Villa Romana del Casale bei Piazza Armerina, Sizilien (Teil 2)

Vor dem eigentlichen Eingang zur Villenanlage liegt ein hufeisenförmiger Hof, den man durch einen monumentalen, aus drei Bögen bestehenden Eingang betrat. An den äußeren Pfeilern kann man Reste Fresken sehen – je ein Militärwappen wird von zwei Personen flankiert. Die beiden inneren Pfeiler boten Nischen für Statuen. Außen befindet sich jeweils ein rechteckiges Becken, innen jeweils ein halbrundes.

Der Hof wird von einem Säulengang umgeben und in der Mitte sieht man die Reste eines Wasserbeckens. Auch vom ursprünglichen, schuppenartigen Fußbodenmosaik kann man noch einen Teil sehen.

Einige Stufen führen von diesem Hof in das Vestibül, das den eigentlichen Eingang zur Villa bildet und zu einem großen rechteckigen Peristyl führt. Auch dieser Innenhof wird von Säulenhallen umgeben. Das in diesen Portiken umlaufende Bodenmosaik besteht aus Zopfgirlanden, die quadratische Felder bilden. In jedem dieser Felder ist der Kopf eines Tieres in einem Lorbeerkranz dargestellt. Die Zwickel füllen Efeublätter und Vögel. Der Innenhof war ursprünglich ein Garten.

Gegenüber dem Zugang von Vestibül her befindet sich ein kleiner Raum mit Apsis, in dem wohl die Laren, die Schutzgötter der Familie, verehrt wurden, und in der Mittelachse ist ein großes Wasserbecken angelegt.

Folgt man der Säulenhalle vom Vestibül nach links, kommt man zum Eingang einer Latrine. Der Raum in der nordwestlichen Ecke führt zu den Thermen, auf die ich später noch eingehen werde. Unter den verschiedenen Räumen, die man von der Nordseite des Peristyls betrat, befinden sich verschiedene Räume der Dienstboten, darunter die Küche, sowie möglicherweise einige Gästezimmer.

 

(Fortsetzung folgt …)

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Villa Romana del Casale bei Piazza Armerina, Sizilien (Teil 1)

Die römische Villa von Casale in der Nähe der sizilianischen Stadt Piazza Armerina (daher auch als Villa von Piazza Armerina bekannt) wurde 1761 wiederentdeckt, aber erst 1881 gab es erste systematische Ausgrabungen, bei denen man auf den Mosaikfußboden des Speisesaals stieß. Danach dauerte es noch einmal ein halbes Jahrhundert, bis man begann, den Gesamtkomplex der Villa auszugraben. Den Anfang machte 1929 Paolo Orsi, einer der bedeutendsten Archäologen Siziliens. Seit 1997 ist die Villa Weltkulturerbe der UNESCO.

Die am Fuß des Monte Mangano im Tal des Flusses Gela gelegene Villa hatte wohl ca. 60 Räume. Zurzeit kann man über vierzig Räume der etwa 1,5 Hektar großen Anlage besichtigen. Die Villa gliedert sich in vier Bereiche:

  • der Eingangsbereich
  • ein großer rechteckiger Hof mit einem Wasserbecken und angrenzenden Räumen, darunter eine große Halle in Form einer Basilika
  • ein elliptischer Hof mit weiteren angrenzenden Räumen, darunter der Speisesaal (Tricinium)
  • eine Thermenanlage in der nordöstlichen Ecke der Villa

Da die Villa an einem Hang liegt, wurde jeder dieser vier Bereiche auf einer eigenen Ebene errichtet. Die Wasserversorgung der Anlage erfolgte über zwei Aquädukte. Neben den Gebäuden selbst faszinieren vor allem die äußerst gut erhaltenen Fußbodenmosaiken. Dies verdanken wir der Tatsache, dass die Villa im 12. Jh. n. Chr. unter einem Erdrutsch begraben wurde. Die unterschiedlichen Stile der Mosaiken lassen darauf schließen, dass verschiedene Werkstätten mit den Arbeiten beauftragt wurden.

Die Villa, wie wir sie heute vor uns haben, entstand vermutlich im 3. und 4. Jh. n. Chr. aus einem älteren, einfacheren Gebäude des 2. Jhs. n. Chr. Umstritten ist bis heute, wer der Besitzer dieser prachtvollen Villa war. Aufgrund von Ausstattung und Größe vermutete man, dass es sich um die Villa von Kaiser Maximian (ab 285 n. Chr. Caesar im Westen, 286–305 Augustus) oder seinem Sohn Maxentius (305–312 n. Chr.) handelte. Aber auch wohlhabende Senatoren kommen in Frage. So schlug man Lucius Aradius Valerius Proculus Populonius vor, der von 327 und 331 Gouverneur Siziliens war und im Jahre 340 Konsul wurde.

In den folgenden Artikeln begeben wir uns auf einen Rundgang durch die Villa.

 

Literaturauswahl:

  • G. Iacono: Die Mosaiken der Villa Romana del Casale, Siciliamo, o. O. 2017
  • P. C. Baum-vom Felde: Die geometrischen Mosaiken der Villa bei Piazza Armerina. Kovač, Hamburg 2003
  • A. Carandini, A. Ricci, M. de Vos: Filosofiana. The villa of Piazza Armerina. The image of a Roman aristocrat at the time of Constantine. Palermo 1982
  • B. Carnabuci: Sizilien. Griechische Tempel, römische Villen, normannische Dome und barocke Städte im Zentrum des Mittelmeeres (= DuMont Kunst-Reiseführer). 6., aktualisierte Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2011
  • S. Muth: Bildkomposition und Raumstruktur. Zum Mosaik der „Großen Jagd“ von Piazza Armerina in seinem raumfunktionalen Kontext. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Rom. 106, 1999, S. 189–212.

 

(Fortsetzung folgt …)

Römervilla an der Winninger Brücke (Autobahnraststätte „Aussichtspunkt Moseltal“ Ost)

Weitgehend unbekannt von der Öffentlichkeit – selbst von Bewohner der näheren Region – erstecken sich bei der Autobahnraststätte „Aussichtspunkt Moseltal“ Ost die Reste eines römischen Gutshofes. Nur wenn man vom Parkplatz zu Fuß in Richtung Autobahn geht, sieht man die Hinweisschilder.

Die Villa rustica an sich war bereits Anfang des 20. Jhs. bekannt, wurde aber erst 1971 beim Bau der Autobahnbrücke wissenschaftlich untersucht. Der Gutshof umfasste insgesamt etwa 100 x 100 Meter. Die heute sichtbaren Reste gehören zum Haupthaus der Villa und zeigen den Zustand um 200 n. Chr.

Das heute Haupthaus misst etwa 30 x 20 Meter. Das Gebäude besitzt an den vorderen Ecken vorspringende Räume (sogenannte Eckrisaliten) zwischen denen eine Säulenhalle dem eigentlichen Eingang vorgelagert ist. Es gibt zwei Räume mit Fußbodenheizung. Im Westen gehört der beheizte Raum zu einem Badetrakt, bei dem man auch sehr gut den Heizraum sehen kann. Im Osten und im Süden hat man auch Kellerräume gefunden.

Weiterführende Literatur:

  • Marko Kissel, Die römische Villa von Winningen: Die römische villa rustica „Auf dem Bingstel“, Gemeinde Winningen, Kreis Mayen-Koblenz: Untersuchungen zu Befunden, Fundmaterial und Besiedlungskontinuität (2009)
  • Marko Kiessel: Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel 11, Sonderdruck aus: Zur Beckenkonstruktion in einem Nebengebäude der villa rustica von Winningen (Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein u. Mosel e.V. u. der Archäologischen Denkmalpflege, Amt Koblenz 2006)

Die Villa rustica von Holheim, Bayern (Teil 2)

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Wie bei allen römischen Gutshöfen gab es auch bei der Holheimer Villa ein Badegebäude. Unmittelbar hinter der Feuerstelle (Praefurnium) liegt das Heißbad (Caldarium). Daran schließt sich das Warmbad (Tepidarium) an. Die dazugehörigen Badewannen befanden sich in Erkern. Im östlichen Teil des Gebäudes liegt das Kaltbad (Frigidarium) mit einem weiteren Wasserbecken, das mit Ziegelplatten ausgekleidet war. Dieses Becken war vermutlich ca. 60 cm tief und man konnte über 2 oder 3 Stufen hineinsteigen.

In den Wänden des Kaltbades haben sich Reste von Wasserleitungen erhalten. Die Wasserbecken wurden vermutlich aus einer obertägigen Zisterne gespeist. Zu diesem Zweck durchbricht schmaler Kanal die Ostmauer. Das Abwasser floss dagegen durch einen Abfluss in der Nordmauer des Kaltwasserbeckens in einen schmalen Traufgraben, der das Badehaus umgibt.

An das Frigidarium schließt sich im Süden ein ursprünglich unbeheizter Raum an, der wohl als Eingang und gleichzeitig zum An- und Auskleiden diente. Später baute man eine sogenannte Kanalheizung in diesen Raum ein.

Neben dem Haupthaus und dem Badegebäude waren einige Wirtschaftsgebäude auf dem eingefriedeten Gelände des Gutshofes verteilt, deren Nutzung jedoch in der Regel nicht näher bestimmt werden konnte. Vermutlich handelte es sich jedoch um verschiedene Speicher, Schuppen sowie Stallungen und ein Mühlstein, weist auf die Nutzung eines dieser Gebäude als Getreidemühle hin. Zudem wurden die Höhlen oberhalb der Villa als Kühl- und Vorratsräume genutzt.

Die Befunde weisen auf eine Entstehungszeit der Villa im 2. Jh. n. Chr. Um die Mitte des 3. Jhs. n. Chr. wurde die Villa durch einen Brand zerstört – möglicherweise im Verlauf der Alemanneneinfälle. Darauf könnte hinweisen, dass das gewaltsame Ende die Bewohner offenbar überraschte – man fand im Haupthaus auch unbestattete Leichen.

Die Funde aus der Villa befinden sich heute im Stadtmuseum Nördlingen. Unter anderem fand man die Statuette eines Satyrs, einen Altar für Jupiter, Münzen und Fibeln.

 

Die Villa rustica von Holheim, Bayern (Teil 1)

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Unterhalb des Riegelberges bei Nördlingen liegt im Tal des Marienbaches (Stadtteil Holheim) ein römischer Gutshof. Die Ruinen der Villa rustica waren schon im 13. Jh. unter den Namen castrum bzw. urbs antiqua bekannt. Die Mauern waren zu dieser Zeit also offenbar sichtbar.

1974 fand man den Hof im Zuge von Flurbereinigungsmaßnahmen und grub in den folgenden Jahren fast den ganzen Gutshof aus. Seit 1983 sind die Grundmauern der ergrabenen Gebäude konserviert und geben dem Besucher einen Eindruck eines römischen Gutshofes.

Literaturauswahl:

  • W.  Czysz, Andrea Faber u.a.: Der römische Gutshof von Nördlingen-Holheim, Landkreis Donau-Ries. In: Berichte der bayerischen Bodendenkmalpflege 45/46, 2004/2005, S. 45–172.
  • W. Czysz in: W. Czysz, L. Bakker (Hrsg.): Die Römer in Bayern. Theiß, Stuttgart 1995, S. 415–538.
  • W. Czysz: Die villa rustica von Holheim. In: Die Römer in Schwaben. Jubiläumsausstellung 2000 Jahre Augsburg, Lipp, München 1985, S. 168–174.

Nach außen hin ist das Anwesen von einer Hofmauer abgegrenzt. Der genaue Verlauf dieser Mauer ist nur in einigen Bereichen bekannt und auch „das Zufahrtstor konnte noch nicht lokalisiert werden“[1]. Die bisherigen Funde weisen jedoch darauf hin, dass die Hofmauer trapezförmig war.

Die Front des Haupthauses beträgt 100 Meter. Das Gebäude besteht aus L-förmig angeordneten Räumen, hinter denen ein Hof liegt. Die große Spannweite und fehlende tragfähiger Stützen sprechen dafür, dass der Hof nicht überdacht war. Bis zur Entdeckung des Holheimer Haupthauses war dieser Villentyp unbekannt und so wurde er nach ihm benannt.

Wegen der starken Hangneigung musste der Hof zweimal abgestuft werden. An der Westwand des Hofes überdacht eine Säulenhalle den rückwärtigen Zugang zu den beiden Wohnflügeln. Die gefundene Ausstattung ist einfach: weißer Wandputz mit rotem „falschem Fugenputz“ täuscht regelmäßiges Quaderwerk vor und Scherben weisen auf Glasfenster. Reste einer Hypokaustheizung hat man dagegen nicht gefunden. Die Bewohner der Villa verwendeten stattdessen vermutlich tragbare Kohlebecken. Der Wohnbau bestand anscheinend von Anfang an aus mörtelgebundenem Kalkbruchstein und das Dach war offenbar mit Schindeln gedeckt.

 

(Forsetzung folgt …)

[1] W. Czysz: Die villa rustica von Holheim. In: Die Römer in Schwaben. Jubiläumsausstellung 2000 Jahre Augsburg, Lipp, München 1985, S. 171

Römische Villa am Silberberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Teil 2)

In der 2. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. entstand das Gebäude, das man im Foyer des Museums als Modell bewundern kann. Es handelte sich um eine etwa 70 x 20 m große Portikusvilla, das heißt dem Gebäude war eine Säulenhalle vorgelagert. Im Fall dieser Villa ohne die oft anzutreffenden vorspringenden Ecken.

Die Portikus war etwa 1 m erhöht und hatte ein Pultdach. Sie war zunächst vom östlichen Hof her zugänglich, später baute man jedoch eine zentrale Freitreppe. Auch wurde die Säulenhalle zu einem späteren Zeitpunkt nach Westen hin verlängert, um den Bewohnern einen trockenen Zugang zum Badegebäude zu sichern.

Über diese Portikus betrat man das Haus über mehrere Eingänge. Gegenüber der Freitreppe befindet sich der Eingang zu einem Repräsentationsraum. Andere Eingänge führten zu weiteren Räumen und zu einem Korridor hinter dem Gebäude. Etwa 13 m westlich des Haupthauses befand sich ein Badegebäude.

An verschiedenen Stellen fand man Reste von Wand- und Deckenmalerei. Ein kleiner Durchgangsraum mit Deckenmalerei im Ostteil des Gebäudes wurde sogar rekonstruiert. Dieser Teil des Hauses war zweigeschossig, wie Reste einer komplett umgekippten Wand und Markierungen von Treppenstufen zeigen.

Dieses Gebäude wurde bis ca. 260 n. Chr. genutzt. Danach verfiel es langsam.

Ende des 3. Jh. n. Chr. wurde das Gebäude wieder genutzt, nun als Rasthaus. Dazu wurden die größeren Räume unterteilt. Beispielsweise entstanden im Bereich des Zentralraums eine Küche, eine Garküche und ein Verkaufsraum und mitten im hinteren Korridor baute man einen großen Backofen.

Gegen Mitte des 4. Jhs. n. Chr. wurde das Gebäude verlassen und es verfiel offenbar recht schnell. In der 2. Hälfte des 4. Jhs. n. Chr. wurde der westliche Hof überdacht und man baute Metallschmelzöfen in die Trümmer ein. Man fand Bleischlacke, was auf das Ausschmelzen von Erz auf Silber deutet. Ein weiterer Hinweis auf Silberfunde ist der Flurname „Silberberg“. Etwa um 400 n. Chr. endete allerdings auch dieser Handwerkerbetrieb.

Bis um 7.-8. Jh. n. Chr. hatte der Hangschutt das Gebäude nach und nach komplett überdeckt. Zu dieser Zeit wurden 32 Gräber in den Hangschutt gegraben. Die Bestatteten blickten nach Osten und es gibt keine Beigaben.

 

Informationen zu Preisen und Öffnungszeiten:

http://stadt.bad-neuenahr-ahrweiler.de/sv_bad_neuenahr_ahrweiler/Bildung%20&%20Kultur/Museen/Museum%20Roemervilla/Veranstaltungen/

http://stadt.bad-neuenahr-ahrweiler.de/sv_bad_neuenahr_ahrweiler/Bildung%20&%20Kultur/Museen/Museum%20Roemervilla/Flyer%20Roemervilla%20klein.pdf

 

 

 

Römische Villa am Silberberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Teil 1)

Im Ahrtal gibt es eine Reihe von römischen Villen. Der Abstand zwischen den Villen betrug dabei maximal 1200 m, was dafür spricht, dass es bei diesen Gutshöfen nicht vor allem um Landwirtschaft ging und die Produktion wohl nur für den Eigenbedarf reichte.

Das 1980 beim Ausbau der B 267 entdeckte Hauptgebäude einer Villa bei Bad Neuenahr-Ahrweiler ist seit 1993 unter einem Glasbau für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Museum zeigt die verschiedenen Nutzungsperioden vom 1. bis 8. Jh. n. Chr. (Siehe Grundriss)

Literatur (siehe auch Wikipedia):

Die Ausstattung des Hauptgebäudes weist auf Besitzer der gehobenen Schicht. Dabei bleibt unklar, ob es sich um Römer handelte oder um romanisierte Kelten. Man geht davon aus, dass etwa 15-20 Personen mehrerer Generationen in dem Gebäude lebten. Unterkünfte der Dienerschaft hat man bisher nicht gefunden und man vermutet sie unter der modernen Bebauung. Auch der Begräbnisplatz des Gutshofs ist noch nicht bekannt.

Um die Mitte des 1. Jhs. n. Chr. errichtete man das erste Gebäude („Haus I“), das aber bereits kurz darauf wieder eingeebnet wurde, um „Haus II“ zu bauen. Größe und Grundriss von Haus I sind nicht bekannt. Man sieht man heute nur einzelne Teile des Gebäudes: den Keller unter Raum 13 von Haus II, den vom nördlichen Hof her zugänglichen Heizraum (Praefurnium), der später als Keller genutzt wurde, sowie 2 Räume des ursprünglichen Bades.

 

(Fortsetzung folgt …)