Attisch-rotfigurige Malerei (Teil 7)

Seite A von einer attischen rotfigurigen Bauchamphora, 510-500 v. Chr. (Staatliche Antikensammlung München, Inv. 2308)

Neben den Motiven Reiter, Pferd und Streitwagen zeigten rotfigurige Gefäße auch Bewaffnung und Szenen aus dem Krieg. Ursprünglich kämpfte man einzeln. Später gab es geschlossene Schlachtreihen sogenannter Hopliten. Alle anderen Waffengattungen waren offenbar nur noch von untergeordneter Bedeutung. Trotzdem wurde diese geschlossene Hoplitenreihen selten dargestellt. In der Regel wurden weiterhin Einzelkämpfe gezeigt. Es scheint, dass trotz Phalanxtechnik der eigentliche Kampf immer noch als Einzelkampf stattfand. 

Bei den Kampfszenen ging es vor allem darum, Bewährung und Leistung der Jugend im Kampf hervorzuheben. Krieg war in der archaischen Zeit eher nicht politisch. Meistens ging es in den Kämpfen um Land oder um Ruhmgewinn von einzelnen Adligen und ihren Gefolgsleuten. Erst mit der Vertreibung der Tyrannen beginnen politische Kriege.

Interessant ist die Darstellung von fremden Völkern in Kriegsszenen. Ab ca. 530 v. Chr. findet sich beispielsweise oft das Motiv eines skythischen Bogenschützen. Es scheint sich um Söldner zu handeln, wofür Darstellungen sprechen, in denen Skythen und Hopliten nebeneinander kämpfen.

In der nächsten Generation finden wir dann eine andere Situation vor. Im 5. Jh. werden normale Kampfszenen immer seltener, obwohl es gerade in dieser Zeit relativ viele Kriege gab. Gleichzeitig hört die Einbeziehung von Skythen in die Darstellungen auf. Eine mögliche Erklärung ist, dass sie eine ähnliche Kleidung trugen wie die Perser, die seit 490 v. Chr. als Erzfeinde der Griechen galten. Fremde Völker wie die Skythen galten in jedem Fall als Gegenbild zu Griechen, die sich und ihre Kultur als Gegensatz zu den „barbarischen“ fremden Kulturen sahen.

Es gab allerdings Gefäße mit Darstellungen von Kämpfen gegen Perser. Diese zeigen fast nie unterlegene Griechen. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Fragment eines Rhyton aus der Mitte des 5. Jhs. (Paris). Hier sind die Perser deutlich überlegen dargestellt. Dies könnte mit dem Fundort Memphis in Ägypten zusammenhängen. Das Gefäß war also möglicherweise für den orientalischen Markt geschaffen worden.

Mit der zeitlichen Entfernung von den Perserkriegen änderten sich auch die Kampfszenen auf den Vasen wieder und das Perserbild wurde wieder ausgewogener. Die griechischen Kämpfer wurden nun nackt dargestellt. Es ging dabei wohl darum, den idealen, athletischen Körper als Symbol für das Ideal des Kriegers zu zeigen.

Weitere Darstellungen aus dem Bereich des Krieges sind der Auszug in den Krieg verbunden mit dem Abschied von der Familie sowie der Rücktransport der Toten.

(Fortsetzung folgt…)

Attisch-rotfigurige Malerei (Teil 6)

Leagros-Schale: Reiter. Inschrift: ΛΕΑΓΡΟ[Σ] ΚΑ[Λ]ΟΣ (»Leagros ist schön«). Tondo von einer attischen rotfigurigen Kylix, 510-500 v. Chr. Aus Vulci.
Kachrylion (Töpfer); Euphronios (Maler)

Nachdem wir uns in den vorangegangenen Artikeln dieser Reihe über attisch-rotfigurige Malerei eher allgemeinen Themen gewidmet haben, werden wir uns in den nächsten Blogbeiträgen mit den Motiven beschäftigen, die auf den Gefäßen dargestellt sind.

Beginnen wir mit dem Motiv „Reiter und Pferd“. Pferd und Wagen waren seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. Symbole für die Aristokratie. Beide waren zunächst auch im Krieg von Bedeutung. Später waren sie allerdings nur noch reines Standessymbol, z. B. im religiösen Bereich. Beispielweise bei Wettkämpfen oder im Bestattungsritus. Sogar das Auf- und Abspringen des bewaffneten Kriegers vom fahrenden Wagen, während der Wagen selbst vom Lenker weitergefahren wurde, wurde in Wettkämpfen ritualisiert: im Apobatenlauf im Rahmen der Panathenäischen Spiele.

Als sich die Kriegsführung wandelte und der Wagen für den Kampf zu schwer wurde bzw. nicht mehr wendig genug war, nahm die Bedeutung der Reiter zu. Beim Ritterstand handelte es sich um Großgrundbesitzer, die Pferde züchten konnten. Nach und nach bildete sich ein Reiteradel aus, der in verschiedenen Kampftechniken ausgebildet war. Aber schon im 6. Jh. v. Chr. hatte auch der Kampf zu Pferd an Bedeutung verloren. Zwar kamen immer noch kleinere Reitergruppen im Krieg zum Einsatz, aber am wichtigsten war nun die Phalanx, eine dichtgeschlossene, lineare Kampfformation Schwerbewaffneter zu Fuß.

Unabhängig von der Nutzung im Krieg waren Pferde aber zum Standessymbol des alten Landadels geworden. Pferde waren jetzt reiner Luxus und wurden für repräsentative Zwecke genutzt. Beispielsweise beim Zug der Panathenäen oder, wie schon die Wagen, bei Agonen (Wettkämpfen). Viele der Namen, die aus der griechischen Antike überliefert sind, sind mit „ippos“ (Pferd) zusammengesetzt, z. B. Philippos oder Hipparchos. Seit den Reformen Solons setzte sich der Ritterstand jedoch nicht mehr nur aus dem reinen Grundbesitzadel zusammen, sondern war nun an das Einkommen gebunden.

Besonders häufig sind die Motive Pferd und Reiter im späten 6. und frühen 5. Jh. v. Chr. In der Blütezeit des demokratischen Athen finden wir also in der Vasenmalerei aristokratische Standessymbole. Ab der Mitte des 5. Jhs. nahmen diese Motive auf den Gefäßen jedoch ab.

 

Beispiele:

(Fortsetzung folgt…)

Attisch-rotfigurige Malerei (Teil 5)

rotfiguriger Krater (Louvre CA3482)

Töpferwerkstätten arbeiteten in der Regel für den lokalen Markt. Die Produktion reichte dabei von Prunkgefäßen bis zu Gebrauchskeramik. Der Verkauf erfolgte direkt in der Werkstatt oder auf dem Markt. Auch der Verkauf an temporären Ständen bei Festen aller Art kam infrage. Es handelte sich dabei in der Regel nicht um Auftragsarbeiten.

Daneben arbeiteten die Töpferwerkstätten mit Händlern zusammen, über die Keramik auch exportiert werden konnte. Manchmal scheint der Export eine der wichtigsten Einnahmequellen gewesen zu sein. Denn einige Töpfer orientierten sich mit ihren Gefäßen am Geschmack eines bestimmten Exportgebietes, z. B. der Töpfer Nikosthenes. Die Form seiner Amphoren, die nach Etrurien exportiert wurden, ist der etruskischen Bucchero-Keramik entlehnt. Diese sogenannten nikosthenischen Amphoren wurden nur im Westen gefunden. Auch bestimmte Motive wurden ausschließlich für den Export gemalt. So findet sich das Aeneas-Motiv bisher nur in Westgriechenland.

Auch wenn die meisten bemalten Vasen in Gräbern oder Heiligtümern gefunden wurden, wurden sie natürlich auch bei anderen Gelegenheiten genutzt. Verschiedene Formen von Krateren und Amphoren, der Skyphos, die Kylix, der Psykter usw. stammten aus der Symposion-Kultur. Bei Hochzeiten wurden Loutrophoros oder Lebes gamikos verwendet. Außerdem gab es Formen, die mit bestimmten Kulten verbunden waren, z. B. panathenäische Preisamphoren, der Kantharos (Dionysos-Kult) oder der Stamnos (Lenäen). Für den Grabkult wurden besonders großen und prunkvolle Gefäße verwendet und teilweise sicher speziell für diesen Zweck hergestellt.

Die Bemalung zeigt oft einen engen Zusammenhang mit der Funktion des Gefäßes. Dies zeigt sich wiederum im Grabkult, z. B. bei speziellen Grab-Loutrophoren oder weißgrundigen Lekythoi. Einige Motive orientieren sich aber auch am Geschmack der Nutzer.

 

(Fortsetzung folgt…)

Attisch-rotfigurige Malerei (Teil 4)

Werkstätten zur Keramikproduktion befanden sich in Athen vor allem am sogenannten Kerameikos am nordwestlichen Rand der Stadt, aber auch am Acharner Tor (z. B. die Werkstatt des Brygos). Einen Eindruck von Aussehen einer solchen Werkstatt vermitteln Vasenbilder.

Die Arbeit des Töpfers begann mit dem Tonstechen, dem Abbau von Ton, der in der Regel in offenen Gruben stattfand. Anschließend wurde der Ton gereinigt, geschlämmt und geknetet. Erst danach war seine Konsistenz dafür geeignet, den Ton auf der Töpferscheibe zu formen. Ursprünglich formte man die Gefäße noch aus Tonringen auf, die dann innen und außen geglättet wurden. Die Töpferscheibe kam etwa 3000 v. Chr. im östlichen Mittelmeerraum auf. In Griechenland finden sich erste Belege allerdings erst im 2. Jahrtausend. Sie bestanden aus Holz, Stein oder gebranntem Ton und wurden ursprünglich mit der Hand gedreht. Der Fußantrieb kam offenbar erst wesentlich später auf. Zumindest ist er erst seit dem 2. Jh. v. Chr. belegt.

Anfangs handelte es sich vermutlich um reine Familienbetriebe, aber spätestens seit dem späteren 6. Jh. v. Chr. kam es zu immer stärkerer Spezialisierung und manche Töpfer und Maler signierten sogar ihre Gefäße. Töpfer mit den Worten εποιεσεν (epoiesen = er hat es gemacht), Maler mit ἔγραψσεν (egrapsen = er hat gemalt). Hatten die Töpfer die Gefäße selbst bemalt, signierten sie teilweise mit beiden Wörtern. Das zeugt von sehr viel Selbstvertrauen, denn die soziale Stellung von Töpfern und Vasenmalern war nicht besonders gut. Zwar handelte es sich bei ihnen wohl meist um freie Bürger, aber da sie mit den Händen arbeiteten, standen sie wie auch alle anderen „Handwerkern“ auf der niedrigsten Stufe der Gesellschaft. Auch konnte man mit Keramik normalerweise nicht reich werden.

Töpfer und Maler, die sich mit ihren Arbeiten von der Masse absetzen konnten, konnten es sich dagegen offenbar sogar leisten, wertvolle Weihgeschenke zu stiften. So schreibt man dem Töpfer Nearchos die Weihung der Statue der sogenannten Antenor-Kore auf der Akropolis zu. Eine andere Weihung nennt als Stifter einen Euphronios Kerameus (= Töpfer). Möglicherweise stiegen sie im Ansehen sogar so weit auf, dass es ihnen möglich war, an einem Symposion teilzunehmen, wie die Nennung des Töpfers Smikros wird einem Stamnos nahelegt.

(Fortsetzung folgt…)

Attisch-rotfigurige Malerei (Teil 3)

Bei der sogenannten schwarzfigurigen Vasenmalerei, die in Korinth entwickelt wurde, trugen die Maler die Motive zunächst in groben Umrissen auf den Bildträger auf. Anschließend erfolgten die Binnengliederung und die Darstellung der Feinheiten durch Ritzung. Nach dem Brand konnten weitere Farben aufgetragen werden, z. B. blau. Die schwarzfigurige Vasenmalerei erreichte unter Exekias höchste Präzision. Er war sowohl Töpfer als auch Maler und wirkte von etwa 550 bis etwa 530 v. Chr. in Athen. Ein besonders schönes Beispiel seiner Meisterschaft ist eine Bauchamphora im Vatikan (Inv. Nr. 16757), die die homerischen Helden Aias und Achill während der Belagerung Trojas beim Brettspiel zeigt.

In der Werkstatt des Exekias entstanden später die sogenannten bilinguen Vasen des sogenannten Andokides-Malers (etwa zwischen 530 und 510 v. Chr. tätig), die den Übergang zur rotfigurigen Vasenmalerei markieren. Diese bilinguen Vasen sind auf einer Seite in schwarzfiguriger Technik bemalt, auf der anderen dagegen in rotfiguriger Technik. Neben Gefäßmalern schufen auch einige bedeutende Schalenmaler bilingue Werke. Sie nutzten die rotfigurige Technik dann oft für die Innenseite der Schalen. Am Beispiel der Bauchamphora in München (Staatliche Antikensammlungen Inv. Nr. 2301; Herakles beim Gelage), die auf beiden Seiten da gleiche Motiv zeigt, kann man die Unterschiede der beiden Techniken und ihrer optischen Wirkung besonders gut verdeutlichen.

Während die schwarzfigurige Vasenmalerei von der Siluette lebte, lebte die rotfigurige Technik von der Binnenzeichnung. Diese ließ mehr Spielraum für eine stärkere Tiefenwirkung oder ein neues Körperempfinden.

Bei dieser neuen Technik zeichnete man zunächst die Umrisse der Figuren auf dem lederharten Gefäß auf und zog sie anschließend mit Tonschlicker nach. Die Binnenzeichnung erfolgte mit dünnerem Ton und einem feinen Pinsel. Auf diese Weise konnten anatomische Details oder Gewandfalten wesentlich genauer dargestellt werden. Die Figuren wirkten dadurch lebendiger und man konnte durch Körperdrehungen sogar eine räumliche Wirkung erzielen.

Nach den ersten Experimenten mit der neuen Technik durch die sogenannten Pioniere („pioneers“), darunter Euphronios und Euthymides, verbreitete sie sich sehr schnell. Schon ab ca. 500 v. Chr. gab es kaum noch schwarzfigurige Vasen. Nur Lekythoi und panathenäische Preisamphoren wurden weiterhin in schwarzfiguriger Technik bemalt.

(Fortsetzung folgt…)