Itálica (Teil 5)

An die Casa del Patio Rodio schließt sich das Haus der Vögel an, das komplett ausgegraben wurde und dessen Grundriss mit Hilfe von niedrigen Mauern sichtbar gemacht wurde. Dieses Gebäude ist typisch für ein Haus der römischen Oberschicht. Auch hier öffnen sich zur Straße hin einige Geschäfte. In der Mitte der befindet sich der Eingang, von dem aus man durch eine Empfangshalle zu einem Innenhof gelangt. Unter dem von Säulenhallen umgebenen Hof befindet sich eine Zisterne, um das Regenwasser zu sammeln. Dieses Wasser, das zum Kochen und Waschen benutzt wurde, konnte über einen Brunnen im Hof entnommen werden. Über den Hof erreichte man verschiedene Räume, darunter an der linken Seite des Hauses das Mosaik mit Darstellungen von Vögeln, das dem Haus seinen Namen gegeben hat. Hinter dem großen Hof befindet sich der Speiseraum, das Triclinium, der von kleineren Höfen mit Wasserbecken flankiert wird. An diese Höfe schließen verschiedene Privaträume an, die ebenfalls mit Mosaiken ausgestattet sind.

Ein weiteres komplett ausgegrabenes und im Grundriss sichtbar gemachtes Gebäude ist das Haus des Planetariums. Das Gebäude entstand im Zuge des Stadterweiterung unter Hadrian und wurde bis in die Spätantike mehrfach umgebaut. Auch hier haben wir wieder zur Straße hin Geschäfte – in diesem Fall auf drei Seiten – und den Eingang in der Mitte der Fassade. Hinter dem Eingang und der Empfangshalle öffnet sich wieder ein großer von Säulenhallen umgebener Hof mit Garten (Peristylhof). Von hier aus gelangt man zu verschiedenen Wohnbereichen, zu denen weitere kleinere Höfe mit Regenbecken gehörten, sowie zum Triclinium und weiteren Privaträumen hinter dem Peristylhof. Das Mosaik, das dem Gebäude seinen Namen gab befindet sich im Wohnbereich links vom Peristylhof. Das Mosaik besteht aus einem Kreis, der sieben sechseckige Medaillons umgibt. In den Medaillons sind die Planeten-Gottheiten dargestellt, die den römischen Wochentagen ihre Namen gegeben haben: Venus (Freitag) ist umgeben vom Mond (Montag), Mars (Dienstag), Merkur (Mittwoch), Jupiter (Donnerstag), Saturn (Samstag) und Sonne (Sonntag).

 

(Fortsetzung folgt …)

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19.05.2019 Sonntagsführung im Akademischen Kunstmuseum Bonn: Der sogenannte Jonas-Sarkophag aus Berlin: der Neuzugang im AKM (Jana Schulte)

Sonntags führen Studenten der Archäologie in Bonn Führungen durch das Akademische Kunstmuseum Bonn oder bieten Vorträge zur antiken Kultur im Hörsaal des Archäologischen Instituts Bonn an.

Uhrzeit: 11.15 Uhr

Adresse:

Akademisches Kunstmuseum – Antikensammlung der Universität Bonn
Am Hofgarten 21
53113 Bonn

Preis für Erwachsene: 3 € (Eintritt und Vortrag)

 

Itálica (Teil 4)

Neben dem Haus der Exedra, das sich durch seine baulichen Besonderheiten unter den Häusern Itálicas hervorhebt, sind die übrigen Häuser der Stadt vor allem durch ihre Mosaiken bekannt.

Das Haus des Neptun gehört vermutlich ebenfalls zu den halböffentlichen Gebäuden. Möglicherweise hatte dieses Gebäude eine ähnliche Funktion wie das Haus der Exedra. Zwar ist dieser Komplex noch nicht vollständig ausgegraben, aber er scheint sich auf etwa 6000 Quadratmeter zu erstrecken und hat unter anderem ebenfalls eine Thermenanlage. Im Kaltbad (Frigidarium) befindet sich auch das Mosaik, das der Anlage ihren Namen gegeben hat: Im Zentrum des Mosaiks ist der Meeresgott in Farbe dargestellt. Er ist umgeben von seinen Untertanen: Seepferdchen, Fische, Delfine Krebstiere und allerlei mythische Meeresbewohner. In anderes Mosaik zeigt ein Labyrinth, das ein Bild des athenischen Helden Theseus umgibt. Daran schließt ein Mosaik mit Szenen aus dem Bereich des Bacchus an: tanzende Mänaden, Satyrs, Zentauren.

Die Casa del Patio Rodio, dem Haus mit dem rhodischen Peristyl, wurde ebenfalls noch nicht vollständig ausgegraben. Klar ist aber bereits, dass sich die Räume um mehrere Höfe gruppieren. Ein Hof vom rhodischen Typ, bei dem eine Seite höher ist und die Ebenen durch Treppen verbunden sind, gab dem Gebäude seinen Namen. Auch hier waren einige Räume mit Mosaiken geschmückt. Leider haben sie sich jedoch schlecht erhalten.

Daneben liegt das sogenannte Haus des Hylas, eine ebenfalls nur teilweise ausgegrabene Villa, die noch viele Fragen offenlässt. Das Hauptperistyl mit einem quadratischen Brunnen war auch hier vom rhodischen Typ und der höhere Korridor führte zu einem Speisesaal mit einem Mosaik. In einem Raum dahinter befand sich auch das namengebende Mosaik dieses Gebäudes. Es zeigt die Entführung von Hylas, dem Freund und Waffenbruder von Herkules, durch die Nymphen. Diese Mosaik befindet sich im Provincial Archaeological Museum von Sevilla. In Itálica ist nur der „Rahmen“ mit seinen geometrischen Mustern zu sehen.

 

(Fortsetzung folgt …)

Itálica (Teil 3)

Gleich hinter dem Stadttor führt uns der Weg vorbei am Haus der Exedra. Für ein rein privates Wohngebäude scheint die Anlage zu groß und zu komplex zu sein: Das Haus der Exedra erstreckt sich über etwa 4000 Quadratmeter! Man geht daher im Allgemeinen davon aus, dass es sich um ein halböffentliches Gebäude handelte – vielleicht ein Vereinshaus (Kollegium), das an ein Privathaus angeschlossen war.

Der Haupteingang des Gebäudes liegt im Westen an der Hauptstraße. Neben dem Eingang öffnen sich Tabernae, Geschäfte, zur Straße. Weitere Läden gibt es an der rechten Seite des Hauses, wo sich auch ein Seiteneingang befindet und ein kleiner Laden ist an der Rückseite.

Vom Eingang betrat man zunächst einen Vorraum, von dem aus man nach rechts zum erwähnten Seiteneingang kam oder nach links einen offenen Platz erreichte, der als Palästra diente, also für sportliche Übungen. Neben dieser Palästra führten einige Stufen hinunter zu einer Cryptoportikus, einem überdachten Wandelgang. Hinter der Palästra befindet sich ein halbrunder Raum – die Exedra, die dem Gebäude seinen Namen gab und möglicherweise Empfängen oder Banketten diente.

Vom Eingang führte der Weg auch zum Wohnbereich mit einem Peristyl und umgebenden kleinen Räumen (z.B. Schlafräumen). Ein Peristyl ist ein rechteckiger Hof, der von Säulenhallen umgeben ist. Im Haus der Exedra befindet sich im Hof ein unregelmäßig geformtes Wasserbecken. Statt den üblichen Säulen ist der Hof von kreuzförmigen Pfeilern umgeben, die darauf schließen lassen, dass hier ein größeres Gewicht wie beispielsweise ein zweites Stockwerk getragen werden sollte. Auf ein zweites Stockwerk weist auch eine Treppe in einem der Räume hinter dem Peristyl.

Eine weitere Besonderheit dieses Gebäudekomplexes ist eine komplette Badeanlage im rückwärtigen Bereich. Umkleideraum, Warmbad und Heißbad sind um das Kaltbad mit Schwimmbecken gruppiert. Man kann hier auch noch gut die Hypokaustanlage mit seinen typischen, den Estrichboden tragenden Pfeilern sehen.

 

(Fortsetzung folgt …)

Itálica (Teil 2)

Gleich gegenüber dem Eingang zum Archäologischen Park befindet sich das Amphitheater. Es war vermutlich Teil des Ausbaus Itálicas unter Hadrian. Es war 160 x 137 Meter groß und bot Platz für 25.000 Zuschauer. Damit war das Amphitheater von Itálica eines der größten des gesamten römischen Reichs.

Die Zuschauertribüne war horizontal dreigeteilt und der obere Bereich, der Frauen und Kindern vorbehalten war, konnte mit einer Art Markise vor der Sonne geschützt werden. Der Zugang zu den verschiedenen Ebenen erfolgte über ringförmige Korridore.

Die Arena hat in der Längsachse zwei gegenüberliegende Eingänge, die ursprünglich mit einem Tonnengewölbe bedeckt waren. Durch den Eingang im Osten betraten die Kämpfer die Arena, während diejenigen, die die Kämpfe nicht überlebten, durch das westliche Tor hinausgetragen wurden. Die Arena war mit einem Holzboden bedeckt. Darunter befindet sich eine Grube, die zum einen die Käfige für die wilden Tiere enthielt, die neben Gladiatoren für Kämpfe eingesetzt wurden. Zum anderen befanden sich hier auch Serviceräume, in denen verschiedene für die Shows benötigte Gerätschaften aufbewahrt wurden.

Zum Amphitheater gehörten außerdem Kulträume für Nemesis und die Dea Caelestis.

Neben dem Amphitheater führt der Rundweg durch den Archäologischen Park durch das Nordtor der Stadtmauer. In Hadrians Neustadt (urbs nova) waren die Straßen breit und von Säulenhallen gesäumt. Noch heute wandert man auf original römischem Pflaster. Die Straßen der Stadt bildeten rechteckige Häuserblöcke, die zumindest in diesem unter Hadrian entstandenen Teil Itálicas öffentlichen und halb-öffentlichen Gebäuden sowie den Häusern der Elite vorbehalten war, während die einfachere Bevölkerung vermutlich in mehrstöckigen Gebäuden im Bereich des ursprünglichen Stadtareals wohnte.

 

(Fortsetzung folgt …)

Itálica (Teil 1)

Nördlich von Sevilla, beim nur 10 Kilometer entfernten Ort Santiponce, lag die 206 v. Chr. von den Römern gegründeten Stadt Itálica. Teile der Stadt sind heute in einem archäologischen Park der Öffentlichkeit zugänglich.

Itálica entstand im Verlauf des zweiten punischen Krieges an der Stelle einer Siedlung der einheimischen Turdetaner als Militärposten. Später – in der 2. Hälfte des 1. Jhs. v. Chr. – erhielt Itálica des Status eines Municipiums. Unter Hadrian, der wie sein Vorgänger Trajan aus Itálica stammte, wurde die Stadt zur Colonia erhoben und erhielt den Namen Colonia Aelia Augusta Italica bzw. Colonia Victrix Italicensis. Hadrian baute seine Heimatstadt weiter aus. In den folgenden Jahrhunderten verlor die Stadt jedoch wieder an Bedeutung bis sie schließlich verfiel und wie die meisten antiken Städte als Steinbruch diente.

Im 18. Jh. begann dann die archäologische Erforschung und bereits im 19. Jahrhundert wurden die Ruinen in einen archäologischen Park zusammengefasst. Dabei handelt es ich vor allem um die Urbs Nova, die Erweiterung unter Hadrian.

Der archäologische Park umfasst:

  • das Amphitheater
  • das Traianeum, ein dem Kaiser Trajan gewidmeter Tempel
  • öffentliche Thermen
  • viele vornehme Privathäuser mit ihren Mosaikfußöden

In Santiponce selbst befindet sich ein kleines Museum und das römische Theater. Die meisten Funde aus Itálica befinden sich jedoch im Archäologischen Museum in Sevilla.

In den nächsten Artikeln begeben wir uns auf einen Rundgang durch den archäologischen Park und Santiponce und werden die wichtigsten Gebäude kennenlernen.

 

(Fortsetzung folgt …)