Rheinisches Landesmuseum in Bonn

Das Rheinische Landesmuseum in Bonn ist das wichtigste Museum zu Archäologie, Kunst und Kulturgeschichte im südlichen Teil von Nordrhein-Westfalen und zuständig für alle Funde dieser Region. In dieser Eigenschaft ist das Landesmuseum auch ein Ort der Forschung mit den verschiedensten Labors und einer Bibliothek. Wie üblich kann aber auch das Landesmuseum nur einen kleinen Teil seiner Bestände in der Ausstellung zeigen. Der weitaus größte Teil der Bestände ist in großen Depots im Museum selbst und in der Umgebung von Bonn untergebracht.

Das Museum zeigt die Entwicklung der Region von den Anfängen bis zur Gegenwart. Ursprünglich war das Museum nach Epochen angeordnet: beginnend mit den Spuren der ersten Menschen bis in die neueste Zeit. 2003, als das Museum nach mehreren Jahren der Renovierung wieder eröffnet wurde, war die Sammlungen nach Themen neu geordnet worden.

Im Erdgeschoss befinden sich neben der Kasse auch ein Museumsshop und ein Restaurant. Wenn man das eigentliche Museum betreten hat, findet man gleich links eine Vitrine mit dem Fund des Monats. Auch wichtige Ausstellungen beginnen oft schon im Eingangsbereich.

Die Dauerausstellung selbst beginnt auf der ersten Etage mit der Steinzeit und dem Neandertaler. Zwischen 1997 und 2001 hatte es umfangreiche Ausgrabungen im Gebiet des Neandertals gegeben, wo das erste Neandertaler-Skelett 1856 gefunden wurde, und das Museum zeigt hier die Forschungsergebnisse. Anfang Juni eröffnete hier auch eine Abteilung über Kelten, unter anderem um den einzigartigen Funden aus dem Grab der keltischen Prinzessin von Waldalgesheim einen gebührenden Rahmen zu geben. 

Als nächstes bringt uns das Museum die Entwicklung Von Göttern zu Gott näher und zeigt die Geschichte Religion in unserer Region. Anfangs glaubten die Menschen, dass sich in Tieren, Pflanzen oder Wetterphänomenen übernatürliche Kräfte manifestierten. Später gaben sie diesen Kräften Gesichter“ und man stellte sich vor, dass diese Gottheiten wie die Menschen eine Familie, eine Geschichte usw. hatten. Diese Gottheiten hatten verschiedene Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche. Irgendwann begannen dann einige Menschen an einen allmächtigen Gott zu glauben. Alle diese verschiedenen Glaubensrichtungen zeigten sich in verschiedenen Formen von Tempeln, Statuen, Gemälden, etc. Die Ausstellung „Von Göttern zu Gott zeigt Altäre, Schreine, Spenden, Urnen, Sarkophage und andere Funde, die uns helfen können, die Religionen vergangener Zeiten nachzuvollziehen.

Ein weiterer Raum zeigt die geschäftlichen Beziehungen der Region im Laufe der Jahrhunderte. Wertvolle Gegenstände aus weit entfernten Gebieten fanden bereits in frühesten Zeiten ihren Weg in die Region Bonn. Als die Römer die nördlichen Regionen Europas eroberten, ermöglichten sie mit ihrem gut ausgebauten Straßennetz mehr Importe und Exporte. Ein weiterer „Motor“ für diese Import / Export-Geschäfte war aber auch der Rhein, der größtenteils schiffbar ist.

„Macht und Mächte“, der nächste Themenbereich, zeigt die verschiedenen Menschen und Völker, die im Laufe der Zeit  in dieser Region an der Macht waren, z. B. Römer und Franken. Zu sehen sind Symbole der Macht: Waffen und Rüstungen, Wappen etc. Auch Porträts und Kunst im Allgemeinen konnten als Symbole der Macht verwendet werden.

Ein weiterer Raum, „Urlandschaft“, zeigt die Veränderungen der rheinischen Landschaft im Laufe der Jahrhunderte. Diese Veränderungen konnten natürliche Ursachen haben, z. B. Vulkanausbrüche; die Landschaft wurde aber vor allem auch von Menschen geändert: mit verschiedenen Arten von Werkzeugen, durch den Bau von Bauernhöfen oder Städten.

Der letzte Raum widmet sich ganz allgemein der Entwicklung der menschlichen Kultur vom reinen „Überleben“ bis zur heutigen Konsumgesellschaft. Die verschiedenen Lebensstile unterscheiden sich gewaltig: z. B. in der Art der Ernährung und dem genutzten Wohnräumen. Dieser Themenbereich zeigt, was die Menschen von der Steinzeit bis heute zum „Überleben“ nutzten, wie sie lernten, Brunnen zu bauen, um an das lebensnotwendige Wasser zu kommen oder Metalle zu bearbeiten.

Das Museum gibt einen sehr guten Überblick über die Geschichte von Menschen und Landschaft im südlichen Nordrhein-Westfalen und ist immer einen Besuch wert.

Weitere Informationen:  http://www.landesmuseum-bonn.lvr.de

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Gebrochener Glanz. Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes (Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum Bonn 20. März-20. Juli 2014)

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes“ wurden Tausende von Bronze-Fragmenten mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht, gereinigt, restauriert und zusammengesetzt. Auch wurde versucht, anhand von Experimenten nachzuvollziehen, wie Großbronzen in römischer Zeit hergestellt wurden. Die Ergebnisse des Projekts werden noch bis zum 20. Juli 2014 im Rheinischen Landesmuseum in Bonn gezeigt.

Gleich das erste Ausstellungsstück, das Fragment eines Beins mit reich verziertem Stiefel, zeigt, welch eine Meisterschaft römische Bronzegießer in ihrem Handwerk  erreichten. Eine andere Vitrine zeigt dagegen, in welchem Zustand viele Bronzestatuen gefunden werden: in Hunderten von kleinen Bruchstücken! Und nicht immer gelingt es, diese Puzzleteile zu Statuen zusammenzusetzen.

Die Ausstellung gibt zunächst einen Einblick in die verschiedenen Arbeiten im Rahmen des Projekts. Erst die sorgfältige Reinigung der oft korrodierten und mit Erde verschmutzten Fundstücke lässt Details der Dekoration erkennen. Zahlreiche Hinweise zur Herstellung konnten durch Röntgenaufnahmen und Computer-Tomographie gewonnen werden. So lassen sich beispielsweise auch spätere Ergänzungen im Rahmen älterer Restaurierungen oder die Kaschierung von Gussfehlern oft nur auf diese Weise erkennen. Außerdem wurden Experimente zu möglichen Materialzusammensetzungen gemacht.

Sehr ausführlich geht die Ausstellung dann auf den Hohlguss zur Herstellung von Bronzestatuen ein. Durch zahlreiche Experimente konnten die Archäologen im Rahmen des Projekts die einzelnen Arbeitsschritte des Hohlgusses nachvollziehen. Zuerst wurde der Formkern aus Ton hergestellt. Als nächstes modellierte man die eigentliche Form der Statue bzw. von Teilen der Statue in Wachs und umhüllte diese Form mit einer weiteren Schicht aus Ton. Stifte zwischen Tonkern und -hülle sorgten dafür, dass der Abstand zwischen beiden sich nicht veränderte, wenn das ganze Gebilde gebrannt wurde und das Wachs dabei schmolz und abfloss. Anschließend stabilisierte man die Form, indem man sie in ein Sandbett setzte, und konnte dann geschmolzenes Metall eingießen. Nach Entfernen der äußeren Tonschicht mussten noch Details nachgearbeitet oder Gussfehler ausgebessert werden. Der gesamte Handwerksbetrieb in diesen hoch-spezialisierten Bronzewerkstätten wird auch durch ein Modell und ein Wandgemälde gezeigt.

Im letzten Raum der Ausstellung werden Statuenfragmente mit Spuren von Zerstörung gezeigt (hier zeigen sich auch Parallelen zur heutigen Geschichte, wenn beispielsweise eine Statue von Saddam Hussein vom Sockel gestürzt wird). Teilweise wurden Bronzestatuen in kleinste Stücke gebrochen und wieder eingeschmolzen. Sie dienten dann zum Beispiel als Rohmaterial für Falschgeld.

Nach Bonn wird die Ausstellung im Limesmuseum Aalen (16.08.2014-22.04.2015) und im Museum Het Valkhof, Nijmegen (21.03.-21.06.2015) zu sehen sein.

Weitere Informationen zum Projekt: http://www.grossbronzenamlimes.de/index.html

Eichthaler Archäologietag am 29.06.2014

Am 29. Juni 2014 findet von 10 bis 17 Uhr in der Außenstelle Overath des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege (Eichtal 1, 51491 Overath, Tel.: 02206/90300) der Eichthaler Archäologietag statt. Schwerpunktthema des diesjährigen Tags der offenen Tür sind Kelten und Römer.

Neben Informationen über die Arbeit der Bodendenkmalpflege im östlichen Rheinland, z. B. über aktuelle Ausgrabungen, bietet das Programm verschiedene Möglichkeiten, mehr über das Leben von Kelten und Römern in unserer Region zu erfahren. Dazu gibt es unter anderem Vorführungen römischer Militärtechnik oder zu römischem und keltischem Handwerk.

Zum Programm siehe: EAT-2014_Flyer

Jupiter- und Jupitergigantensäulen (Teil 1)

In den nördlichen Provinzen des römischen Reichs, v.a. in Obergermanien und dem östlichen Teil der römischen Provinz Belgica, findet man oft Teile von Säulenmonumenten, die Jupiter geweiht waren.

Das Vorbild für diese Jupitersäulen scheint die Anfang des 20. Jhs. n. Chr. in Mainz gefundene große Jupitersäule zu sein, die für Kaiser Nero errichtet wurde. Diese ca. 9 m hohe Säule besteht aus 2 eckigen Sockelsteinen, der Säule selbst mit einem korinthischen Kapitell und einem weiteren würfelförmigen Abschlussstein. Möglicherweise stand die Säule zusätzlich noch auf einem Unterbau.

Bekrönt war die Säule von der fast 3,5 m hohen Statue eines vermutlich stehenden Jupiter mit dem Blitzbündel in der Hand und einem neben ihm stehenden Adler. Von dieser Statue sind allerdings nur wenige Teile gefunden worden, z. B. ein mit Sandale bekleideter Fuß. Die Statue bestand aus vergoldeter Bronze.

Auf den Sockelsteinen und dem Säulenschaft waren insgesamt 28 römisch-keltische Gottheiten und Personifikationen dargestellt. Im unteren Bereich der Säule befindet sich eine Inschrift. Diese wurde auf einem vor der Säule stehenden Altar wiederholt. Die Säule wurde wie die meisten Jupitersäulen nur in Bruchstücken gefunden. Eine Rekonstruktion steht heute im Mainzer Landesmuseum und Kopien der Säule kann man außerdem beispielsweise bei der Saalburg oder sogar in Rom sehen.

Die große Masse der übrigen Reste von Jupitersäulen gehörte zu wesentlich kleineren Säulen. Sie folgen in groben Zügen dem großen Mainzer Vorbild, aber Bildprogramm und Dekoration sind stark reduziert. Sie waren bis in das 3. Jh. n. Chr. beliebt und wurden oft bei römischen Landgütern (villae rusticae) aufgestellt. Je nachdem, wie Jupiter dargestellt ist, unterscheidet man dabei Jupitergigantensäulen und Jupitersäulen.

 

(Fortsetzung folgt …)

 

Literatur:

  • Gerhard Bauchhenß, Peter Noelke: Die Iupitersäulen in den germanischen Provinzen. Köln 1981.
  • Gerhard Bauchhenß: Jupitergigantensäulen. Limesmuseum Aalen, Aalen 1976 (Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands 14
  • Roland Gschlössl: Im Schmelztiegel der Religionen. Göttertausch bei Kelten, Römern und Germanen.
  • P. Noelke mit Beiträgen von T. A. S. M. Panhuysen, Neufunde von Jupitersäulen und -pfeilern in der Germania inferior nebst Nachträgen zum früheren Bestand. Bonner Jahrbücher 210/211, 2010/2011, 149-374

 

Führungen zum römischen Bonn

Der Verein von Altertumsfreunden im Rheinlande veranstaltet jedes Jahr kostenlose Führungen zum römischen Bonn. Diese Führungen finden in der Regel zwischen April und September jeden dritten Sonntag im Monat statt. Treffpunkt ist jeweils um 15 Uhr am Collegium Albertinum, Adenauerallee 17-19 und die Führung dauert 2 – 2,5 Stunden.

Vom römischen Bonn ist zwar nicht mehr viel zu sehen und die meisten Originalfunde befinden sich im Rheinischen Landesmuseum. Während der Führung kann man aber die Lage des römischen Kastells noch heute im Straßenverlauf nachvollziehen und wichtige Punkte sind durch Kopien römischer Steindenkmäler markiert. Einen Überblick über den Aufbau des Legionslagers zeigt ein Modell im kleinen Park zwischen Wohngebäuden zwischen den Straßen Rosental, Drususstraße, Am Römerkastell und Graurheindorfer Straße. Im Collegium Albertinum kann man außerdem eine römische Badeanlage besichtigen.

Hier die verbleibenden Termine für 2014:

18. Mai – Stracke
15. Juni – Albrecht
20. Juli – Meyer
17. August – Stracke
14. September (Tag des offenen Denkmals) – Albrecht und Meyer