Santa Costanza, Rom

Eine der ältesten der Kirchen Roms ist Santa Costanza. Sie befindet sich bei der Kirche Sant’ Agnese fuori le mure. Zu dem Komplex gehören außerdem die Ruinen einer frühchristlichen Basilika sowie die unter diesen drei Gebäuden liegenden Katakombe.

Santa Costanza wurde unter Kaiser Konstantin als Mausoleum für seine Töchter Constantia (auch Constantina genannt) und Helena errichtet. Als Constantia später als Heilige verehrt wurde, baute man das Mausoleum zunächst zu einem Baptisterium um. 1254 weihte Papst Alexander IV. den Bau als Kirche Santa Costanza. Im Innenraum der Kirche befindet sich heute eine Kopie des Porphyr-Sarkophags für Constantia. Das Original befindet sich in den Vatikanischen Museen.

Die Säulenhalle, die den Rundbau ursprünglich umgab, und der vorgelagerte Narthex sind heute nicht mehr vorhanden. Erhalten hat sich bei dieser Kirche aber zumindest teilweise das ursprüngliche innere Ausstattungssystem, was Santa Costanza zu einem besonderen Schatz unter den unzähligen Kirchen Roms macht.

Innen besitzt die Außenmauer abwechselnd runde und eckige Nischen. Dabei sind die zentralen Nischen an den Seiten und gegenüber dem Eingang vergrößert, wodurch ein Kreuz angedeutet wird.

Der Innenraum der Kirche besteht aus einem überkuppelten Zentralraum, der durch einen Obergaden gegenüber dem den zentralen Raum umgebenden Säulengang erhöht ist. Die Innenwände dieses Obergadens waren bis zum Gewölbeansatz mit rotem und grünen Porphyr sowie gelbem Marmor verkleidet. Diese Marmorinkrustation hat sich leider ebenso wenig erhalten wie das ursprüngliche Kuppelmosaik.

Der umlaufende Säulengang hat ein Tonnengewölbe und öffnet sich zum Zentralraum mit Arkaden, die auf 12 Doppelsäulen aus grünem und roten Granit ruhen. Diese stammen fast ausschließlich aus anderen, älteren Gebäuden. Die Mosaiken des Tonnengewölbes sind in mehrere Bildfelder unterteilt. Neben geometrischen Figuren, Pflanzen und Tieren (zum Teil in Bildmedaillons) gibt es Darstellungen aus dem Bereich der Weinverarbeitung: eine Weinpresse, das Keltern, der Weintransport. Alle diese Motive können zwar christlich gedeutet werden, stammen aber aus dem allgemeinen Bildprogramm der Antike und haben keinen direkten christlichen Bezug.

Anders sieht es aus bei den Mosaiken in den zentralen Nischen der Seitenwände. Hier ist zum einen die Gesetzesübergabe an Petrus und Paulus durch Christus dargestellt und auf der anderen Seite die Schlüsselübergabe an Petrus.

Literaturhinweis:

  • Achim Arbeiter, Jürgen J. Rasch: Das Mausoleum der Constantina in Rom, Spätantike Zentralbauten in Rom und Latium Bd. 4 (2007)

Ara Pacis Augustae, Rom (Teil 5)

Vom Relief rechts des rückwärtigen Eingangs ist fast nichts mehr erhalten. Eine Umzeichnung veranschaulicht, wie man sich diese Darstellung aufgrund der wenigen erhaltenen Reste vorstellt. Vermutlich war hier die Göttin Roma dargestellt, die auf einem Waffenhaufen saß.

Links vom Haupteingang ist die Grotte dargestellt, in der Romulus und Remus von der Wölfin gesäugt worden sein sollen. Auch hier zeigen Umrisszeichnungen, wie die Szene ergänzt werden könnte. Vermutlich war der Gott Mars dargestellt sowie Faustulus, der Hirte, der die Kinder der Legende nach gefunden hat.

Auf der anderen Seite des Eingangs sieht man Aeneas, den zweiten legendären Ahnherrn der Römer, beim Opfer. Er wird begleitet von Opferdienern und einem Schwein, das geopfert werden soll.

Wie sind die Darstellungen der Ara Pacis zu deuten? Die mythischen Darstellungen können sich auf Augustus beziehen, repräsentieren aber auch das ganze römische Volk. Welche Kulthandlung ist in den Prozessionsfriesen dargestellt? Der Baubeginn des Altars am 4. Juli 13 v. Chr. oder die Einweihung am 30. Januar 9 v. Chr.? Mlasowsky schlägt eine Deutung als Supplicatio vor, d.h. als Danksagung für die sichere Heimkehr. Diese würde sowohl das Fehlen von Opfertieren erklären als auch die Teilnahme von Frauen und Kindern. An keinem der genannten Termine wären allerdings alle der vermutlich dargestellten Familienmitglieder tatsächlich in Rom gewesen.

Oft geht man davon aus, dass das Bildprogramm von Augustus selbst entworfen wurde und unter anderem die von ihm geplante Nachfolgeregelung propagieren sollte. In der antiken Literatur wird allerdings betont, dass der Senat den Altar für die glückliche Heimkehr des Augustus und den endlich wieder eingetretenen inneren Frieden des römischen Reichs gelobte. Eine Darstellung des Augustus als Alleinherrscher war dabei sicher nicht im Sinne des Senats. Hierfür spricht auch, dass, allen Interpretationsversuchen der dargestellten Personen zum Trotz, nur wenige Personen tatsächlich eindeutig zu benennen sind; und auch die Priester rücken die Familie des Augustus etwas in den Hintergrund. Bis Augustus eine dynastische Nachfolge propagieren konnte, ohne allzu großen Widerstand des Senats befürchten zu müssen, sollten noch einige Jahre ins Land gehen.

 

Literaturauswahl:

  • David Castriota: The Ara Pacis Augustae and the Imagery of Abundance in Later Greek and Early Roman Imperial Art (1995)
  • Alexander Mlasowsky: Ara Pacis. Ein Staatsmonument des Augustus auf dem Marsfeld (2010)
  • Erika Simon: Ara Pacis Augustae. Der Altar der Friedensgöttin Pax Augusta in Rom (2010)
  • Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. C.H. Beck (1987)

Ara Pacis Augustae, Rom (Teil 4)

Links vom Eingang der Rückseite befindet sich eines am besten erhaltenen Reliefs der Ara Pacis, der sogenannte Tellus-Fries. Auf einem Felsenthron sitzt eine Frau mit zwei nackten Kleinkindern. Sie trägt ein Kleid, dessen rechter Träger von der Schulter geglitten ist, und einen Mantel, der auch einen Teil ihres Kopfes verhüllt. Auf ihrem Schoß liegen Früchte und Nüsse. Im Hintergrund sieht man eine Felsenlandschaft sowie Ähren und anderen Pflanzen. Vor der Frau liegt ein Rind und daneben grast ein Schaf.

Zu beiden Seiten sind zwei Frauen mit nacktem Oberkörper und aufgebauschten Mänteln dargestellt. Die linke Frau sitzt auf einem Schwan und vor ihren Füßen sieht man verschiedene Pflanzen und einen Wasservogel. Dieser steht auf einem umgestürzten Krug, aus dem Wasser läuft. Die rechte Frau sitzt auf einem Seeungeheuer, das von Wellen umgeben ist.

Bis heute ist umstritten, wen die Figuren dieses Reliefs darstellen sollen. Die Gottheit im Zentrum wird aufgrund der vielen Attribute, die für Fruchtbarkeit und Wohlstand stehen (Äpfel, Trauben, Ähren, …) am häufigsten als Tellus, die römische Erdgöttin, interpretiert. Weitere Vorschläge sind beispielsweise die Getreidegöttin Ceres (aufgrund der Ähren), die Friedensgöttin Pax als Voraussetzung für Wohlstand. Möglich ist auch, dass gar keine bestimmte Gottheit gemeint war, sondern es dem antiken Betrachter überlassen wurde, welche Gottheit er mit der durch Augustus herbeigeführte Friedenszeit verband.

Auch die flankierenden Figuren wurden unterschiedlich gedeutet. Sie wurden zum Beispiel interpretiert als Verkörperung der Meeres- und Landwinde oder als die Elemente Wasser und Luft.

 

(Fortsetzung folgt …)

Ara Pacis Augustae, Rom (Teil 3)

Die Außenwände der Umfassungsmauer zeigen an den Seiten je eine Opferprozession, die sich auf den Eingang zubewegt. Aufgrund des Erhaltungszustands und Überarbeitungen bzw. Ergänzungen seit der Antike, ist die genaue Identifizierung allerdings bei vielen Figuren schwierig. Unbestritten ist, dass neben Liktoren (Amtsdiener, die einem Amtsträger mit Rutenbündeln vorausgingen) und Priestern Mitglieder der Familie des Augustus dargestellt sind. Allerdings gibt es in der Forschung viele abweichende Meinungen darüber, wer genau wo dargestellt ist. Die verschiedenen Deutungen hat Alexander Mlasowsky zusammengestellt (Alexander Mlasowsky: Ara Pacis. Ein Staatsmonument des Augustus auf dem Marsfeld (2010)).

Es scheint, als ob hier nicht zwei verschiedene Prozessionen dargestellt sind, sondern eine einzige, die von den beiden Seiten der Straße her gesehen wird. Eindeutig identifizierbar ist Augustus selbst. Er erscheint auf der Südseite unter den Priestern. Ihm folgen Flamines, Priester, die jeweils für eine Gottheit zuständig waren. In diesem Fall vermutet man, dass die Priester der Götter Mars, Quirinus und Jupiter sowie des vergöttlichten Caesar dargestellt sind. Auf der Nordseite folgen den Liktoren Mitglieder anderer Priesterkollegien.

Unter den Prozessionsteilnehmern, die der Gruppe der Priester folgen, befindet sich Agrippa, der Freund und Schwiegersohn des Augustus. Auch dieser ist eindeutig identifizierbar. Unter den weiteren Prozessionsteilnehmern vermutet man unter anderem Livia, die Frau des Augustus, und seine Tochter Julia. Auch könnten Antonia maior, Antonia minor, Germanicus und andere Mitglieder des Augustus dargestellt sein.

 

(Fortsetzung folgt …)

Ara Pacis Augustae, Rom (Teil 2)

Die gesamte Anlage der Ara Pacis hat eine Grundfläche von 11,63 × 10,62 und ist 4,60 Meter hoch. Sie besteht aus Carrara-Marmor. Der eigentliche Altar im Zentrum des Heiligtums steht in einem von Mauern umgebenen Hof. Man erreicht diesen Hof, der sich auf einem Podium erhebt, über 3,60 Meter breite Zugänge an Vorder- und Rückseite der Umfassungsmauer. Während der Eingang auf der Rückseite zur Zeit der Erbauung ebenerdig lag, war der Eingang auf der Vorderseite, der Hauptseite des Altars, über eine neunstufige flache Freitreppe zugänglich.

Der eigentliche Altar erhebt sich auf einem weiteren Podium. Über vier Stufen erreichte man den Altartisch, der an den Schmalseiten sowie an der Rückseite von Reliefs eingefasst war. Die seitlichen Wangen dieser Umfassung sind mit Greifen und Ranken mit hoch aufragenden Voluten geschmückt. Vermutlich waren alle freien Wände des Altars mit Reliefs versehen, von denen sich aber kaum Reste erhalten haben. Die Wange links vom Altartisch zeigt innen und außen Opferzüge. Ansonsten reichen die Reste nicht für genaue Rekonstruktionen.

Die Umfassungsmauer ist außen und innen jeweils mit zwei Registern von Reliefs versehen. Die Innenseite imitiert im unteren Register Holzpalisaden, mit denen ein römischer Altar oft umgeben war. Das darüber liegende Relief ahmt den in solchen Holzkonstruktionen üblichen Girlandenschmuck nach. Dieser hing dann an Pfosten und war wie an der Ara Pacis mit Bukranien (Rinderschädeln) verziert. Über den Girlanden sieht man Opferschalen.

Die Außenwände der Umfassungsmauer sind im unteren Register auf allen vier Seiten mit Ranken aus Akanthusblättern und anderen Pflanzen geschmückt, zwischen denen man bei genauerem Hinsehen auch Vögel und andere kleine Tiere entdecken kann.

Die Reliefs im oberen Register zeigen unter anderem Opferzüge und Szenen aus der mythischen Vorzeit der Römer. Diese Darstellungen sind jedoch Gegenstand des folgenden Artikels.

 

(Fortsetzung folgt …)