Marienkirche in Ephesos

Die christliche Gemeinde von Ephesos war eine der ältesten christlichen Gemeinden und geht unter anderem auf den mehrjährigen Aufenthalt des Apostels Paulus zurück.

Die ersten Christen versammelten sich zunächst überall in den Häusern wohlhabender Gemeindemitglieder. Einige dieser Versammlungsräume dienten im Laufe der Zeit nur noch diesem Zweck und wurden zu sogenannten Hauskirchen mit festem liturgischem Mobiliar ausgestaltet.

Auch in Ephesus gab es erst spät reine Kirchenbauten. Eine davon ist die Marienkirche, in der 431 n. Chr. auch das Konzil von Ephesos stattgefunden haben soll. Für die heute nur noch als Ruine erhaltene Kirche wurde eine dem Göttervater Zeus und Kaiser Hadrian geweihte Tempelanlage umgebaut. Der Tempel bestand unter anderem aus einer basilika-förmigen, dreischiffigen Säulenhalle, deren Westteil dann in der ersten Hälfte des 5. Jh.s. n. Chr. zu einer Kirche in Basilikaform umgebaut wurde.

Die Kirche wurde der Gottesmutter Maria geweiht, die sich in Ephesos gewohnt haben soll. Unklar ist, inwieweit der Umbau mit dem Konzil zusammenhängt. Nutzte man eine bereits bestehende Kirche oder wurde die Kirche erst für das Konzil gebaut? In jedem Fall diente die Marienkirche für die nächsten Jahrhunderte als Bischofskirche von Ephesos.

Die Marienkirche wurde mehrfach durch Erdbeben zerstört, aber immer wieder aufgebaut und mehrfach erweitert. Vor der Westseite der Basilika entstand zunächst eine Vorhalle (Narthex) und ein Atrium, an dessen Nordseite ein achteckiges Baptisterium errichtet wurde. Noch heute kann man Reste der Wandverkleidung aus Marmor sehen. Stufen führen zu beiden Seiten in das Taufbecken, das in den Boden eingetieft ist.

Nach einer Zerstörung Mitte des 6. Jhs. n. Chr. baute zunächst man den Westteil der ursprünglichen Basilika zu einer Kuppelbasilika um, später ersetzte man die Säulen des Ostteils der ersten Kirche durch Pfeiler und nutze nur noch diesen Teil. Ab dem 7. Jh. n. Chr. wurde die Marienkirche dann nur noch als Begräbniskirche genutzt, bis sie im Laufe der Jahrhunderte ebenso wie das antike Ephesos verfiel. Bischofssitz war seitdem die Johanneskirche am Ayasoluk-Hügel, dem Zentrum des byzantinischen Ephesos.

 

Literaturauswahl:

  • Stefan Karwiese: Erster vorläufiger Gesamtbericht über die Wiederaufnahme der archäologischen Untersuchung der Marienkirche in Ephesos (= Denkschriften. Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Bd. 200). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1989.
  • Stefan Karwiese: The Church of Mary in Ephesos. Forschungsbericht (Onlinepublikation, April 2008)
  • Angelica Degasperi: Die Marienkirche in Ephesos. Die Bauskulptur aus frühchristlicher und byzantinischer Zeit (= Ergänzungshefte zu den Jahresheften des Österreichischen Archäologischen Institutes. 14). Wien 2013.
  • https://www.heiligenlexikon.de/Literatur/Marienkirche_Ephesus.html
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Göttliche Ungerechtigkeit? Strafen und Glaubensprüfungen als Themen antiker und frühchristlicher Kunst

(Ausstellung im Akademischen Kunstmuseum Bonn 06.05.-28.10.2018) 

Dieses Jahr feiert das Akademische Kunstmuseum, die Antikensammlung der Universität Bonn, – zusammen mit der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – sein 200. Jubiläum. Aus diesem Anlass haben die Institute für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie eine gemeinsame Ausstellung über göttliche Strafen und Glaubensproben in antiken Mythen und dem Alten Testament konzipiert.

Die einzelnen Abschnitte der Ausstellung zeigen:

  • Die Tötung der Niobiden
  • Die Preisgabe der Andromeda
  • Laokoon und seine Söhne
  • Eva, Adam und die Erbsünde
  • Abraham und Isaak
  • Jiftach und seine Tochter
  • Die Prüfung des Hiob
  • Iphigenie in Aulis
  • Die Sintflut
  • Kain, der bestrafte Gefährder
  • Der Ungehorsam des Jonas
  • Marsyas gegen Apoll

Als Einstieg in die Themen werden jeweils die schriftlichen Überlieferungen vorgestellt. Danach zeigen zahlreiche Fotos, aber auch Abgüsse und Originale aus dem Akademischen Kunstmuseum und anderen Museen, wie die Geschichten in der Bildkunst verschiedener Regionen und Epochen umgesetzt wurden. „Zu Wort“ kommen unter anderem Skulpturen und Reliefs, Wandmalerei, Buchmalerei, Sarkophage und Urnen. Dabei können je nach Kontext unterschiedliche Details der Erzählungen betont werden. In anderen Fällen wurde die gesamte Geschichte auch in einem Symbolbild zusammengefast. Bekanntestes Beispiel hierfür sind wahrscheinlich Adam und Eva zu beiden Seiten des Baums der Erkenntnis stehend, um den sich die Schlange windet.

All diese Geschichten zeigen in oft sehr drastischer Weise, wie Götter diejenigen strafen, die Ihnen gegenüber Hochmut zeigen oder an Ihnen zweifeln. Wenn dabei alle Kinder der Niobe den Tod finden, weil ihre Mutter sich gegenüber Leto mit ihrem Kinderreichtum rühmt, wenn Marsyas gehäutet wird, weil er Apollo herausgefordert hat oder wenn Hiob alles verliert, weil er an Gott zweifelt, dann kommen uns diese Strafen heute äußerst grausam und übertrieben vor. In der Antike jedoch ging man davon aus, dass die Götter es nicht dulden konnten, dass menschliche Anmaßung oder Zweifel ihre Überlegenheit in Frage stellten und damit die Weltordnung in Gefahr brachten.

 

Weitere Informationen:

 

 

 

San Giovanni in Laterano, Rom

Unter Kaiser Konstantin wurden in Rom verschiedene Kirchen gebaut. Darunter die Lateransbasilika als erste Gemeindekirche. San Giovanni in Laterano war auch die erste Bischofskirche und ist die einzige römische Basilika konstantinischer Zeit, die innerhalb der Stadtmauern lag. Alle anderen großen Basiliken entstanden außerhalb der Stadtmauern, da sie im Zusammenhang mit Gräbern entstanden.

Christliche Basiliken verwendeten Elemente römischer Profanbauten, sodass zum Teil nur die Inneneinrichtung zeigt, ob es sich um einen christlichen Bau handelt. Kennzeichen christlicher Basiliken sind unter anderem Obergaden mit Fenstern, die über die Seitenschiffe herausragen, und damit verbunden die Hierarchie der Innenausstattung durch die Ausrichtung auf das Mittelschiff mit der Apsis.

Die konstantinische Lateransbasilika war fünfschiffig und besaß einen hohen Obergaden, der auf Säulenkolonnaden ruht, und ein mit Holz gedecktes Dach. Alles ist nach innen orientiert und die Innenausstattung unterstützt die Hierarchie des Innenraums. Architektur und Ausstattung ergänzen einander.

Über dem Altar erhob sich wohl ein von Konstantin gestifteter und auf Säulen ruhender silberner Aufsatz, ein Ziborium. Eine solche Anlage betonte und erhöhte einen bestimmten Platz, z. B. ein Märtyrergrab. Die Skulpturen an den Giebeln waren der Überlieferung nach aus reinem Silber. Zur Gemeinde hin thronte Christus inmitten der Apostel, zur Apsis hin zwischen vier Engeln.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Basilika immer wieder umgebaut, aber ihre Bedeutung blieb: noch heute ist San Giovanni in Laterano die Kirche des Papstes als Bischof von Rom und die ranghöchste der Papstbasiliken.

Der Mithraskult: Anlage und Ausstattung der Kultlokale (Teil 1)

Die Anhänger des Mithraskults bezeichneten ihre Kultlokale als Aedes (= Haus, Tempel). Der eigentliche Kultraum wurde Crypta oder Spelaeum (= Höhle / Grotte) genannt.

Die Höhle galt als Symbol für den Kosmos; der Felsen symbolisiert den als steinern angesehenen Himmel. Oft nutze man daher auch eine Naturgrotte oder errichtete künstliche Grotten.

Mithräen waren klein, da man kleine Gemeinden anstrebte. Wurde eine Gemeinde zu groß, spaltete sie sich auf. Die Gemeinde versammelte sich in den Mithräen zu einem gemeinsamen Mahl, das sitzend oder liegend eingenommen wurde. Außerdem fanden in den Kulträumen Einweihungsriten statt.

Ein typisches Beispiel für ein Mithräum wurde in Heddernheim (bei Frankfurt) gefunden. Dieses Mithräum betritt man von Süden aus und kommt zunächst in einen Vorraum. Von diesem gehen zwei kleinere Räume ab, in denen vielleicht Kultgeräte aufbewahrt wurden. Diese Räume sind noch ebenerdig. Dann führen sieben Stufen in die Crypta hinab. Diese besteht aus 2 Bänken an den Wänden, zwischen denen die sogenannte Cella noch einmal drei Stufen tiefer liegt. Im Norden führen drei weitere Stufen zur Kultnische (Exedra) hinauf, in der das Kultbild steht.

Zum Aufbau der Kultlokale vergleiche z.B. die Mithräen in Santa Maria Capua Vetere, Ostia und Dieburg.

 

(Fortsetzung folgt …)

 

Das Dieburger Mithras-Kultbild

Das 1926 entdeckte Dieburger Mithräum war 11 m lang und 6,5 m breit und hatte wie üblich umlaufende Bänke für das gemeinsame Mahl. Für das Kultbild gab es offenbar keine Nische. Wie viele andere Mithräen war auch dieses schon in der Antike mutwillig zerstört worden.

Bei den Ausgrabungen fand man unter anderem ein 85 x 90 cm großes Relief, das ursprünglich drehbar war und auf beiden Seiten mit Reliefs versehen ist. Eine Seite zeigt als Mittelbild Mithras in einer Jagdszene, die von zwei Fackelträgern mit erhobener Fackel eingerahmt wird. Das Pendant mit gesenkter Fackel fehlt dagegen. Das Mittelbild wird von 11 kleineren Bildern eingerahmt. Sie zeigen Saturn, die Geburt des Mithras, das gemeinsame Mahl mit dem Sonnengott, die Himmelfahrt des Mithras sowie einige Szenen aus der Stiertötungslegende. Die eigentliche Tötung des Stiers die normalerweise im Zentrum jedes Mithras-Kultbilds steht, fehlt in Dieburg jedoch.

Die andere Seite des Reliefs sticht besonders aus den üblichen Kultbildern des Mithras hervor. Hier ist der Phaeton-Mythos dargestellt. Phaeton, der Sohn des Sonnengottes Helios, bittet seinen Vater, den Sonnenwagen lenken zu dürfen. Helios willigt widerwillig ein, da er durch ein Versprechen gebunden ist. Phaetons Überheblichkeit rächt sich jedoch. Er verliert die Kontrolle über den Sonnenwagen und stürzt ab. Damit löst Phaeton einen Weltenbrand aus und wird von Zeus mit einem Blitz getötet, um Schlimmeres zu verhindern.

Das Dieburger Relief zeigt in der Mitte den thronenden Sonnengott. Rechts von ihm steht Phaeton, der ihn um den Wagen bittet. Umgeben ist die Szene von verschiedenen Frauen sowie vier jungen Männern, die je ein Pferd des Sonnengottes führen. Darunter spannt der Himmelsgott Caelus seinen Mantel zum Himmelsgewölbe auf und macht auf diese Weise deutlich, dass sich diese Szene im Himmel abspielt. Den eigentlichen Sturz des Phaeton sehen wir nicht.

Was hat dieser Mythos mit Mithras zu tun? Der Legende nach verursacht Mithras am Ende der Welt einen Weltenbrand zur Reinigung. Mithras wird aber sicher nicht mit Phaeton gleichgesetzt, da dieser für Hochmut steht und sein Weltenbrand für Vernichtung. Mithras dagegen steht für neues Leben.

Da auf dem Dieburger Relief das zentrale Thema des Mithraskults – die Stiertötung, aus der neues Leben entsteht – nicht dargestellt ist, wird vermutet, dass es sich nicht um das eigentliche Kultbild handelt. Aber das werden wir wohl nicht klären können.

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 4)

Am ersten eigentlichen Festtag gab es eine große Prozession, an der alle Teilnehmer der Agone (= Wettkämpfe) und auch Frauen teilnahmen. Es war eine sehr farbenfrohe Prozession: die attischen Bürger trugen weiße Kleidung, die Metöken (= dauerhaft in Athen lebende Fremde ohne Bürgerrecht) scharlachrote Kleidung und die Choregen (Bürger, die finanziell und organisatorisch für die Chöre verantwortlich waren) trugen sehr prunkvolle Gewänder. Die Prozession endete vor dem Tempel des Dionysos Eleuthereus. Nachdem man dem Gott Schlachttiere und anderes geopfert hatte, ging man ins Theater.

Am Vormittag dieses Tages wurden außerdem verdiente Bürger geehrt und die Jugendlichen in die Gesellschaft eingeführt. Nachmittags wetteiferten Dithyrambenchöre miteinander (je ein Männer- und ein Knabenchor aus jeder Phyle (= Verwaltungsbezirk Athens und seines Umlands)). Ein Dithyrambos war das eigentliche Festlied des Dionysos und bestand aus einem Wechselgesang zwischen Chor und Vorsänger. Ein Chor aus 50 Teilnehmern sang und tanzte dabei zu Flötenmusik. Möglicherweise endete der Tag mit einem Umzug zu Ehren des Dionysos (Komos).

Am zweiten Festtag standen fünf Komödien auf dem Programm und danach folgten drei Tage mit je einer Tetralogie bestehend aus 3 Tragödien und 1 Satyrspiel. Die Theaterwettkämpfe (Agone) begannen bei Tagesanbruch. Vor Beginn einer Tetralogie gab es ein Opfer und man bestimmte auch di Richter, die die Stücke bewerten sollten. Die Reihenfolge der Konkurrenten wurde bei allen Wettbewerben durch das Los bestimmt.

Die Tragödien bestanden ursprünglich aus einem Chor und einem Schauspieler, der die verschiedenen Rollen mit Hilfe von unterschiedlichen Masken verkörperte. Später waren es zwei Schauspieler und noch später drei Schauspieler. Anfangs ehrte man nur die Dichter, später auch die Schauspieler. Die Siegerlisten der Dionysien und auch der Lenäen sind uns in Inschriften überliefert.

Am Abend des fünften Festtages gingen die Dionysien mit der Verkündung der Sieger im tragischen Wettkampf formal zu Ende, es fand jedoch noch eine abschließende Volksversammlung statt.

Die Entwicklung des Theaters – Tragödien, Komödien usw. sowie auch die Theaterbauten – hat ihren Ursprung in den Festen zu Ehren des Dionysos. Und die meisten im 5. Jh. v. Chr. entstandenen Dramen hatten ihre Uraufführung bei den städtischen Dionysien.

 

 

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 3)

Im März/April fand das wohl bekannteste Athener Dionysosfest statt, die sogenannten städtischen Dionysien, in deren Verlauf sich die besten Tragödien- und Komödiendichter in Wettkämpfen maßen.

Ursprünglich war dieses dem Dionysos Eleutheros gewidmete Fest wohl den ländlichen Dionysien ähnlich. Erst unter Peisistratos gewann das Fest an überregionaler Bedeutung. Es stand allen Griechen offen und wurde zur Selbstdarstellung Athens genutzt.

Das eigentliche Fest dauerte 5 Tage. Zusammen mit zwei vorbereitenden Tagen und einer Volksversammlung nach den Wettkämpfen ergeben sich folgende 8 Tage:

1. Tag:        Proagon
2. Tag:        Einholen des Götterbildes
3. Tag:        erster Festtag: Prozession, Festopfer, Dithyramben
4. Tag:        zweiter Festtag: Komödien-Wettkampf
5.- 7. Tag:   dritter bis fünfter Festtag: Tragödien-Wettkämpfe
8. Tag:        Volksversammlung im Theater

Der Proagon diente der Vorstellung der Vorstellung der Dichter und der Stücke. Am Tag danach holte man Dionysos symbolisch von Eleutherai nach Athen – in Erinnerung an das mythische Geschehen. Dazu brachte man das Kultbild des Dionysos aus seinem Tempel hinter dem Theater zu einem kleinen Tempel außerhalb der Stadtmauern im Kerameikos gebracht. Nach einem Opfer brachte man die Statue nach Einbruch der Nacht wieder zu seinem Heiligtum beim Theater.

 
(Fortsetzung folgt …)