen Bau bestimmt waren. Das Taufbecken (Piscina) hatte im Osten nach Westen Stufen. Zusätzlich zu dem Hauptbecken gab es hier sogar noch zwei Zusatzbecken.

Literatur:

  • Andreas Thiel, Die Johanneskirche in Ephesos. Reichert, Wiesbaden 2005

Konstantinopel – Gründungsgeschichte und erste Bauten (Teil 2)

Das „Kapitol“ Konstantinopels bestand aus dem Palast, der Kirche Hagia Sophia, der Apostelkirche, einem Senatsgebäude und dem Hippodrom, der Pferderennbahn, und war das Zentrum der neuen Stadt.

Die Hauptelemente des Hippodroms, der Pferderennbahn, gehen bereits auf Septimius Severus zurück. Später wurde das Hippodrom allerdings stark vergrößert. Gegenüber der Pferderennbahn stehen der Palast und die Hagia Sophia. Die ursprüngliche Hagia Sophia wurde wohl um 325 n. Chr. begonnen. Es handelte sich vermutlich um eine Basilika ohne Kuppel. Diese Kirche hatte auch noch keinen Namen, sondern wurde einfach Megálē Ekklēsíā (griechisch für „Große Kirche“) genannt.

Die Apostelkirche war nach der Hagia Sophia die bedeutendste Kirche in Konstantinopel und diente als Begräbnisstätte der byzantinischen Kaiser. Konstantin wollte hier im Altarraum zwischen je sechs Kenotaphen zu beiden Seiten beigesetzt werden. Er sah sich als dreizehnter Apostel, d.h. Christus gleich. Auch als Christ war er in der römischen Götterwelt verankert und sah sich als Hauptheiliger der Stadt.

An der Ostseite des Augusteions, eines großen Platzes, auf dem Konstantin eine Statue seiner Mutter Helena aufstellen ließ, wurde ein Senatsgebäude errichtet. Es handelte sich allerdings zunächst um einen Senat zweiter Klasse ohne legislative oder eindeutig politische Macht. Er war jedoch wichtiges Element der Kaiserideologie für Konstantinopel als Roma Secunda. Weitere Schwerpunkte der Stadt waren das Forum Konstantins und die Hafenanlagen.

 

Literaturauswahl:

  • Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion – Konstantinupolis – Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Wasmuth, Tübingen 1977
  • Peter Schreiner: Konstantinopel. Geschichte und Archäologie. Beck, München 2007 (Beck’sche Reihe 2364. C. H. Beck Wissen).
  • Klaus Kreiser: Geschichte Istanbuls. Von der Antike bis zur Gegenwart. Beck, München 2010

Konstantinopel – Gründungsgeschichte und erste Bauten (Teil 1)

Das alte Byzantion, eine megarische Stadtgründung von ca. 660 v. Chr., wurde nach der Zerstörung durch Severus 196 n. Chr. von Caracalla wieder aufgebaut. In diesen Wiederaufbau fällt unter anderem auch der Baubeginn des Hippodroms (Pferderennbahn), einer Säulenstraße und der Zeuxippos-Thermen. 258 n. Chr. wurde Byzantion von den Goten geplündert und zerstört.

Unter Konstantin wurde die Stadt neu gegründet und 324 n. Chr. zum Beispiel die Beferstigungen wieder hergestellt. Im gleichen Jahr wird das Areal der Stadt auf 6 Quadratkilometer festgelegt und als Großstadt geplant. Ab 328 n. Chr. ist Konstantinopel endgültig Regierungssitz.

Die neue Kaiserstadt wurde in Anlehnung an Rom gegründet und geplant, da sie nach Konstantin Roma Secunda sein sollte, die zweite Hauptstadt nach Rom. Rom und Konstantinopel waren durch die Via Ignatia verbunden. Worin aber zeigt sich die Anlehnung an Rom? Wie Rom wurde Konstantinopel auf sieben Hügeln errichtet und war in 14 Regionen aufgeteilt. Die Verwaltung erfolgte nach spätrömischem Vorbild durch Senat und Präfektur. Auch die Verbindung von Palast und Hippodrom war Rom nachempfunden. Weitere Ähnlichkeiten waren der goldene Meilenstein sowie die Beziehung zwischen Altstadt und Hippodrom.

Im 4. Jh. n. Chr. ist Konstantinopel zwar Sitz des Senats und Residenzstadt, aber der Kaiser ist auf dieser riesigen Baustelle nur selten anwesend. Aufgrund vieler Kriege wandern der Kaiser und sein Hofstaat lange Zeit von einer Residenzstadt zur anderen. Erst Theodosius (379 – 395 n. Chr.) bleibt dann tatsächlich dauerhaft in Konstantinopel.

 

(Fortsetzung folgt …)