Sogenannte „Schatzhäuser“ (Teil 1)

In besonderen Heiligtümern, wie z. B. den panhellenischen Heiligtümern von Olympia oder Delphi, finden wir neben den Kultbauten zahlreiche Weihgeschenke von privaten Stiftern und auch von Staaten. Normale Weihgeschenke stehen eigentlich im Freien. Wertvolle oder besonders witterungsanfällige Geschenke lagerte man dagegen im Innern der Tempel. Hier war der Platz aber natürlich begrenzt. Staaten errichteten daher auch sogenannte Schatzhäuser. Diese dienten nicht nur der Aufbewahrung der Weihgeschenke, sondern kündeten in ihrem Bildprogramm oft auch vom Ruhm des jeweiligen Staates.

Der Grundtypus, ein sogenannter Antentempel, besteht aus einem rechteckigen Raum mit einer Vorhalle, zwischen deren seitlichen vorspringenden Wangen (Anten) zwei Säulen stehen. Bekannte Beispiele sind die Schatzhäuser von Gela und Megara in Olympia sowie jene von Athen, Sikyon und Syphnos in Delphi.  Auf die Schatzhäuser in Delphi möchte ich im Folgenden näher eingehen.

Das Schatzhaus von Sykion, das wir heute noch sehen, wurde gegen Ende des 5. Jhs. v. Chr. errichtet. Allerdings fand man im Fundament ältere Bauteile, die wohl von Vorgängerbauten von ca. 600 v. Chr. und 560 v.Chr. stammen. Die Metopen gehören zum Bau von 560 v. Chr. Sie zeigen die Argonautensage: den Widder mit dem goldenen Vlies (= Fell), den kaledonischen Eber, die Dioskuren mit Ideus und Lynkeus sowie Europa auf dem Stier.

 

(Fortsetzung folgt …)

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Griechische Grabdenkmäler (Teil 2)

In der klassischen Zeit (ca. 480 – 323 v. Chr.) werden die Grabstelen breiter. Die alten Themen wie Athletik, Jagd und Krieg werden jetzt seltener dargestellt und ganz selten sind Darstellungen einer bestimmten Aussage über den Toten. Stattdessen finden wir jetzt vor allem mehrfigurige Darstellungen mit einfachen „Lebensbildern“. Dabei sind meist polare Paare wie Mann und Frau, Mutter und Kind, Herrin und Dienerin usw. dargestellt, wobei die Szenen oft eine Atmosphäre der Trauer vermitteln. Die Deutung der Darstellungen ist allerdings umstritten. Bekannte Beispiele sind das Hegeso-Relief, die Theano-Stele und die Alxenor-Stele.

Im Hellenismus setzen in Athen, das in bisher in der Grabkunst führend war, wegen des Anti-Luxus-Gesetzes des Demetrios von Phaleron die Grabdenkmäler aus. Insgesamt kann man sagen, dass die Grabdenkmäler der hellenistischen Welt relativ einheitlich waren. Es werden allgemeine Szenen dargestellt. Beliebt werden beispielsweise Szenen, in denen die Familie tafelt (kein Totenmahl!). außerdem werden Standesabzeichen beigefügt. Individuelle Szenen sind dagegen selten.

Einige Fürsten und andere Personen der führenden Schichten ließen aber in dieser Zeit auch Grabdenkmäler errichten, die über das Übliche hinausgehen. Bekanntestes Beispiel ist sicher das Maussoleum von Halikarnassos in der heutigen Türkei (360-330 v. Chr.). Das iGrabmal bestand aus einem hohen Sockel, über dem sich ein tempelartiger Aufbau erhob. Man fand 2 Statuen, die vermutlich Maussolos und seine Frau Artemisia darstellen.

Ein ähnliches Grabmal ist das Nereidenmomunent (London, British Museum). Auch hier erhebt sich ein tempelartiger Aufbau, der die Grabkammer enthält, auf einem Sockel. Andere monumentale Grabformen können Felsgräber (z. B. in Kaunos) oder Hügelgräber (z. B. Grab Phillips II. in Vergina) sein. Insgesamt gibt es nur wenige monumentale Gräber. Ihr Bildschmuck stellt keine Leistungen des Verstorbenen mehr dar. Stattdessen wirken die Bauten für sich.

 

Griechische Grabdenkmäler (Teil 1)

Wie auch heute noch üblich, markierte man schon in der griechischen Antike die Gräber der Verstorbenen, um das Andenken der Toten zu wahren. Und auch damals gab es verschiedene Formen von Grabdenkmäler.

Schon seit dem späten 3. Jahrtausend v. Chr. sind Grabhügel bekannt. Ein Beispiel ist der Grabhügel in Nidri auf Lefkas.

Seit mykenischer Zeit (ca. 17. – 11. Jh. v. Chr.) kennen wir Grabstelen, die die Gräber markierten (Bsp. Grabzirkel in Mykene). Dargestellte Themen sind Wagenfahrt, Kampfszenen und Jagdszenen, also Bilder aus der Welt der Adligen. Es gibt aber auch rein ornamental verzierte Stelen.

In der geometrischen Zeit (ca. 900 – 700 v. Chr.) verwendete man ebenfalls zunächst Stelen und wohl leichte Anschüttungen. Später errichtete man richtige Grabhügel. Zur Markierung verwendete anfangs Gefäße. Im Boden dieser Gefäße befindet sich ein Loch für Trankopfer (= Libationen). Die Gefäße zeigen Szenen aus dem Totenritual (Aufbahrung, Leichenzug usw.) sowie Szenen aus dem Leben des Toten (Bsp. Dipylon-Amphora) Seit dem 8 Jh. v. Chr. gab es Grabsteine aus Stein oder Holz.

In der archaischen Zeit (ca. 750 – 500 v. Chr.) wurden die Grabmäler stärker personalisiert. So können die Stelen jetzt Namen tragen. Im 6. Jh. v. Chr. ist diese Tendenz besonders in Athen ausgeprägt. In dieser Zeit kommen auch die sogenannten Kuroi und Korai auf, freiplastische Figuren von jungen Männern und Frauen (Bsp.: Kroisos, Phrasikleia). Auch jetzt prägen Szenen aus der adligen Lebenswelt die Darstellungen. Als Bekrönung der Stelen finden wir oft Sphingen, die das Grab schützen sollten.

 

(Fortsetzung folgt …)

Der Sarkophag von Agia Triada

Agia Triada (auch Hagia Triada genannt) liegt auf Kreta im Westen der Messara-Ebene. 1903 kam bei Ausgrabungen in einem ausgeraubten Grabbau eines der letzten Monumente mit freskenartiger Bemalung aus der späten minoischen Palastzeit (14. Jh. v. Chr.) zutage, der berühmte Sarkophag von Agia Triada – heute ein Highlight des Archäologischen Museums von Iraklio / Heraklion.

Der Sarkophag, dessen Deckel nicht erhalten ist, besteht aus Kalkstein. Er ist ca. 90 cm hoch x 137 cm lang und 45 cm breit und ist auf allen vier Seiten bemalt.

Auf einer der Langseiten liegt ein getöteter Stier auf einem Opfertisch. Zwei weitere Opfertiere liegen unter dem Tisch. Von links nähert sich eine Gruppe Frauen, die von einem Flötenspieler angeführt wird. Die Frau im Fellgewand ist vermutlich eine Priesterin. Sie bringt auf dem Alter ein unblutiges Opfer. Hinter dem Altar steht ein mit Doppeläxten geschmückter Holzpfeiler. Daneben scheint ein Gebäude angedeutet zu sein, hinter dem man eine Palme erkennt.

Auf der rechts anschließenden Schmalseite ziehen zwei Greifen einen Wagen mit einem Götterpaar. Die Götter sollen wohl dem Opfer beiwohnen.

Auf der zweiten Langseite sind zwei Gruppen dargestellt. Links wieder eine Priesterin in einem Fellgewand und eine weitere Frau sowie ein Lyra-Spieler. Rechts tragen drei Männer zwei Kälber und ein Schiff zu einer einem Gebäude, vor der eine unbewegte Gestalt steht. Man nimmt an, dass es sich hier um den Verstorbenen handelt.

Auf der zweiten Schmalseite wird ein Gespann mit zwei Frauen von einer Ziege oder einem Steinbock gezogen. Auch hier handelt es sich vermutlich um Götter, da Ziegen normalerweise nicht als Zugtiere dienten. Der Wagen nähert sich dem Toten. Darüber sieht man eine Prozession.

Die Darstellungen verbinden also Götterkult und Totenkult auf einem Bild: zu Ehren des Verstorbenen wird ein Fest zu Ehren der Götter veranstaltet.

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 4)

Am ersten eigentlichen Festtag gab es eine große Prozession, an der alle Teilnehmer der Agone (= Wettkämpfe) und auch Frauen teilnahmen. Es war eine sehr farbenfrohe Prozession: die attischen Bürger trugen weiße Kleidung, die Metöken (= dauerhaft in Athen lebende Fremde ohne Bürgerrecht) scharlachrote Kleidung und die Choregen (Bürger, die finanziell und organisatorisch für die Chöre verantwortlich waren) trugen sehr prunkvolle Gewänder. Die Prozession endete vor dem Tempel des Dionysos Eleuthereus. Nachdem man dem Gott Schlachttiere und anderes geopfert hatte, ging man ins Theater.

Am Vormittag dieses Tages wurden außerdem verdiente Bürger geehrt und die Jugendlichen in die Gesellschaft eingeführt. Nachmittags wetteiferten Dithyrambenchöre miteinander (je ein Männer- und ein Knabenchor aus jeder Phyle (= Verwaltungsbezirk Athens und seines Umlands)). Ein Dithyrambos war das eigentliche Festlied des Dionysos und bestand aus einem Wechselgesang zwischen Chor und Vorsänger. Ein Chor aus 50 Teilnehmern sang und tanzte dabei zu Flötenmusik. Möglicherweise endete der Tag mit einem Umzug zu Ehren des Dionysos (Komos).

Am zweiten Festtag standen fünf Komödien auf dem Programm und danach folgten drei Tage mit je einer Tetralogie bestehend aus 3 Tragödien und 1 Satyrspiel. Die Theaterwettkämpfe (Agone) begannen bei Tagesanbruch. Vor Beginn einer Tetralogie gab es ein Opfer und man bestimmte auch di Richter, die die Stücke bewerten sollten. Die Reihenfolge der Konkurrenten wurde bei allen Wettbewerben durch das Los bestimmt.

Die Tragödien bestanden ursprünglich aus einem Chor und einem Schauspieler, der die verschiedenen Rollen mit Hilfe von unterschiedlichen Masken verkörperte. Später waren es zwei Schauspieler und noch später drei Schauspieler. Anfangs ehrte man nur die Dichter, später auch die Schauspieler. Die Siegerlisten der Dionysien und auch der Lenäen sind uns in Inschriften überliefert.

Am Abend des fünften Festtages gingen die Dionysien mit der Verkündung der Sieger im tragischen Wettkampf formal zu Ende, es fand jedoch noch eine abschließende Volksversammlung statt.

Die Entwicklung des Theaters – Tragödien, Komödien usw. sowie auch die Theaterbauten – hat ihren Ursprung in den Festen zu Ehren des Dionysos. Und die meisten im 5. Jh. v. Chr. entstandenen Dramen hatten ihre Uraufführung bei den städtischen Dionysien.

 

 

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 3)

Im März/April fand das wohl bekannteste Athener Dionysosfest statt, die sogenannten städtischen Dionysien, in deren Verlauf sich die besten Tragödien- und Komödiendichter in Wettkämpfen maßen.

Ursprünglich war dieses dem Dionysos Eleutheros gewidmete Fest wohl den ländlichen Dionysien ähnlich. Erst unter Peisistratos gewann das Fest an überregionaler Bedeutung. Es stand allen Griechen offen und wurde zur Selbstdarstellung Athens genutzt.

Das eigentliche Fest dauerte 5 Tage. Zusammen mit zwei vorbereitenden Tagen und einer Volksversammlung nach den Wettkämpfen ergeben sich folgende 8 Tage:

1. Tag:        Proagon
2. Tag:        Einholen des Götterbildes
3. Tag:        erster Festtag: Prozession, Festopfer, Dithyramben
4. Tag:        zweiter Festtag: Komödien-Wettkampf
5.- 7. Tag:   dritter bis fünfter Festtag: Tragödien-Wettkämpfe
8. Tag:        Volksversammlung im Theater

Der Proagon diente der Vorstellung der Vorstellung der Dichter und der Stücke. Am Tag danach holte man Dionysos symbolisch von Eleutherai nach Athen – in Erinnerung an das mythische Geschehen. Dazu brachte man das Kultbild des Dionysos aus seinem Tempel hinter dem Theater zu einem kleinen Tempel außerhalb der Stadtmauern im Kerameikos gebracht. Nach einem Opfer brachte man die Statue nach Einbruch der Nacht wieder zu seinem Heiligtum beim Theater.

 
(Fortsetzung folgt …)

 

 

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 2)

Die dreitägigen Lenaia im Januar/Februar waren dem Dionysos Lenaios gewidmet. Der Beiname könnte sich auf die Weinkelter beziehen (griech. „lenos“) oder auf die Mänaden, die Begleiterinnen des Dionysos, die auch „lenai“ genannt wurden.

Darstellungen der Lenaia auf griechischen Vasen zeigen sowohl Szenen mit Mänaden als auch das Mischen von Wein. Welche Riten genau zu Ehren des Gottes ausgeführt wurden, ist nicht bekannt. Die Darstellungen zeigen aber zum Beispiel Frauen, die Flöte spielend ekstatisch um eine mit einer Maske geschmückte Säule herumtanzen.

Ursprünglich fand dieses Fest in Athen im Lenaion statt, dessen genauer Ort nicht bekannt ist. Vermutlich verlegte man das Fest ab Mitte des 5. Jhs. v. Chr. ins Dionysostheater am Südhang der Akropolis. Ab dieser Zeit wurden im Rahmen der Lenaia auch Theaterstücke aufgeführt: zunächst nur fünf Komödien, später kamen zwei Tragödien dazu. Man geht davon aus, dass das Publikum hier  vermutlich auf die lokale Bevölkerung beschränkt war.

Die ländlichen oder kleinen Dionysien im Dezember / Januar waren ein Fruchtbarkeitsfest, das möglicherweise erst im Lauf der Zeit dem Dionysos gewidmet worden war. Im Zentrum des Festes stand eine Prozession von Phalloi. Nach dieser Prozession gab es Wettbewerbe für Tanz und Gesang sowie für Dithyramben (Chorlieder). An einigen Orten gab es auch hier wieder Theateraufführungen. Dabei handelte es sich möglicherweise um Stücke, die im Jahr davor bei den städtischen Dionysien uraufgeführt worden waren.

 
(Fortsetzung folgt …)