Dreifußkessel der geometrischen Epoche

Dreifußkessel waren in der griechischen Antike zum einen Preise für Wettbewerbe, zum anderen aber auch beliebte Weihgeschenke. Vor allem in Olympia wurden sehr viele aufgestellt.

Die älteste Gruppe dieser Dreifußkessel hatte massiv gegossene Beine. Die Beine sind etwa 60 cm hoch und haben einen polygonalen Querschnitt. Sie setzen direkt am Kessel an. Spätere Exemplare haben einen pi-förmigen Querschnitt und sie sind weniger massiv.

Bei einem frühen Beispiel aus Olympia sind die Ringhenkel mit einem Strichornament verziert. Später sind die Dreifußkessel zunehmend dekoriert und teilweise sind an den Henkeln Figuren angebracht, z. B. Pferdefiguren. Auch die Kessel selbst werden nun teilweise mit figürlichem Schmuck verziert.

Die Henkel dieser geometrischen Dreifußkessel sind ringförmig. Man unterscheidet Ringhenkel mit durchbrochenem Dekor (teilweise einfacher Zickzackdekor) und plastischen Aufsatzfiguren auf der einen Seite und geschlossene Ringhenkel mit Rippung auf der anderen. Innerhalb dieser zweiten Gruppe gibt es in Olympia im 8. Jh. v. Chr. eine kleine Sondergruppe, die sich teils durch die Dekoration, teils durch die Dimensionen von 1,10 m bis zu 2 m Höhe hervorhebt. Die Beine dieser Gruppe werden von Graten gebildet. Die Kessel werden mit symmetrisch angeordneten Figuren verziert. Beispielsweise finden wir männliche Figuren, die in der Mittelachse mit der einen Hand das Gefäß „hält“. Die andere Hand ist erhoben. Andere Exemplare zeigen antithetisch angeordnete Löwen mit aufgerissenem Maul und dazwischen eine Blüte.

 

Literatur:

  • W. – D. Heilmeyer (Hrsg.), Mythos Olympia. Kult und Spiele. Ausstellungskatalog Berlin (Berlin 2012)
  • M. Maass, Die geometrischen Dreifüsse von Olympia, OF 10 (Berlin 1978)

Geometrische Pferdefiguren

Bereits ab dem 10 Jh. v. Chr. finden wir erste Beispiele von Tierskultpturen in der griechischen Kunst (Hirsch vom Kerameikos, Kentaur von Lefkandi). Diese frühen Beispiele waren aus Terrakotta. Später kam Tierplastik aus Bronze auf. Hierbei wurden überwiegend Pferde und Rinder dargestellt. Es handelte sich dabei vorwiegend um Votivgaben in Heiligtümern, z. B. in Olympia. Viele dieser Tierbronzen stehen auf einer durchbrochenen Basis; einige sind an Bronzedreifüßen angebracht.

Stilistisch kann man verschiedene Typen unterscheiden, die im Folgenden anhand der Pferdefiguren vorgestellt werden sollen.

Ein Typus ist auf Silhouette gearbeitet und wirkt fast zweidimensional. Der Körper ist kurz und walzenförmig.  Die Augen sind betont und eingetieft. Vermutlich waren sie eingesetzt. Teilweise gibt es im Halsbereich auch gepunzte Ornamente. Dieser Typus stammt vermutlich aus Korinth.

 

 

 

 

 

 

 

 

In anderer zeitgleicher Typus ist rundplastischer gearbeitet. Beine und Körper bilden einen U-förmigen Umriss und der Körper ist stärker gelängt. Die Halspartie ist ebenso flach wie bei den korinthischen Darstellungen. Vermutlich entstand dieser Typus in Argos. So fand man ihn zum Beispiel im Heraion von Argos. Man fand ihn aber auch in Arkadien, Athen oder Delphi.

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiterer Typus – vermutlich aus Sparta – ist hochbeiniger. Dieser etwas spätere Typus ist in ein Rechteck eingeschrieben und die Beine sind oft weniger ausgearbeitet.

Ein andeerer Typus stammt vermutlich aus Olympia. Hier sind Beine und Körper eher walzenförmig und die organischen Formen sind ausgedünnt.

Neben diesen Pferdefiguren findet man unter anderem Darstellungen einer säugenden Hischkuh oder Jagdszenen. Die Darstellungen zeigen also insgesamt eine Katalog von Wertemaßstäben.

Der geschundene Marsyas

Marsyas war ein Satyr aus dem Gefolge der Göttin Kybele. Er gilt in der griechischen Mythenwelt als Beispiel für Hochmut, der von den Göttern bestraft wird.

Athena hatte die Doppelflöte erfunden, warf sie allerdings weg, als sie sah, dass das Spiel auf der Flöte ihr Gesicht entstellte. Marsyas fand die Flöte und lernte sie zu spielen. Schließlich war er der Meinung, dass er besser als Apollo spielen würde. Natürlich gewann der Gott der Musik den Wettkampf und bestrafte Marsyas für seinen Hochmut, indem er ihn an einem Baum aufhängen und ihm bei lebendigem Leib die Haut abziehen ließ.

In der hellenistischen Kunst wurde oft menschliches Leid dargestellt und auch die Bestrafung des Marsyas wurde jetzt als Thema aufgenommen. Kopien einer entsprechenden Skulpturengruppe finden wir beispielsweise in München, in Paris und in Rom.

Erhalten ist jeweils der an einem Baum aufgehängte Marsyas. Nachklänge auf Münzen und Reliefs zeigen, dass ursprünglich mindestens eine weitere Figur zu der Gruppe gehörte. Man vermutet, dass der sogenannte „Schleifer“ (Beispiel im Louvre) dazu gehörte. Unklar ist, ob auch Apollo dargestellt war. Vermutlich sollten aber vor allem die Aussicht auf die Bestrafung und das Leiden im Mittelpunkt stehen. Auch ohne die Darstellung Apollos wusste der antike Betrachter, worum es ging und konnte die Szene mit der Bestrafung der Hybris (Hochmut) durch den Gott verbinden.

 

Literatur:

  • Andreas F. Kelletat: Der ungeschundene Marsyas. In: Dietmar Albrecht u. a. (Hrsg.): Unverschmerzt. Johannes Bobrowski: Leben und Werk. München 2004, S. 171–185.
  • Luise Seemann: Marsyas und Moira. Die Schichten eines griechischen Mythos. Marburg 2006
  • Ursula Renner, Manfred Schneider (Hrsg.): Häutung. Lesarten des Marsyas-Mythos. München 2006

Panathenäische Preisamphoren

Zu Ehren der Stadtgöttin Athene richtete Athen das Fest der Panathenäen aus. All vier Jahre fanden die sogenannten großen Panathenäen statt, zu denen verschiedene sportliche und musische Wettkämpfe gehörten. Als Preise für die sportlichen Wettkämpfe wurden – vermutlich ab der Neuordnung des Festes 566 v. Chr. – die sogenannten panathenäischen Preisamphoren verliehen. Pro Spiel wurden tausende von Amphoren benötigt. Ab ca. 530 v. Chr. wurden Form und Dekor dieser Amphoren festgelegt und blieben lange Zeit unverändert. Im Laufe der Zeit gab es dann zwar einige Änderungen, aber bis zum Ende der Panathenäen im 5. Jh. n. Chr. blieb der Dekor schwarzfigurig. Über einen großen Zeitraum des 4. Jhs. v. Chr. sind die Amphoren genau datierbar, da der für die Befüllung zuständige Archon inschriftlich erwähnt wird.

Diese ca. 60 – 80 cm hohen Amphoren sind durch Inschriften als Preisamphoren gekennzeichnet und enthielten Olivenöl. Sie wurden oft als Trophäen aufbewahrt, andere wurden in Tempel geweiht oder einem Verstorbenen mit ins Grab gegeben. Die Amphoren bzw. das Öl konnten aber auch verkauft werden, sodass man sie in vielen Regionen findet.

Hals und Fuß sind recht schmal. Der Hals wird durch einen plastischen Ring von der Schulter getrennt und trägt einen doppelten Fries aus Lotuspalmetten. Auf der Vorderseite sieht man eine nach links schreitende Athena Promachos, die von Säulen flankiert wird, auf denen ab ca. 530 v. Chr. Hähne stehen. An der linken Säule steht die Preisinschrift.

Als früheste panathenäische Preisamphora gilt die sogenannte Burgon-Amphora (British Museum, London). Diese zeigt noch keine Lotuspalmetten und Athena wird noch nicht von Säulen flankiert.

Jeder Maler bzw. eine Malergruppe scheint ein eigenes Schildzeichen verwendet zu haben. Im 4. Jh. v. Chr. wurden die Hähne durch jährlich wechselnde Symbole ersetzt und seit 363/62 schreitet Athena nach rechts.

Auf der Rückseite ist anfangs der Wettkampf dargestellt, in dem der Preis gewonnen wurde. Diese Darstellungen sind weniger archaistisch als die Vorderseite. Ab der Mitte des 5. Jhs. v. Chr. wurden auch Siegerehrungen abgebildet und später auch Siegesgöttinnen oder Personifikationen.

 

Literatur:

  • John Boardman: Schwarzfigurige Vasen aus Athen. Ein Handbuch (4. Aufl., Mainz 1994)
  • Martin Bentz: Panathenäische Preisamphoren. Eine athenische Vasengattung und ihre Funktion vom 6.–4. Jahrhundert v. Chr. (= Antike Kunst. Beiheft 18). Vereinigung der Freunde Antiker Kunst (Basel 1998)
  • Martin Bentz, Norbert Eschbach (Hrsg.): Panathenaïka. Symposion zu den Panathenäischen Preisamphoren (Mainz 2001)

Sogenannte „Schatzhäuser“ (Teil 1)

In besonderen Heiligtümern, wie z. B. den panhellenischen Heiligtümern von Olympia oder Delphi, finden wir neben den Kultbauten zahlreiche Weihgeschenke von privaten Stiftern und auch von Staaten. Normale Weihgeschenke stehen eigentlich im Freien. Wertvolle oder besonders witterungsanfällige Geschenke lagerte man dagegen im Innern der Tempel. Hier war der Platz aber natürlich begrenzt. Staaten errichteten daher auch sogenannte Schatzhäuser. Diese dienten nicht nur der Aufbewahrung der Weihgeschenke, sondern kündeten in ihrem Bildprogramm oft auch vom Ruhm des jeweiligen Staates.

Der Grundtypus, ein sogenannter Antentempel, besteht aus einem rechteckigen Raum mit einer Vorhalle, zwischen deren seitlichen vorspringenden Wangen (Anten) zwei Säulen stehen. Bekannte Beispiele sind die Schatzhäuser von Gela und Megara in Olympia sowie jene von Athen, Sikyon und Syphnos in Delphi.  Auf die Schatzhäuser in Delphi möchte ich im Folgenden näher eingehen.

Das Schatzhaus von Sykion, das wir heute noch sehen, wurde gegen Ende des 5. Jhs. v. Chr. errichtet. Allerdings fand man im Fundament ältere Bauteile, die wohl von Vorgängerbauten von ca. 600 v. Chr. und 560 v.Chr. stammen. Die Metopen gehören zum Bau von 560 v. Chr. Sie zeigen die Argonautensage: den Widder mit dem goldenen Vlies (= Fell), den kaledonischen Eber, die Dioskuren mit Ideus und Lynkeus sowie Europa auf dem Stier.

 

(Fortsetzung folgt …)

Griechische Grabdenkmäler (Teil 2)

In der klassischen Zeit (ca. 480 – 323 v. Chr.) werden die Grabstelen breiter. Die alten Themen wie Athletik, Jagd und Krieg werden jetzt seltener dargestellt und ganz selten sind Darstellungen einer bestimmten Aussage über den Toten. Stattdessen finden wir jetzt vor allem mehrfigurige Darstellungen mit einfachen „Lebensbildern“. Dabei sind meist polare Paare wie Mann und Frau, Mutter und Kind, Herrin und Dienerin usw. dargestellt, wobei die Szenen oft eine Atmosphäre der Trauer vermitteln. Die Deutung der Darstellungen ist allerdings umstritten. Bekannte Beispiele sind das Hegeso-Relief, die Theano-Stele und die Alxenor-Stele.

Im Hellenismus setzen in Athen, das in bisher in der Grabkunst führend war, wegen des Anti-Luxus-Gesetzes des Demetrios von Phaleron die Grabdenkmäler aus. Insgesamt kann man sagen, dass die Grabdenkmäler der hellenistischen Welt relativ einheitlich waren. Es werden allgemeine Szenen dargestellt. Beliebt werden beispielsweise Szenen, in denen die Familie tafelt (kein Totenmahl!). außerdem werden Standesabzeichen beigefügt. Individuelle Szenen sind dagegen selten.

Einige Fürsten und andere Personen der führenden Schichten ließen aber in dieser Zeit auch Grabdenkmäler errichten, die über das Übliche hinausgehen. Bekanntestes Beispiel ist sicher das Maussoleum von Halikarnassos in der heutigen Türkei (360-330 v. Chr.). Das iGrabmal bestand aus einem hohen Sockel, über dem sich ein tempelartiger Aufbau erhob. Man fand 2 Statuen, die vermutlich Maussolos und seine Frau Artemisia darstellen.

Ein ähnliches Grabmal ist das Nereidenmomunent (London, British Museum). Auch hier erhebt sich ein tempelartiger Aufbau, der die Grabkammer enthält, auf einem Sockel. Andere monumentale Grabformen können Felsgräber (z. B. in Kaunos) oder Hügelgräber (z. B. Grab Phillips II. in Vergina) sein. Insgesamt gibt es nur wenige monumentale Gräber. Ihr Bildschmuck stellt keine Leistungen des Verstorbenen mehr dar. Stattdessen wirken die Bauten für sich.

 

Griechische Grabdenkmäler (Teil 1)

Wie auch heute noch üblich, markierte man schon in der griechischen Antike die Gräber der Verstorbenen, um das Andenken der Toten zu wahren. Und auch damals gab es verschiedene Formen von Grabdenkmäler.

Schon seit dem späten 3. Jahrtausend v. Chr. sind Grabhügel bekannt. Ein Beispiel ist der Grabhügel in Nidri auf Lefkas.

Seit mykenischer Zeit (ca. 17. – 11. Jh. v. Chr.) kennen wir Grabstelen, die die Gräber markierten (Bsp. Grabzirkel in Mykene). Dargestellte Themen sind Wagenfahrt, Kampfszenen und Jagdszenen, also Bilder aus der Welt der Adligen. Es gibt aber auch rein ornamental verzierte Stelen.

In der geometrischen Zeit (ca. 900 – 700 v. Chr.) verwendete man ebenfalls zunächst Stelen und wohl leichte Anschüttungen. Später errichtete man richtige Grabhügel. Zur Markierung verwendete anfangs Gefäße. Im Boden dieser Gefäße befindet sich ein Loch für Trankopfer (= Libationen). Die Gefäße zeigen Szenen aus dem Totenritual (Aufbahrung, Leichenzug usw.) sowie Szenen aus dem Leben des Toten (Bsp. Dipylon-Amphora) Seit dem 8 Jh. v. Chr. gab es Grabsteine aus Stein oder Holz.

In der archaischen Zeit (ca. 750 – 500 v. Chr.) wurden die Grabmäler stärker personalisiert. So können die Stelen jetzt Namen tragen. Im 6. Jh. v. Chr. ist diese Tendenz besonders in Athen ausgeprägt. In dieser Zeit kommen auch die sogenannten Kuroi und Korai auf, freiplastische Figuren von jungen Männern und Frauen (Bsp.: Kroisos, Phrasikleia). Auch jetzt prägen Szenen aus der adligen Lebenswelt die Darstellungen. Als Bekrönung der Stelen finden wir oft Sphingen, die das Grab schützen sollten.

 

(Fortsetzung folgt …)