Römervilla an der Winninger Brücke (Autobahnraststätte „Aussichtspunkt Moseltal“ Ost)

Weitgehend unbekannt von der Öffentlichkeit – selbst von Bewohner der näheren Region – erstecken sich bei der Autobahnraststätte „Aussichtspunkt Moseltal“ Ost die Reste eines römischen Gutshofes. Nur wenn man vom Parkplatz zu Fuß in Richtung Autobahn geht, sieht man die Hinweisschilder.

Die Villa rustica an sich war bereits Anfang des 20. Jhs. bekannt, wurde aber erst 1971 beim Bau der Autobahnbrücke wissenschaftlich untersucht. Der Gutshof umfasste insgesamt etwa 100 x 100 Meter. Die heute sichtbaren Reste gehören zum Haupthaus der Villa und zeigen den Zustand um 200 n. Chr.

Das heute Haupthaus misst etwa 30 x 20 Meter. Das Gebäude besitzt an den vorderen Ecken vorspringende Räume (sogenannte Eckrisaliten) zwischen denen eine Säulenhalle dem eigentlichen Eingang vorgelagert ist. Es gibt zwei Räume mit Fußbodenheizung. Im Westen gehört der beheizte Raum zu einem Badetrakt, bei dem man auch sehr gut den Heizraum sehen kann. Im Osten und im Süden hat man auch Kellerräume gefunden.

Weiterführende Literatur:

  • Marko Kissel, Die römische Villa von Winningen: Die römische villa rustica „Auf dem Bingstel“, Gemeinde Winningen, Kreis Mayen-Koblenz: Untersuchungen zu Befunden, Fundmaterial und Besiedlungskontinuität (2009)
  • Marko Kiessel: Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel 11, Sonderdruck aus: Zur Beckenkonstruktion in einem Nebengebäude der villa rustica von Winningen (Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein u. Mosel e.V. u. der Archäologischen Denkmalpflege, Amt Koblenz 2006)
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Die Villa rustica von Holheim, Bayern (Teil 2)

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Wie bei allen römischen Gutshöfen gab es auch bei der Holheimer Villa ein Badegebäude. Unmittelbar hinter der Feuerstelle (Praefurnium) liegt das Heißbad (Caldarium). Daran schließt sich das Warmbad (Tepidarium) an. Die dazugehörigen Badewannen befanden sich in Erkern. Im östlichen Teil des Gebäudes liegt das Kaltbad (Frigidarium) mit einem weiteren Wasserbecken, das mit Ziegelplatten ausgekleidet war. Dieses Becken war vermutlich ca. 60 cm tief und man konnte über 2 oder 3 Stufen hineinsteigen.

In den Wänden des Kaltbades haben sich Reste von Wasserleitungen erhalten. Die Wasserbecken wurden vermutlich aus einer obertägigen Zisterne gespeist. Zu diesem Zweck durchbricht schmaler Kanal die Ostmauer. Das Abwasser floss dagegen durch einen Abfluss in der Nordmauer des Kaltwasserbeckens in einen schmalen Traufgraben, der das Badehaus umgibt.

An das Frigidarium schließt sich im Süden ein ursprünglich unbeheizter Raum an, der wohl als Eingang und gleichzeitig zum An- und Auskleiden diente. Später baute man eine sogenannte Kanalheizung in diesen Raum ein.

Neben dem Haupthaus und dem Badegebäude waren einige Wirtschaftsgebäude auf dem eingefriedeten Gelände des Gutshofes verteilt, deren Nutzung jedoch in der Regel nicht näher bestimmt werden konnte. Vermutlich handelte es sich jedoch um verschiedene Speicher, Schuppen sowie Stallungen und ein Mühlstein, weist auf die Nutzung eines dieser Gebäude als Getreidemühle hin. Zudem wurden die Höhlen oberhalb der Villa als Kühl- und Vorratsräume genutzt.

Die Befunde weisen auf eine Entstehungszeit der Villa im 2. Jh. n. Chr. Um die Mitte des 3. Jhs. n. Chr. wurde die Villa durch einen Brand zerstört – möglicherweise im Verlauf der Alemanneneinfälle. Darauf könnte hinweisen, dass das gewaltsame Ende die Bewohner offenbar überraschte – man fand im Haupthaus auch unbestattete Leichen.

Die Funde aus der Villa befinden sich heute im Stadtmuseum Nördlingen. Unter anderem fand man die Statuette eines Satyrs, einen Altar für Jupiter, Münzen und Fibeln.

 

Die Villa rustica von Holheim, Bayern (Teil 1)

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Unterhalb des Riegelberges bei Nördlingen liegt im Tal des Marienbaches (Stadtteil Holheim) ein römischer Gutshof. Die Ruinen der Villa rustica waren schon im 13. Jh. unter den Namen castrum bzw. urbs antiqua bekannt. Die Mauern waren zu dieser Zeit also offenbar sichtbar.

1974 fand man den Hof im Zuge von Flurbereinigungsmaßnahmen und grub in den folgenden Jahren fast den ganzen Gutshof aus. Seit 1983 sind die Grundmauern der ergrabenen Gebäude konserviert und geben dem Besucher einen Eindruck eines römischen Gutshofes.

Literaturauswahl:

  • W.  Czysz, Andrea Faber u.a.: Der römische Gutshof von Nördlingen-Holheim, Landkreis Donau-Ries. In: Berichte der bayerischen Bodendenkmalpflege 45/46, 2004/2005, S. 45–172.
  • W. Czysz in: W. Czysz, L. Bakker (Hrsg.): Die Römer in Bayern. Theiß, Stuttgart 1995, S. 415–538.
  • W. Czysz: Die villa rustica von Holheim. In: Die Römer in Schwaben. Jubiläumsausstellung 2000 Jahre Augsburg, Lipp, München 1985, S. 168–174.

Nach außen hin ist das Anwesen von einer Hofmauer abgegrenzt. Der genaue Verlauf dieser Mauer ist nur in einigen Bereichen bekannt und auch „das Zufahrtstor konnte noch nicht lokalisiert werden“[1]. Die bisherigen Funde weisen jedoch darauf hin, dass die Hofmauer trapezförmig war.

Die Front des Haupthauses beträgt 100 Meter. Das Gebäude besteht aus L-förmig angeordneten Räumen, hinter denen ein Hof liegt. Die große Spannweite und fehlende tragfähiger Stützen sprechen dafür, dass der Hof nicht überdacht war. Bis zur Entdeckung des Holheimer Haupthauses war dieser Villentyp unbekannt und so wurde er nach ihm benannt.

Wegen der starken Hangneigung musste der Hof zweimal abgestuft werden. An der Westwand des Hofes überdacht eine Säulenhalle den rückwärtigen Zugang zu den beiden Wohnflügeln. Die gefundene Ausstattung ist einfach: weißer Wandputz mit rotem „falschem Fugenputz“ täuscht regelmäßiges Quaderwerk vor und Scherben weisen auf Glasfenster. Reste einer Hypokaustheizung hat man dagegen nicht gefunden. Die Bewohner der Villa verwendeten stattdessen vermutlich tragbare Kohlebecken. Der Wohnbau bestand anscheinend von Anfang an aus mörtelgebundenem Kalkbruchstein und das Dach war offenbar mit Schindeln gedeckt.

 

(Forsetzung folgt …)

[1] W. Czysz: Die villa rustica von Holheim. In: Die Römer in Schwaben. Jubiläumsausstellung 2000 Jahre Augsburg, Lipp, München 1985, S. 171

Römische Villa am Silberberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Teil 2)

In der 2. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. entstand das Gebäude, das man im Foyer des Museums als Modell bewundern kann. Es handelte sich um eine etwa 70 x 20 m große Portikusvilla, das heißt dem Gebäude war eine Säulenhalle vorgelagert. Im Fall dieser Villa ohne die oft anzutreffenden vorspringenden Ecken.

Die Portikus war etwa 1 m erhöht und hatte ein Pultdach. Sie war zunächst vom östlichen Hof her zugänglich, später baute man jedoch eine zentrale Freitreppe. Auch wurde die Säulenhalle zu einem späteren Zeitpunkt nach Westen hin verlängert, um den Bewohnern einen trockenen Zugang zum Badegebäude zu sichern.

Über diese Portikus betrat man das Haus über mehrere Eingänge. Gegenüber der Freitreppe befindet sich der Eingang zu einem Repräsentationsraum. Andere Eingänge führten zu weiteren Räumen und zu einem Korridor hinter dem Gebäude. Etwa 13 m westlich des Haupthauses befand sich ein Badegebäude.

An verschiedenen Stellen fand man Reste von Wand- und Deckenmalerei. Ein kleiner Durchgangsraum mit Deckenmalerei im Ostteil des Gebäudes wurde sogar rekonstruiert. Dieser Teil des Hauses war zweigeschossig, wie Reste einer komplett umgekippten Wand und Markierungen von Treppenstufen zeigen.

Dieses Gebäude wurde bis ca. 260 n. Chr. genutzt. Danach verfiel es langsam.

Ende des 3. Jh. n. Chr. wurde das Gebäude wieder genutzt, nun als Rasthaus. Dazu wurden die größeren Räume unterteilt. Beispielsweise entstanden im Bereich des Zentralraums eine Küche, eine Garküche und ein Verkaufsraum und mitten im hinteren Korridor baute man einen großen Backofen.

Gegen Mitte des 4. Jhs. n. Chr. wurde das Gebäude verlassen und es verfiel offenbar recht schnell. In der 2. Hälfte des 4. Jhs. n. Chr. wurde der westliche Hof überdacht und man baute Metallschmelzöfen in die Trümmer ein. Man fand Bleischlacke, was auf das Ausschmelzen von Erz auf Silber deutet. Ein weiterer Hinweis auf Silberfunde ist der Flurname „Silberberg“. Etwa um 400 n. Chr. endete allerdings auch dieser Handwerkerbetrieb.

Bis um 7.-8. Jh. n. Chr. hatte der Hangschutt das Gebäude nach und nach komplett überdeckt. Zu dieser Zeit wurden 32 Gräber in den Hangschutt gegraben. Die Bestatteten blickten nach Osten und es gibt keine Beigaben.

 

Informationen zu Preisen und Öffnungszeiten:

http://stadt.bad-neuenahr-ahrweiler.de/sv_bad_neuenahr_ahrweiler/Bildung%20&%20Kultur/Museen/Museum%20Roemervilla/Veranstaltungen/

http://stadt.bad-neuenahr-ahrweiler.de/sv_bad_neuenahr_ahrweiler/Bildung%20&%20Kultur/Museen/Museum%20Roemervilla/Flyer%20Roemervilla%20klein.pdf

 

 

 

Römische Villa am Silberberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Teil 1)

Im Ahrtal gibt es eine Reihe von römischen Villen. Der Abstand zwischen den Villen betrug dabei maximal 1200 m, was dafür spricht, dass es bei diesen Gutshöfen nicht vor allem um Landwirtschaft ging und die Produktion wohl nur für den Eigenbedarf reichte.

Das 1980 beim Ausbau der B 267 entdeckte Hauptgebäude einer Villa bei Bad Neuenahr-Ahrweiler ist seit 1993 unter einem Glasbau für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Museum zeigt die verschiedenen Nutzungsperioden vom 1. bis 8. Jh. n. Chr. (Siehe Grundriss)

Literatur (siehe auch Wikipedia):

Die Ausstattung des Hauptgebäudes weist auf Besitzer der gehobenen Schicht. Dabei bleibt unklar, ob es sich um Römer handelte oder um romanisierte Kelten. Man geht davon aus, dass etwa 15-20 Personen mehrerer Generationen in dem Gebäude lebten. Unterkünfte der Dienerschaft hat man bisher nicht gefunden und man vermutet sie unter der modernen Bebauung. Auch der Begräbnisplatz des Gutshofs ist noch nicht bekannt.

Um die Mitte des 1. Jhs. n. Chr. errichtete man das erste Gebäude („Haus I“), das aber bereits kurz darauf wieder eingeebnet wurde, um „Haus II“ zu bauen. Größe und Grundriss von Haus I sind nicht bekannt. Man sieht man heute nur einzelne Teile des Gebäudes: den Keller unter Raum 13 von Haus II, den vom nördlichen Hof her zugänglichen Heizraum (Praefurnium), der später als Keller genutzt wurde, sowie 2 Räume des ursprünglichen Bades.

 

(Fortsetzung folgt …)

 

 

Villae Rusticae (Teil 2)

Als Standort wählte man gerne Hanglagen und man achtete darauf, dass die Versorgung mit Trinkwasser und Löschwasser durch Quellen oder sonstige Gewässer gesichert war. Wenn möglich wurden diese Wasserquellen in den durch eine Mauer oder Palisade abgegrenzten Hofbereich einbezogen.

Der Hof gliederte sich in einen Wohnbereich (pars urbana) und einen Wirtschaftsbereich (pars rustica). Das Wohnhaus des Besitzers bildet den Mittelpunkt der Anlage und befindet sich in der Regel im hinteren höhergelegenen Teil des Hofes. Von hier aus konnten der Hofraum und die angrenzenden Felder gut überblickt werden. Dieses Hauptgebäude bestand meist von Anfang an aus Kalkbruchstein und war reich ausgestattet mit Mosaikfußböden, Wandmalerei, Wandbehängen oder Tafelbildern. Einige Räume waren in der Regel sogar beheizt.

Auch ein Badegebäude gehörte normalerweise zu einer solchen villa rustica. Manchmal sind diese Badegebäude in das Hauptgebäude integriert, manchmal aber auch in gesonderten Gebäuden untergebracht.

Ausgrabungen römischer Villen konzentrierten sich anfangs auf die zum Teil äußerst repräsentativen Hauptgebäude. Seit vielen Jahren widmet sich die Forschung aber auch den Nebengebäuden, um mehr über den Alltag auf einem solchen Gutshof zu erfahren.

Bei den Wirtschaftsgebäuden lehnten sich oft an die Hofmauer an. Es handelt sich um einfache, meist ungegliederte Stein- oder Steinsockelbauten. Eine genaue Bestimmung ihrer ursprünglichen Funktion ist daher oft schwer. Möglich sind: Speicherbauten, Schuppen, Stallungen, eine Schmiede oder eine Bäckerei. Daneben wurden Gebäude auch außerhalb des Hofes angelegt oder manchmal nutzte man sogar nahegelegene Höhlen zur Kühlung.

Innerhalb des Hofes oder in unmittelbarer Nähe befanden sich ein Heiligtum oder ein Bereich mit Weihesteinen für verschiedene Gottheiten. Die Gräber der Bewohner befanden sich dagegen immer außerhalb des Hofes – in der Regel einigen hundert Meter Abstand an der Zufahrtsstraße.

Inzwischen sind viele Villae Rusticae der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden, seien es nur die Grundmauern oder seien es ganze Rekonstruktionen, die gerade den Laien stärker anspricht. Hier einige Beispiele:

 

Villae Rusticae (Teil 1)

Villae rusticae gehören neben Militärlagern und Tempeln zu den prominentesten Funden aus römischer Zeit. Allein in Deutschland wurden bereits tausende gefunden und immer wieder werden neue entdeckt – sei es durch Luftaufnahmen oder durch Zufallsfunde am Boden. Eine solche römische Villa hatte nichts mit unserem heutigen Begriff „Villa“ zu tun. Es handelte sich stattdessen um Gutshöfe.

Literatur:

  • U. Heimberg: Villa rustica. Leben und Arbeiten auf römischen Landgütern (Mainz 2011)
  • K. H. Lenz: Ländliche Besiedlung. In: Thomas Fischer (Hrsg.): Die römischen Provinzen. Eine Einführung in ihre Archäologie (Stuttgart 2001) S. 58–67
  • V. Rupp / H. Birley (Hrsg.): Landleben im römischen Deutschland (Stuttgart 2012)

Der größere Teil dieser Gutshöfe entstand im 1. Jh. n. Chr. und wurde bis ins 3. Jh. n. Chr. benutzt – teilweise auch länger. Die Abstände zwischen den Villen und das dazu gehörige Hinterland betrug meist zwischen 1 und 3 km, aber es kam auch vor, dass die Abstände wesentlich größer waren (z. B. im Allgäu) oder die Villen in besonders fruchtbaren Gegenden nur einige hundert Meter voneinander entfernt lagen.

Bei den Besitzern handelte es sich zum Teil um Veteranen, die als Abfindung Land bekamen und sich häufig in der Nähe ihres letzten Standorts niederließen. Daneben gab es wohlhabende Stadtbewohner, die in der Villa vor allem eine Kapitalanlage sahen und ihren Besitz nur zeitweilig nutzten. Die Führung des Hofes oblag dann einem Verwalter (vicilius). Bei den Besitzern handelte es sich um wohlhabende Bürger wie Händler oder hochstehende Verwaltungsbeamte; auch der Staat oder der Kaiser selbst kamen als Besitzer infrage.

Andere Höfe wurden verpachtet und die Pächter (coloni) leisteten ihre Abgaben in Form von Geldzahlungen oder Naturalien. Es gab aber auch sog. freie Ackerbauern, die ihren Hof selbst bewirtschafteten und während den Erntezeiten ihr Personal mit Tagelöhnern aufstockten.

 

(Fortsetzung folgt …)