Sarkophag mit Schlachtdarstellung (Nationalmuseum Florenz, Inv. Nr. 77977)

In der etruskischen-italischen Kunst finden sich zahlreiche Darstellungen von Kämpfen gegen Gallier, z.B. auf dem Fries von Civitalba, auf sogenannten Calenischen Reliefschalen, etruskischen Urnen oder römischen Sarkophagen. Ein etruskischer Sarkophag in Florenz zeigt eine kom­plexe Schlachtdar­stellung. Die Szene wird gerahmt von zwei Pfei­lern und zwei weib­lichen, ge­flügelten Figuren aus der Götterwelt der Etrusker. Sie tragen einen doppelt gegürtetem Rock mit Kreuzband­gürtung über der nackten Brust und hohe Stiefel, Armreifen sowie eine Hals­kette und halten Fackeln. Die eigent­liche Kampf­szene be­steht aus mehreren aneinanderge­reih­ten Kampf­gruppen. Der Vergleich mit antiken Quellen zeigt, dass es sich um Kämpfe gegen Gallier handelt. Wie dort sind sie gekennzeichnet durch Gürtel auf nack­tem Kör­per, Scu­tum (dem typischen Schild der Gallier), rechts getrage­nem Schwert und langen Haare. Teilweise tragen sie Mäntel, Lang­schwerter und Kappenhelme. Der Gallier rechts trägt unter dem Arm eine geriefelte Schale als Hinweis auf die Plünde­rung eines Heiligtums. Die Gegner der Gallier sind zwei mit Lan­zen bewaffnete Reiter und ein aus der Erde empor­steigendes geflü­geltes We­sen, von dem nur der Oberkör­per sicht­bar ist. Der rechte Reiter trägt einen glatten Pan­zer mit zwei Lagen Pteryges (Textil- oder Lederstreifen) und vermutlich einen korin­thischen Helm. Der linke Rei­ter scheint bis auf einen Man­tel nackt zu sein und trägt einen Helm oder Hut mit breiter Krempe. Die ge­flügelte Figur ist mit einem gegürteten Chi­ton bekleidet und hat eine Binde im Haar. Die Gal­lier sind in der Über­zahl und an einigen Stellen scheint es, als wür­den sie sich gegen­seitig bekämp­fen, z.B. am lin­ken Bildrand. Dort steht ein nack­ter Krieger über einem to­ten Gallier und fasst sich mit der lin­ken Hand an die Stirn. Auch das entspricht der literarischen Überlieferung über Gallier.

Literaturauswahl:

  • H. Brunn – G. Körte, I rilievi delle urne etrusche (1879-1916) Band III, S. 155 ff., Taf. 8a Abb. 28
  • M. Eichberg, Scutum. Die Entwicklung einer italisch-etruskischen Schildform von den Anfängen bis zur Zeit Caesars (1987) Kat. 119
  • U. Höckmann, Gallierdarstellungen in der etruskischen Grabkunst des 2. Jhs. v. Chr., JdI 106, 1991, Kat. 8 Taf. 47,2
  • K. W. Zeller, Kriegswesen und Bewaffnung der Kel­ten, in: Die Kel­ten in Mit­teleuropa (1980) 111 ff.
  • A. Zimmermann, Plündernde Gallier in der etruskisch-italischen Kunst, Thetis 2, 1995, Kat. 10

Antike Quellen:

  • Diodor V 27-31
  • Kallimachos, Hymn. 4, 174 und 4,183
  • Livius XXXVIII 21,9 – 26,7
  • Polybios II 28-35 und III 114,3
  •  Strabon IV 4

 

Archäologisches Museum in Metz (Frankreich)

Die archäologischen Sammlungen der französischen Stadt Metz sind Teil des Museums La Cour d’Or. Dieses 1839 gegründete Museum für Kunst und Geschichte im Zentrum von Metz beherbergt neben gallo-römischen Funden auch mittelalterliche Kunst und Architektur sowie eine Gemäldesammlung. Im Folgenden soll jedoch nur die gallo-römische Sammlung vorgestellt werden, die eine der größten in Nordfrankreich ist.

Der Rundgang beginnt mit einem Mosaik und der Vorstellung der Stadt Dividorum, der Hauptstadt des keltischen Stammes der Mediomatriker, denen Metz seinen Namen verdankt. Danach führt uns unser Weg in das Kellergeschoss, wo die beim Bau des Museums gefundenen Reste einer römischer Thermenanlage in das Museum integriert wurden. Zurück im Erdgeschoss widmet sich die gallo-römische Ausstellung unter anderem den Themen Arbeit und Alltag, Bestattungswesen, Religion (darunter orientalische Gottheiten und Christentum), Wohnhäuser und Gutshöfe sowie den römischen Berufen. Vor allem Darstellungen auf Grabmälern helfen uns oft, diese Alltagsthemen nachzuvollziehen.

Zu den Highlights der gallo-römischen Sammlung des Museums La Cour d’Or gehört die Jupiter-Giganten-Säule aus Merten, der ein eigener Saal gewidmet ist. Eine Kopie dieser beeindruckenden Säule steht in Metz in der Rue Serpenoise. Die orientalischen Religionen werden unter anderem durch Reliefs und Statuen aus einem Kultraum für Mithras repräsentiert.

Danach führt uns der Rundgang durch die gallo-römische Sammlung erneut in den Keller. Hier wird uns die gallische Volkskunst nähergebracht, bevor wir unseren Rundgang durch die gallo-römische Epoche mit einem Blick auf die Franken und andere „Barbaren“, die gegen Ende des 5. Jhs. n. Chr. die römische Herrschaft in der Region von Metz ablösten, beenden.

Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim (Teil 4)

Im französischen Teil des europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim wurden die Reste einer römischen Straßensiedlung konserviert. Die Siedlung war ca. 20 Hektar groß und wurde etwa zwischen 40 und 50 n. Chr. gegründet. In ihrer Blütezeit in der ersten Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. lebten hier vermutlich ca. 2000 Menschen.

Bei den Gebäuden handelt es sich vor allem um sogenannte Streifenhäuser, die auf eine Hauptstraße hin ausgerichtet waren. Die Häuser reihten sich Mauer an Mauer; nur selten gab es zwischen den Häusern schmale Durchgänge. Den Schmalseiten der Häuser zur Straße hin waren Säulengänge vorgelagert. Das Innere der Häuser verband Wohnbereiche mit Bereichen zur Ausübung verschiedener Handwerke und den dazugehörigen Geschäften. Beispielsweise fand man Reste einer Bronzegießerei und einer Bäckerei. Einige der Häuser hatten auch Räume mit Fußbodenheizung.

Auch eine große öffentliche Thermenanlage gehörte zu dieser Siedlung. Die Reste dieser Badeanlage werden heute unter einem Schutzdach bewahrt. Zu diesen Thermen gehörte neben dem Umkleideraum und den eigentlichen Baderäumen (Kaltbad, Warmbad und Heißbad) ein Hof für sportliche Aktivitäten, in dem sich auch ein Schwimmbecken befand.

Neben der Thermenanlage, im Zentrum der Siedlung, gab es eine Basilika ca. 31 x 15 Meter große, die Versammlungen oder für Gerichtsverhandlungen gedient haben könnte, sowie eine repräsentative Brunnenanlage. Dieser Bereich ist jedoch nicht sichtbar gemacht worden.

Neben seiner Funktion als Museum und archäologischer Park ist der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim auch ein Forschungszentrum. Anhand der vielen teilweise überregional bedeutenden Funde in dieser Region von der Bronzezeit bis heute wird hier die Entwicklung der Besiedlung der Region Bliesbruck-Reinheim erforscht und in verschiedenen Publikationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

 

Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim (Teil 3)

Neben den rekonstruierten keltischen Grabhügeln führt der Rundgang durch den europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim zur Römischen Palastvilla, einem römischen Gutshof, der seit 1987 ausgegraben wird. Der mit etwa 70.000 Quadratmetern Grundfläche riesige Gutshof ist einer der größten im Raum Saar-Mosel. Allein das Hauptgebäude erhebt sich bereits auf ca. 5.600 Quadratmetern und nimmt mit seinem Hof und mehreren Anbauten 44.000 Quadratmeter ein. Diese sogenannte pars urbana war vom Wirtschaftsbereich (pars rustica) mit seinen durch eine Mauer getrennt. Der landwirtschaftliche Teil der Villa war von einer Mauer umgeben, an sich 13 Nebengebäude anlehnten. Direkt an das Hauptgebäude schloss das Gebäude an, das heute rekonstruiert ist und eine Taverne sowie im Obergeschoss eine Ausstellung über die Villa beherbergt.

Der Grundriss des Hauptgebäudes ist H-förmig. Im Zentrum befindet sich ein 33 x 8 Meter großer Raum, der vermutlich als Empfangsraum diente. An der vorderen und rückwärtigen Fassade waren Säulengänge vorgelagert, die die Gebäudeteile miteinander verbanden. Vor dem Gebäude lag ein Garten, der heute wieder in Teilen sichtbar gemacht wurde.

Die nördlichen Räume im Ostflügel des Gebäudes gruppieren sich um einen größeren Saal. Im Südteil fand man einen Raum mit Fußbodenheizung. Die Deutung dieser Räume ist allerdings unklar. Im südlichen Teil des Westflügels befanden sich die Wohnräume der Besitzer, darunter drei mit Fußbodenheizungen. Im nördlichen Teil war der Badetrakt untergebracht. Im Bereich dazwischen fand man einen Kellerraum.

Dieses palastartige Gebäude war mit Wandmalereien, Stuck und Marmor ausgestattet. Die Besitzer dieser riesigen und prachtvollen Villa müssen eine besondere soziale Stellung in der daran anschließenden gallo-römischen Siedlung gehabt haben. Waren Sie Nachfahren der in den Grabhügeln bestatteten hochstehenden Kelten?

 

(Fortsetzung folgt …)

 

Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim (Teil 2)

Ausgehend vom Eingang an der Maison Jean Schaub in Reinheim führt der Weg in den Kulturpark zunächst zum Keltischen Fürstengrab.

Bereits 1952 hatte man Reste des Grabhügels eines ca. 45 bis 55 Jahre alten Mannes beim Sandabbau in der Nähe des heutigen Parks entdeckt. Dieses Grab war allerdings bereits zu stark zerstört. Zwei Jahre später stieß man auf das sogenannte Fürstinnengrab, ein keltisches Hügelgrab. Dieses Grab wurde in den folgenden Jahren ausgegraben. Dabei fand man zwei weitere Grabhügel. Alle drei Grabhügel wurden im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim im Maßstab 1:1 rekonstruiert. Allerdings ist nur das sogenannte Fürstinnengrab zugänglich und gibt einen Eindruck vom ursprünglichen Aussehen der Grabkammer.

Der Begriff Fürsten- bzw. Fürstinnengrab ist irreführend. Heute verwendet man auch die Begriffe Prunkgrab oder Elitegrab für solche prunkvollen Gräber. In unserem Fall handelte es sich bei der Bestatteten möglicherweise um eine Priesterin. Allerdings haben sich keine Skelettreste gefunden, sodass nicht absolut sicher ist, dass hier eine Frau bestattet war. Nur einige Grabbeigaben – ein Spiegel und zwei Armringe – weisen darauf hin, dass es sich um eine Frau handelte. Datiert wird das Grab in die keltische Periode La Tène A Stufe 3 (ca. 370 v. Chr.) aufgrund der Motive, die einiger der Grabbeigaben (Armreif, Maskenfibeln, Torques) schmücken.

Die Rekonstruktion des Grabhügels wurde 1999 eröffnet. Man betritt das Grab durch einen Vorbau mit einem Informationsstand und wechselnden Ausstellungen. Von dort führt eine Treppe zur Grabkammer. Informationstafeln und Vitrinen mit Kopien einiger Funde stimmen auf die eigentliche Grabkammer im Zentrum des Raumes ein. Man betrachtet die Grabkammer von der beim Sandabbau bereits abgetragenen Westseite aus und sieht auch das Grabungsprofil.

Die bestattete Frau trägt einen Torques, an jedem Arm einen goldenen Armring und Fingerringe. Links neben ihrem Kopf liegen Nachbildungen einer Stangengliederkette, eines Bernsteincolliers und einer Büchse, rechts die Kopie des Spiegels. Auf einem Tisch an der Ostwand der Grabkammer sieht man die berühmte vergoldete Bronzekanne und ein Trinkgeschirr.

Das Motiv des Pferdes mit Blattkrone vom Deckel der Bronzekanne findet sich auch vor dem Eingang zur Grabkammer zwischen den drei rekonstruierten Grabhügeln. Die Originalfunde befinden sich heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken.

Literaturauswahl:

  • Peter Buwen, Das Grab der Keltenfürstin in Reinheim. (= Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde. Sonderheft 2003), Saarpfalz-Kreis, 2003.
  • Rudolf Echt, Das Fürstinnengrab von Reinheim. Studien zur Kulturgeschichte der Früh-La-Tène-Zeit. (= BLESA Band 2). Veröffentlichung des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim, 1999.
  • Walter Reinhard, Die keltische Fürstin von Reinheim. Stiftung Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, Saarpfalz-Kreis, 2004.
  • Walter Reinhard: Der Fürstensitz von Reinheim. In: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. 2500 Jahre Geschichte (= Dossiers d’Archéologie. Sonderheft Nr. 24). ÉDITIONS FATON, 2013, S. 8–15.

 

(Fortsetzung folgt …)