Villa Romana del Casale bei Piazza Armerina, Sizilien (Teil 1)

Die römische Villa von Casale in der Nähe der sizilianischen Stadt Piazza Armerina (daher auch als Villa von Piazza Armerina bekannt) wurde 1761 wiederentdeckt, aber erst 1881 gab es erste systematische Ausgrabungen, bei denen man auf den Mosaikfußboden des Speisesaals stieß. Danach dauerte es noch einmal ein halbes Jahrhundert, bis man begann, den Gesamtkomplex der Villa auszugraben. Den Anfang machte 1929 Paolo Orsi, einer der bedeutendsten Archäologen Siziliens. Seit 1997 ist die Villa Weltkulturerbe der UNESCO.

Die am Fuß des Monte Mangano im Tal des Flusses Gela gelegene Villa hatte wohl ca. 60 Räume. Zurzeit kann man über vierzig Räume der etwa 1,5 Hektar großen Anlage besichtigen. Die Villa gliedert sich in vier Bereiche:

  • der Eingangsbereich
  • ein großer rechteckiger Hof mit einem Wasserbecken und angrenzenden Räumen, darunter eine große Halle in Form einer Basilika
  • ein elliptischer Hof mit weiteren angrenzenden Räumen, darunter der Speisesaal (Tricinium)
  • eine Thermenanlage in der nordöstlichen Ecke der Villa

Da die Villa an einem Hang liegt, wurde jeder dieser vier Bereiche auf einer eigenen Ebene errichtet. Die Wasserversorgung der Anlage erfolgte über zwei Aquädukte. Neben den Gebäuden selbst faszinieren vor allem die äußerst gut erhaltenen Fußbodenmosaiken. Dies verdanken wir der Tatsache, dass die Villa im 12. Jh. n. Chr. unter einem Erdrutsch begraben wurde. Die unterschiedlichen Stile der Mosaiken lassen darauf schließen, dass verschiedene Werkstätten mit den Arbeiten beauftragt wurden.

Die Villa, wie wir sie heute vor uns haben, entstand vermutlich im 3. und 4. Jh. n. Chr. aus einem älteren, einfacheren Gebäude des 2. Jhs. n. Chr. Umstritten ist bis heute, wer der Besitzer dieser prachtvollen Villa war. Aufgrund von Ausstattung und Größe vermutete man, dass es sich um die Villa von Kaiser Maximian (ab 285 n. Chr. Caesar im Westen, 286–305 Augustus) oder seinem Sohn Maxentius (305–312 n. Chr.) handelte. Aber auch wohlhabende Senatoren kommen in Frage. So schlug man Lucius Aradius Valerius Proculus Populonius vor, der von 327 und 331 Gouverneur Siziliens war und im Jahre 340 Konsul wurde.

In den folgenden Artikeln begeben wir uns auf einen Rundgang durch die Villa.

 

Literaturauswahl:

  • G. Iacono: Die Mosaiken der Villa Romana del Casale, Siciliamo, o. O. 2017
  • P. C. Baum-vom Felde: Die geometrischen Mosaiken der Villa bei Piazza Armerina. Kovač, Hamburg 2003
  • A. Carandini, A. Ricci, M. de Vos: Filosofiana. The villa of Piazza Armerina. The image of a Roman aristocrat at the time of Constantine. Palermo 1982
  • B. Carnabuci: Sizilien. Griechische Tempel, römische Villen, normannische Dome und barocke Städte im Zentrum des Mittelmeeres (= DuMont Kunst-Reiseführer). 6., aktualisierte Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2011
  • S. Muth: Bildkomposition und Raumstruktur. Zum Mosaik der „Großen Jagd“ von Piazza Armerina in seinem raumfunktionalen Kontext. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Rom. 106, 1999, S. 189–212.

 

(Fortsetzung folgt …)

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Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi, Syrakus (Teil 2)

Sektor B: Syrakus in archaischer und klassischer Zeit

Die nächste Abteilung des Museums widmet sich zunächst ganz allgemein der Kolonisation Siziliens durch die Griechen ab dem 8. Jahrhunderts v. Chr. Der Überlieferung nach war Naxos die erste griechische Kolonie. Naxos soll 735 v. Chr. – 734 v. Chr. gegründet worden sein – wahrscheinlich von Bewohnern der Stadt Chalkis auf Euböa. Schon wenig später gründete Naxos eigene Kolonien auf Sizilien, z. B. Katane (Catania) und Leontinoi (Lentini). Hier wurde beispielweise der ausgestellte nackte Jüngling (Kouros) aus Marmor gefunden.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Abteilung bilden die Funde aus Megara Hyblaea. Aus dieser 729 v Chr. von der dorischen Stadt Megara gegründeten Stadt sind neben zahlreichen aus Gräbern stammende Keramikfunde ein weiterer Kouros sowie die Statue einer sitzenden Frau / Göttin, die zwei Kinder säugt, ausgestellt.

Etwa zur gleichen Zeit wie Naxos entstand auf der Insel Ortygia die korinthische Kolonie Syrakusai. Syrakus entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Städte Siziliens. Sie breitete sich nicht nur ziemlich schnell auf das angrenzende Festland aus, sondern gründete ebenfalls eigene Städte (Akrai 664 v. Chr., Kasmenai 644 v. Chr. usw.).

Aus Syrakus selbst zeigt die Ausstellung zahlreiche Funde aus den Nekropolen der Stadt. Schwerpunkt bilden jedoch Architekturteile (teilweise aus Terrakotta), Statuen und Weihgeschenke aus den verschiedenen Tempeln in Syrakus: Heiligtum für Demeter und Kore, Athenaion, Artemision (Ionischer Tempe) und Apollotempel. Zu den Highlights dieser Abteilung gehört die Terrakottaplatte mit der Darstellung einer Gorgo (Medusa), aber auch das Symbol des Museums, ein kleines Bronzepferd aus geometrischer Zeit (siehe Bild oben).

 

(Fortsetzung folgt …)

Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi, Syrakus (Teil 1)

Eines der wichtigsten Museen Siziliens ist das Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi in Syrakus. Das 1988 eröffnete Museum zeigt Funde aus dem Ostteil der Insel. Vorbei an Amphoren, Mühlsteinen und Altären vorbei führt der Weg zum Eingang, wo Toga-Statuen ausgestellt sind. Im Garten des Museums sind außerdem Sarkophage und Architekturteile ausgestellt. Leider sind die Wege nicht besonders gepflegt. Trotzdem sollte man den kurzen Spaziergang beim Besuch des Museums mit einplanen.

Das Museum ist fünf Sektoren unterteilt:

  1. Sektor A: Vorgeschichte
  2. Sektor B: Syrakus in archaischer und klassischer Zeit
  3. Sektor C: Die Kolonien von Syrakus
  4. Sektor D: Hellenismus und Römisches Reich
  5. Sektor F: Frühchristliche und Byzantinische Zeit

Im Untergeschoss des Museums ist außerdem seit 2010 eine bemerkenswerte Münzsammlung untergebracht, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die Münzsammlung

Die Basis der Münzsammlung bilden die Münzen und Medaillen der in den 1950er Jahren entstandenen Sammlung von Luigi Bernabò Brea. Seitdem kamen eine Reihe privater Sammlungen dazu und heute kann die gesamte Entwicklung der Münzprägung Siziliens von der archaischen Zeit bis ins Mittelalter präsentiert werden. Auch die Entwicklung des Schmucks seit prähistorischer Zeit ist inzwischen im Münzkabinett des Museums präsent.

Sektor A: Vorgeschichte

Der Rundgang durch die erste Haupt-Abteilung des Museums beginnt mit einer Einführung in Geologie und Paläontologie Siziliens. Danach werden verschiedene Kulturen von der Steinzeit bis zur Bronzezeit vorgestellt.

Während der neolithischen Stentinello-Kultur (4.-3. Jhrtausend v. Chr.) entstanden die ersten Dörfer und man begann, das Land zu bebauen. Die Castelluccio-Kultur der älteren Bronzezeit legte Gräber in Form von künstlichen Höhlen, die mit Steintüren geschlossen wurden. Ausgestellt sind diese mit Symbolen verzierten Türen sowie verschiedene Grabbeigaben. Ab der mittleren Bronzezeit gab es Kontakte zur griechischen Kultur. Zu den Grabbeigaben der sogenannten Thapsos-Kultur gehörte beispielsweise mykenische Keramik. Aus späterer Zeit findet man geometrische Keramik – teils griechische Originale, teils lokale Produktion. Auch Kontakten zu Malta, Zypern oder zum italischen Festland lassen sich nachweisen.

 

(Fortsetzung folgt …)