Die Katakomben Roms (Teil 2)

Inzwischen sind etwa 50 Katakomben in Rom bekannt. Die Hauptbelegungszeit ist 2.-4. Jh. n. Chr. Die Katakomben Roms sind die frühesten und auch die reichsten.

In der Katakombe San Callisto (Callixtus-Katakombe) gibt es beispielsweise zwei Stollen, die schräg hineinführen und durch weitere Gänge miteinander verbunden sind (-> Rostsystem). Der Friedhof besteht aus 265 Kammern, darunter die sogenannte „Bischofskapelle“, eine Kammer, in der von der zweiten Hälfte bis zur ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts Bischöfe bestattet wurden.

In der Domitilla-Katakombe wuchsen dagegen vier private Friedhöfe zusammen und auch die Katakombe an der Via Latina war eine private Anlage.

Die römischen Katakomben waren reich ausgemalt. Da Katakomben von Christen und Nichtchristen benutzt wurden, vermischt sich die christliche Thematik mit althergebrachten Motiven und nicht immer ist klar zu entscheiden, welcher Religion der Bestattete angehörte.

Wir finden Schaf- oder Widderträger, Oransfiguren (Betende), Orpheusbilder, Mahlszenen und Philosophenbilder. Alle diese Bilder stammen aus der vorchristlichen Tradition. Daneben finden wir aber auch rein biblische Darstellungen. Zum Beispiel Daniel in der Löwengrube, den Sündenfall, Jonas, die drei Jünglinge im Feuerofen, oder auch das Quellwunder des Moses aus dem Alten Testament. Aus dem Neuen Testament stammen dagegen das Quellwunder Petri, die Taufe Jesu sowie verschiedene Wundertaten Jesu (Brotvermehrung, Erweckung des Lazarus usw.). Bei allen diesen Darstellungen handelt es sich um symbolhafte Szenen, die nicht immer genau der Textvorgabe entsprechen.

Nicht nur in Rom gab es Katakomben, sondern zum Beispiel auch in Neapel, Syrakus oder Agrigent.

Die Katakomben Roms (Teil 1)

Die frühen Christen haben jeweils die Bestattungssitten jener Länder übernommen, in denen sie lebten. Das heißt, es gab keine Unterschiede zwischen christlichen und nichtchristlichen Gräbern und zumindest in der Frühzeit lagen sie auch oft nebeneinander (z. B. bei Familiengräbern). Ab Mitte des 3. Jhs. n. Chr. gibt es Friedhöfe (Coemeterien) nicht nur für Familien, sondern auch für Gruppen (z. B. Gemeindefriedhöfe).

Zu den bekanntesten Typen von Friedhöfen gehören Katakomben. Die ersten Katakomben in Rom trugen Flurnamen oder andere individuelle Namen. Da in späteren Jahrhunderten der Friedhof „ad catacumbas“ der einzige dieser Form war, den man noch kannte, setzte sich in der Folge der Gattungsname Katakomben für diese Friedhofsform durch. Die heute bekannten Katakomben wurden dann nach dem Flurnamen benannt, in dem sie lagen (ad catacumba, ad duas lauras), nach ihrem Besitzer (Domitilla) oder ihrem Verwalter (Callixtus), nach einem Märtyrer (ad Nerei et Achelii, Pietro e Marcellino) oder nach einer Gruppe (iordanorum).

In Katakomben finden wir verschiedene Grabformen. Meist handelt es sich um Loculusgräber, Nischen die in mehreren Etagen in die Wände der Gänge eingearbeitet waren. Diese Nischen wurden mit Steinplatten verschlossen, die gleichzeitig als Grabstein mit Angaben zum Bestatteten dienten. Formae sind Gräber, die in den Boden eingetieft wurden. Arcosolia sind Nischen mit bogenförmigen Abschluss. Das eigentliche Grab war eine Aussparung im Boden, die mit einer Steinplatte verschlossen wurde, oder ein Sarkophag. Cubicula sind dagegen Kammern mit mehreren Arcosolien.

 

(Fortsetzung folgt …)

Römische Grabaltäre

Vor einem römischen Grab wurden oft Altäre aufgestellt. Einzelne Beispiele gibt es bereits in augusteischer Zeit, aber erst ab tiberischer Zeit nimmt ihre Zahl stark zu.

Die Form dieser Grabaltäre variiert stark. Die sogenannte Normalform trägt an der Vorderseite eine Inschrift und hat einen spitzen oder runden Giebel. Eine weitere Gruppe ist mit Girlanden geschmückt. Der Stil der Girlanden ändert sich im Lauf der Zeit und hilft bei der Datierung dieser Grabaltäre: von claudischer bis in die flavische Zeit nimmt die Licht-Schatten-Wirkung immer mehr zu. Im 2. Jh. n. Chr. läuft dieser Typ aus. Andere Grabaltäre sind seitlich gerahmt. Hier unterscheiden wir eine Rahmung durch Säulen, die vor allem in flavischer Zeit vorkommt, und eine Rahmung durch Rankenleisten. Teilweise finden sich auch Portraits der Verstorbenen auf diesen Altären.

Der Form nach handelt es sich zwar um Altäre, aber sie wurden nicht immer als solche genutzt. Altäre galten als Symbol für Pietas, das pflichtgerechtes Verhalten gegenüber Göttern und Menschen. Gleichzeitig dienten einige dieser Altäre als Behälter für Brandbestattungen. In diesen Fällen gab es im Innern oder oben Vertiefungen für die Asche oder eine Urne.

Ganz allgemein kann man diese Grabaltäre wohl als Symbol für die religiöse Pflichterfüllung gegenüber dem Verstorbenen deuten.

Römische „Hochzeitsarkophage“

Bei den sogenannten Hochzeitssarkophagen handelt es sich um eine Gruppe von ca. 90 Sarkophagen, die die eheliche Zusammengehörigkeit von Mann und Frau zeigen.

Im antiken Rom erreichten Mädchen bereits mit 12 Jahren das heiratsfähige Alter, Jungen etwas später mit 14 Jahren. Viele heirateten allerdings erst später und die Ehen waren meist arrangiert.

Die Verlobung wurde mit einem Ring für die zukünftige Braut besiegelt, der an der linken Hand getragen wurde. Am Vorabend der Hochzeit opferte die Braut ihre Kinderkleidung und ihr Spielzeug den Hausgöttern (Laren) und der Vesta, der Göttin von Heim und Herd. Die Braut wurde in eine weiße Tunika gekleidet. Darüber trug sie ein gelbrotes langes Gewand, die palla galbeata, sowie einen roten Schleier.

Am Hochzeitstag selbst wurde zuerst bei einer Eingeweideschau die Zustimmung der Götter zu der Hochzeit ermittelt. Wenn der Wahrsager die Zeichen als positiv interpretierte, wurde der Ehevertrag verlesen und die rechten Hände der Brautleute von einer alten Frau, die noch in erster Ehe leben musste, zusammengelegt (dextrarum iunctio).

Danach rief man verschiedene Gottheiten an und dann versammelten sich die Gäste zum gemeinsamen Hochzeitsmahl. Anschließend wurde die Braut in einem Festzug zum Haus ihres Mannes gebracht, wo sie die Türpfosten mit Fett einrieb und mit Wollbinden umwickelte. Der Bräutigam trug seine Frau über die Schwelle und begrüßte sie dann im Atrium mit Wasser und Feuer in ihrer neuen Familie.

Nach der Hochzeitsnacht gab es weitere Opfer und man lud die Verwandtschaft zu einer Nachfeier ein. Diese war allerdings für die Rechtsgültigkeit der Ehe nicht von Bedeutung und den vollständigen Hochzeitsritus konnten sich sicher viele römische Bürger nicht leisten.

Auf den Hochzeitssarkophagen ist in der Regel die dextrarum iunctio dargestellt. Meist hat die Frau einen Schleier über den Kopf gezogen und der Mann hält den Ehevertrag n den Händen. Zwischen den Eheleuten erscheint Göttin der Eintracht, Concordia, und/oder der Gott der Hochzeit, Hymenäus (klein, geflügelt, mit Fackel). Hinter der Frau steht oft eine weitere weibliche Figur, deren Deutung jedoch nicht klar ist.

Bsp. Sarkophag Monticelli (Leningrad): Im Zentrum steht ein Paar am Altar und zeiggt den Mann beim Opfer. Die dextrarum iunctio ist rechts davon dargestellt. Beim Opfer kann es sich aber nicht um eines der Hochzeitsopfer handeln, da diese immer unblutig waren.

Weitere Beispiele:

http://www.gettyimages.es/detail/foto/wedding-scene-detail-from-roman-sarcophagus-fotograf%C3%ADa-de-stock/185734996

http://ancientrome.ru/art/artworken/img.htm?id=5149

Bei einigen Sarkophagen sind einzelne Szenen der Hochzeit dargestellt, das Hauptthema ist jedoch ein anderes, z. B. bei einigen der sogenannten Feldherrnsarkophage oder den Magistratssarkophagen.

 

Literatur

  • G. Koch/H. Sichtermann: Römische Sarkophage (München 1982)
  • G. Koch, Sarkophage der römischen Kaiserzeit (Darmstadt 1993)
  • I. König, Vita romana. Vom täglichen Leben im alten Rom (Darmstadt 2004)
  • P. Connolly/H. Dodge, Die antike Stadt, Das Leben in Athen & Rom. (Köln 1998)

 

Griechische Grabdenkmäler (Teil 2)

In der klassischen Zeit (ca. 480 – 323 v. Chr.) werden die Grabstelen breiter. Die alten Themen wie Athletik, Jagd und Krieg werden jetzt seltener dargestellt und ganz selten sind Darstellungen einer bestimmten Aussage über den Toten. Stattdessen finden wir jetzt vor allem mehrfigurige Darstellungen mit einfachen „Lebensbildern“. Dabei sind meist polare Paare wie Mann und Frau, Mutter und Kind, Herrin und Dienerin usw. dargestellt, wobei die Szenen oft eine Atmosphäre der Trauer vermitteln. Die Deutung der Darstellungen ist allerdings umstritten. Bekannte Beispiele sind das Hegeso-Relief, die Theano-Stele und die Alxenor-Stele.

Im Hellenismus setzen in Athen, das in bisher in der Grabkunst führend war, wegen des Anti-Luxus-Gesetzes des Demetrios von Phaleron die Grabdenkmäler aus. Insgesamt kann man sagen, dass die Grabdenkmäler der hellenistischen Welt relativ einheitlich waren. Es werden allgemeine Szenen dargestellt. Beliebt werden beispielsweise Szenen, in denen die Familie tafelt (kein Totenmahl!). außerdem werden Standesabzeichen beigefügt. Individuelle Szenen sind dagegen selten.

Einige Fürsten und andere Personen der führenden Schichten ließen aber in dieser Zeit auch Grabdenkmäler errichten, die über das Übliche hinausgehen. Bekanntestes Beispiel ist sicher das Maussoleum von Halikarnassos in der heutigen Türkei (360-330 v. Chr.). Das iGrabmal bestand aus einem hohen Sockel, über dem sich ein tempelartiger Aufbau erhob. Man fand 2 Statuen, die vermutlich Maussolos und seine Frau Artemisia darstellen.

Ein ähnliches Grabmal ist das Nereidenmomunent (London, British Museum). Auch hier erhebt sich ein tempelartiger Aufbau, der die Grabkammer enthält, auf einem Sockel. Andere monumentale Grabformen können Felsgräber (z. B. in Kaunos) oder Hügelgräber (z. B. Grab Phillips II. in Vergina) sein. Insgesamt gibt es nur wenige monumentale Gräber. Ihr Bildschmuck stellt keine Leistungen des Verstorbenen mehr dar. Stattdessen wirken die Bauten für sich.

 

Griechische Grabdenkmäler (Teil 1)

Wie auch heute noch üblich, markierte man schon in der griechischen Antike die Gräber der Verstorbenen, um das Andenken der Toten zu wahren. Und auch damals gab es verschiedene Formen von Grabdenkmäler.

Schon seit dem späten 3. Jahrtausend v. Chr. sind Grabhügel bekannt. Ein Beispiel ist der Grabhügel in Nidri auf Lefkas.

Seit mykenischer Zeit (ca. 17. – 11. Jh. v. Chr.) kennen wir Grabstelen, die die Gräber markierten (Bsp. Grabzirkel in Mykene). Dargestellte Themen sind Wagenfahrt, Kampfszenen und Jagdszenen, also Bilder aus der Welt der Adligen. Es gibt aber auch rein ornamental verzierte Stelen.

In der geometrischen Zeit (ca. 900 – 700 v. Chr.) verwendete man ebenfalls zunächst Stelen und wohl leichte Anschüttungen. Später errichtete man richtige Grabhügel. Zur Markierung verwendete anfangs Gefäße. Im Boden dieser Gefäße befindet sich ein Loch für Trankopfer (= Libationen). Die Gefäße zeigen Szenen aus dem Totenritual (Aufbahrung, Leichenzug usw.) sowie Szenen aus dem Leben des Toten (Bsp. Dipylon-Amphora) Seit dem 8 Jh. v. Chr. gab es Grabsteine aus Stein oder Holz.

In der archaischen Zeit (ca. 750 – 500 v. Chr.) wurden die Grabmäler stärker personalisiert. So können die Stelen jetzt Namen tragen. Im 6. Jh. v. Chr. ist diese Tendenz besonders in Athen ausgeprägt. In dieser Zeit kommen auch die sogenannten Kuroi und Korai auf, freiplastische Figuren von jungen Männern und Frauen (Bsp.: Kroisos, Phrasikleia). Auch jetzt prägen Szenen aus der adligen Lebenswelt die Darstellungen. Als Bekrönung der Stelen finden wir oft Sphingen, die das Grab schützen sollten.

 

(Fortsetzung folgt …)

Jenseitsvorstellungen in der Antike

Was ist das Leben und was kommt danach? Diese Frage beschäftigte schon unsere Vorfahren und so wie heute waren auch bei Griechen und Römern Jenseits und Tod nicht genau definiert.

Die sichersten Zeugnisse über die Jenseitsvorstellungen bilden die Grabepigramme, die Inschriften auf den Grabmälern (vgl. R. Lattimore, Greeks and Roman Epitaphs (1962): thematisch gegliedert).

Die Epigramme zeigen, dass es keine feste Vorstellung über den Tod gab. Die Toten werden oft als anonyme Geisterschar, die Manen, dargestellt. Dabei bleibt der Körper bleibt leblos zurück, während die Seele als blasser kraftloser Schatten im Grab oder im Hades wohnt. Später nahm man an, die Seele steige in den Äther bzw. den Himmel auf. Mysterienkulte, wie die Mysterien der Demeter oder des Dionysos, versprachen dagegen ein seliges Leben nach dem Tod.

Das Totenreich wird in den Epigrammen verschieden lokalisiert (vgl.  z. B. Lattimore S 41). Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Tod als letzter Schlaf beschrieben wird. Die Inschriften sprechen vom Todesschicksal und oft wird der vorzeitige Tod beklagt, z. B. bei Kindern oder bei noch unverheirateten Mädchen, also wenn die Kinder vor den Eltern sterben. Man findet Klagemotive, aber auch Trostmotive, z. B. die Ergebung in ein Schicksal, das allen Menschen beschieden ist. Ein besonderer Trost ist ewiges Gedächtnis oder ewiger Ruhm. Daher werden die Errungenschaften des Toten in seinem Leben hervorgehoben und seine Tugenden.

Die Epigramme zeigen ein umfassendes Spektrum von Auffassungen von Tod und Jenseits. Die Darstellungen auf Grabmälern können zudem die Epigramme verstärken oder ergänzen, müssen aber nicht unbedingt das gleiche Thema wiedergeben wie die Epigramme (vgl. H. Häusle, Das Denkmal als Garant des Nachruhms (1980)). Grabmäler sind vor allem Monumente, d.h. sie dienen dem Gedächtnis und dem Nachruhm.

 

Literatur:

  • R. Lattimore, Greeks and Roman Epitaphs (1962)
  • H. Häusle, Das Denkmal als Garant des Nachruhms (1980)
  • J. Fugmann / A. Kolb, Tod in Rom: Grabinschriften als Spiegel römischen Lebens (2008)