Jupiter- und Jupitergigantensäulen (Teil 1)

In den nördlichen Provinzen des römischen Reichs, v.a. in Obergermanien und dem östlichen Teil der römischen Provinz Belgica, findet man oft Teile von Säulenmonumenten, die Jupiter geweiht waren.

Das Vorbild für diese Jupitersäulen scheint die Anfang des 20. Jhs. n. Chr. in Mainz gefundene große Jupitersäule zu sein, die für Kaiser Nero errichtet wurde. Diese ca. 9 m hohe Säule besteht aus 2 eckigen Sockelsteinen, der Säule selbst mit einem korinthischen Kapitell und einem weiteren würfelförmigen Abschlussstein. Möglicherweise stand die Säule zusätzlich noch auf einem Unterbau.

Bekrönt war die Säule von der fast 3,5 m hohen Statue eines vermutlich stehenden Jupiter mit dem Blitzbündel in der Hand und einem neben ihm stehenden Adler. Von dieser Statue sind allerdings nur wenige Teile gefunden worden, z. B. ein mit Sandale bekleideter Fuß. Die Statue bestand aus vergoldeter Bronze.

Auf den Sockelsteinen und dem Säulenschaft waren insgesamt 28 römisch-keltische Gottheiten und Personifikationen dargestellt. Im unteren Bereich der Säule befindet sich eine Inschrift. Diese wurde auf einem vor der Säule stehenden Altar wiederholt. Die Säule wurde wie die meisten Jupitersäulen nur in Bruchstücken gefunden. Eine Rekonstruktion steht heute im Mainzer Landesmuseum und Kopien der Säule kann man außerdem beispielsweise bei der Saalburg oder sogar in Rom sehen.

Die große Masse der übrigen Reste von Jupitersäulen gehörte zu wesentlich kleineren Säulen. Sie folgen in groben Zügen dem großen Mainzer Vorbild, aber Bildprogramm und Dekoration sind stark reduziert. Sie waren bis in das 3. Jh. n. Chr. beliebt und wurden oft bei römischen Landgütern (villae rusticae) aufgestellt. Je nachdem, wie Jupiter dargestellt ist, unterscheidet man dabei Jupitergigantensäulen und Jupitersäulen.

 

(Fortsetzung folgt …)

 

Literatur:

  • Gerhard Bauchhenß, Peter Noelke: Die Iupitersäulen in den germanischen Provinzen. Köln 1981.
  • Gerhard Bauchhenß: Jupitergigantensäulen. Limesmuseum Aalen, Aalen 1976 (Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands 14
  • Roland Gschlössl: Im Schmelztiegel der Religionen. Göttertausch bei Kelten, Römern und Germanen.
  • P. Noelke mit Beiträgen von T. A. S. M. Panhuysen, Neufunde von Jupitersäulen und -pfeilern in der Germania inferior nebst Nachträgen zum früheren Bestand. Bonner Jahrbücher 210/211, 2010/2011, 149-374

 

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Führungen zum römischen Bonn

Der Verein von Altertumsfreunden im Rheinlande veranstaltet jedes Jahr kostenlose Führungen zum römischen Bonn. Diese Führungen finden in der Regel zwischen April und September jeden dritten Sonntag im Monat statt. Treffpunkt ist jeweils um 15 Uhr am Collegium Albertinum, Adenauerallee 17-19 und die Führung dauert 2 – 2,5 Stunden.

Vom römischen Bonn ist zwar nicht mehr viel zu sehen und die meisten Originalfunde befinden sich im Rheinischen Landesmuseum. Während der Führung kann man aber die Lage des römischen Kastells noch heute im Straßenverlauf nachvollziehen und wichtige Punkte sind durch Kopien römischer Steindenkmäler markiert. Einen Überblick über den Aufbau des Legionslagers zeigt ein Modell im kleinen Park zwischen Wohngebäuden zwischen den Straßen Rosental, Drususstraße, Am Römerkastell und Graurheindorfer Straße. Im Collegium Albertinum kann man außerdem eine römische Badeanlage besichtigen.

Hier die verbleibenden Termine für 2014:

18. Mai – Stracke
15. Juni – Albrecht
20. Juli – Meyer
17. August – Stracke
14. September (Tag des offenen Denkmals) – Albrecht und Meyer