San Giovanni in Laterano, Rom

Unter Kaiser Konstantin wurden in Rom verschiedene Kirchen gebaut. Darunter die Lateransbasilika als erste Gemeindekirche. San Giovanni in Laterano war auch die erste Bischofskirche und ist die einzige römische Basilika konstantinischer Zeit, die innerhalb der Stadtmauern lag. Alle anderen großen Basiliken entstanden außerhalb der Stadtmauern, da sie im Zusammenhang mit Gräbern entstanden.

Christliche Basiliken verwendeten Elemente römischer Profanbauten, sodass zum Teil nur die Inneneinrichtung zeigt, ob es sich um einen christlichen Bau handelt. Kennzeichen christlicher Basiliken sind unter anderem Obergaden mit Fenstern, die über die Seitenschiffe herausragen, und damit verbunden die Hierarchie der Innenausstattung durch die Ausrichtung auf das Mittelschiff mit der Apsis.

Die konstantinische Lateransbasilika war fünfschiffig und besaß einen hohen Obergaden, der auf Säulenkolonnaden ruht, und ein mit Holz gedecktes Dach. Alles ist nach innen orientiert und die Innenausstattung unterstützt die Hierarchie des Innenraums. Architektur und Ausstattung ergänzen einander.

Über dem Altar erhob sich wohl ein von Konstantin gestifteter und auf Säulen ruhender silberner Aufsatz, ein Ziborium. Eine solche Anlage betonte und erhöhte einen bestimmten Platz, z. B. ein Märtyrergrab. Die Skulpturen an den Giebeln waren der Überlieferung nach aus reinem Silber. Zur Gemeinde hin thronte Christus inmitten der Apostel, zur Apsis hin zwischen vier Engeln.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Basilika immer wieder umgebaut, aber ihre Bedeutung blieb: noch heute ist San Giovanni in Laterano die Kirche des Papstes als Bischof von Rom und die ranghöchste der Papstbasiliken.

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Die Mosaiken von Daphni (Teil 3)

Die Mosaiken von Daphni gelten als Musterbeispiel für den Klassizismus des 11. Jhs. n. Chr. Die besonderen Merkmale dieses Stils sind:

  • malerischer Stil, der sich an der Buchmalerei orientiert
  • Dreidimensionalität der Darstellungen durch Farbmodellierung
  • realistische Wiedergabe des Verhältnisses von Körper und Gewand sowie der Körperproportionien
  • Aufgabe der strengen Axialität der Komposition
  • stark antikisierende Darstellungen

Im Folgenden seien einige Beispiele für diese Stilelemente aus dem Bildprogramm herausgegriffen.

Die Darstellung der Kreuzigung ist auf die drei Hauptfiguren Christus, Maria und Johannes beschränkt. Alle drei Figuren sind schmal und lang. Durch Farbmodellierung wirken sie dreidimensional und organisch. Der Künstler verzichtete auf strenge Frontalität und bezog sich auf antike Vorbilder. Allerdings gelang es ihm nicht, alle Details organisch zu gestalten.

Auch bei der Taufdarstellung griff der Künstler auf antike Vorbilder zurück. Im Zentrum schwebt Christus im Wasser des Jordan. Der nackte Körper ist ponderiert dargestellt und in organischer Weise modelliert. Die Hautpartien wirken durch die Farbmodellierung dreidimensional und organisch, die Gewänder der andern Figuren etwas flacher als in der Kreuzigung.

Allerdings wirken nicht alle Darstellungen in Daphni so organisch. Bei der Darstellung der Verklärung stehen Körper und Gewand in starkem Missverhältnis und die Gewandfalten sind völlig unorganisch wiedergegeben. Ein besonders gutes Beispiel für diesen linearen Stil ist auch der Einzug in Jerusalem. Wir haben es hier mit einer reinen Zusammensetzung geometrischer Formen zu tun.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Mosaiken in Daphni eine gewisse Vertrautheit mit antiken Vorbildern voraussetzen. Die Figuren sind hoch und schlank und unterscheiden oft zwischen Standbein und Spielbein. Auch wirken sie durch leichte Schattierungen dreidimensional und organisch. Trotzdem finden wir viele Fehler und trotz aller Bemühungen gelang es den Künstlern nicht, Körperproportionen und Gewänder wirklich realistisch wiederzugegeben. Und einige der in Daphni arbeitenden Künstler folgten mit ihrem linearen Stil Vorbildern aus anderer Zeit.

Die Mosaiken von Daphni (Teil 2)

Schon beim Eintritt in die Kirche sind fast alle wichtigen Bilder zu sehen. Zudem sind die Bildfelder sorgfältig dem jeweiligen Bauteil angepasst. Bilder der verschiedenen Mosaiken finden sich z. B. unter folgenden Links: http://www.ellopos.net/gallery/daphni-gallery/default.asp
http://www.icon-art.info/location.php?lng=de&loc_id=360

Im Zenit der Kuppel befindet sich die Darstellung des Pantokrators. Zwischen den Fenstern des Tambours sind 16 Propheten dargestellt. Von der in der Apsiskonche thronenden Maria mit dem Jesus-Kind auf ihrem Schoß war leider nur noch der untere Teil erhalten. Über dem eigentlichen Altarraum befand sich ursprünglich eine Darstellung der Vorbereitung des Thrones Christi (die sog. Hetoimasie). In den seitlichen Nischen dieses Raums wachen die Erzengel Gabriel und Michael.

Bilder von Heiligen – in voller Größe oder als Brustbilder – schmücken die Wände der seitlichen Apsidenräume und der weniger sichtbaren Teile der Kirche.

Im Hauptraum und in den Kreuzarmen befindet sich in zwei übereinanderliegenden Zonen der Festtagszyklus. In chronologischer Reihenfolge sind hier sowohl christologische als auch mariologische Szenen dargestellt. Der Zyklus beginnt an der östlichen Wand des nördlichen Kreuzarmes oben mit der Geburt Marias. Es folgten im Uhrzeigersinn die Verkündigung, die Geburt Christi, die Anbetung durch die drei Magier, die Präsentation Christi im Tempel, die Taufe, die Verklärung und die Erweckung des Lazarus. Dann wechselt der Zyklus zur unteren Zone mit dem Einzug in Jerusalem, der Kreuzigung, der Auferstehung, dem ungläubigen Thomas und der Himmelfahrt Marias (= Koimesis).

Die Passion Christi wird im nördlichen Teil des Eso-Narthex noch ergänzt durch das Abendmahl, die Fußwaschung und den Verrat des Judas. Den südlichen Teil nehmen Bilder aus dem Leben Marias ein: das Gebet ihrer Mutter Anna und die Verkündigung an Joachim, die Weihe Marias durch die Priester und die Präsentation Marias im Tempel. Die besondere Betonung des Lebens der Mutter Gottes in den Darstellungen ist, dass die Kirche von Daphni der Himmelfahrt Marias geweiht ist. Gleichzeitig weist diese Betonung bereits in die spätbyzantinische Zeit.

 

(Fortsetzung folgt …)

Die Mosaiken von Daphni (Teil 1)

Das Kloster Daphni liegt bei Athen und ist seit 1990 UNESCO-Welterbe. Bekannt ist das Kloster aus dem 11. Jh. n. Chr. vor allem für seine Mosaiken.

Vermutlich wurde die erste Kirche hier im 5. Jh. n. Chr. an der Stelle eines Apollo-Heiligtums errichtet. Ende des 11. Jh. n. Chr. erhielt das Kloster seine heutige Gestalt und wurde nach dem vierten Kreuzzug von Zisterziensern genutzt. Unter türkischer Herrschaft lebten von 1458 bis 1821 orthodoxe Mönche hier bis das Kloster aufgelöst wurde. 1999 wurde die Kirche leider durch ein Erdbeben schwer beschädigt und wird seitdem einer langwierigen Renovierung unterzogen.

Literatur:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Daphni
  • E. Diez/O. Demus, Byzantine mosaics in Greece, Hosios Lucas & Daphni (Cambridge MA 1931)
  • Cormack, Rediscovering the Christ Pantocrator at Daphni. In: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes 71, 2008, S. 55–74.

In diesem und den folgenden Artikeln möchte ich das Bildprogramm der Kirche vorstellen.

Im unteren Teil waren die Wände an den Stellen ohne Mosaiken ursprünglich mit Marmorinkrustation geschmückt, die heute leider bis auf einen kleinen Rest in Apsis verloren ist. Ein a-jour gearbeitetes Ornamentband aus Marmor trennt diese Zone von den Mosaiken der Gewölbezone. Darüber befindet sich ein weiteres Ornamentband und trennt die Mosaiken von der Kuppelzone.

Vom ursprünglichen Bildprogramm waren vor dem Erdbeben noch 76 Darstellungen zu sehen. Alle Mosaiken sind gold-grundig und zeigen vor allem Figuren. Landschaft und Architektur spielen dagegen kaum eine Rolle.

 

(Fortsetzung folgt …)

 

 

(Fortsetzung folgt …)

Das Mailänder Diptychon

Bilder siehe:
https://fedora.phaidra.univie.ac.at/fedora/get/o:284921/bdef:Content/get
https://fedora.phaidra.univie.ac.at/fedora/get/o:284684/bdef:Content/get

Die beiden Elfenbein-Tafeln im Mailänder Domschatz dienten als Deckel für ein Evangeliar. Jede der Tafeln ist in neun Felder eingeteilt. Dabei geht das obere und das untere Feld jeweils über die ganze Breite der Tafel und das große Mittelfeld wird zu beiden Seiten von je drei kleinen Feldern eingerahmt.

Die erste Tafel zeigt oben die Geburt Christi mit Maria und Josef zu beiden Seiten der Krippe mit dem Jesuskind. Im Hintergrund sieht man den Esel und den Ochsen. Die Szene wird von zwei Kränzen mit Evangelisten-Symbolen eingerahmt: der Mensch links steht für Matthäus, der Stier rechts symbolisiert Lukas. Das untere Feld zeigt den Kindermord mit dem thronenden Herodes, klagenden Frauen und Soldaten. Auch diese Szene wird von zwei Kränzen gerahmt, in denen aber diesmal die Evangelisten selbst dargestellt werden.

Im großen Mittelfeld ist ein Lamm mit Nimbus in einem Früchtekranz dargestellt. Im Hintergrund sieht man zwei korinthische Säulen mit Architrav. Das Lamm symbolisiert den Opfertod Christi, der Früchtekranz steht für Fruchtbarkeit, Wohlstand und Frieden.

Die kleinen Felder links zeigen oben nach unten die Verkündigung Marias an der Quelle, die drei Magiere, die den Stern sehen, sowie die Taufe Christi. Rechts ist oben vermutlich Gebet und Verheißung Annas dargestellt, die auf die Verkündigung ihrer Tochter Marias vorausweist. Darunter sieht man Jesus unter den Schriftgelehrten im Tempel und ganz unten seinen Einzug in Jerusalem.

Auf der rechten Tafel ist im oberen Feld die Anbetung der drei Könige abgebildet, wiederum eingerahmt von zwei Kränzen mit Evangelisten-Symbolen. Diesmal sehen wir links den Löwen für Markus und rechts den Adler als Symbol für Johannes. Auf dem unteren Feld rahmen zwei Kränze mit Evangelisten die Hochzeit von Kanaan ein.

Im mittleren Feld steht ein Juwelenkreuz auf einem Berg, von dem vier Flüsse ausgehen. Auch hier sehen wir zwei korinthische Säulen mit Architrav im Hintergrund. Das juwelengeschmückte Kreuz ist ein Siegessymbol und meint vermutlich das Kreuz der Verklärung. Der Berg stellt den Paradiesberg mit den vier Paradiesflüssen dar. Diese Flüsse wiederum können die vier Himmelsrichtungen symbolisieren oder für die Evangelisten stehen. Als Symbol für die Himmelsrichtungen weisen die Flüsse oft auf die Verbreitung des Evangeliums und die Weltherrschaft Christi.

Die kleinen Felder links stellen von oben nach unten eine Blindenheilung, die Heilung des Lahmen, der nun sein Bett wegträgt, und die Auferweckung des Lazarus dar. Dieser ist wie immer in einer Ädikula dargestellt, was nicht dem biblischen Text entspricht. Im Feld rechts oben thront Jesus als Pantokrator (=Weltherrscher) auf einer Weltkugel. Er gibt zwei Märtyrern Kränze in die verhüllten Hände. Die Kränze symbolisieren den Sieg über das irdische Leben und weisen auf das Jenseits. Im mittleren Feld sehen wir das Abendmahl und das untere Feld zeigt das „Scherflein der Witwe“ (die Witwe, die nur zwei kleine Münzen opfert, weil sie arm ist). Auch hier sitzt Jesus als Pantokrator auf einer Weltkugel.

Beide Tafeln des Mailänder Diptychons zeigen mit Juwelenkreuz, Lamm und Jesus als Pantokrator eine imperiale Ikonographie, die erst im 5. Jh. n. Chr. einsetzt. Die Szenen aus dem Leben Marias wiederum setzen eine ausgereifte Mariologie voraus, die erst mit dem Konzil von Ephesus im Jahre 431 n. Chr. beginnt. Daneben finden wir Szenen aus den östlichen Apokryphen, deren Darstellung im Westen Ende des 5. Jhs. n. Chr. aufhört. Da das Diptychon aufgrund des Stils vermutlich im Westen des römischen Reichs entstand, kann man davon ausgehen, dass es aus der Mitte des 5. Jhs. n. Chr. stammt.

Reisetipp: Archäologischer Park Egnazia in Süditalien (Teil 6)

Das Museum

Den Abschluss unseres Ausflugs nach Egnazia bildet das Museum des archäologischen Parks. Die Dauerausstellung bietet ein komplettes Bild der Geschichte und Topographie der Stadt mit Zeichnungen, Plänen, Photographien, Fragmenten von Architektur und Mosaiken. Ausgestellt sind einige Grabausstattungen messapischer Gräber aus dem 4.-3. Jh. v. Chr. aus der West-Nekropole. Außerdem Urnen der römischen Nekropole, das Mosaik mit der Darstellung der 3 Grazien, Fußbodenmosaike der Bischofsbasilika und der Süd-Basilika, sowie verschiedene christliche Öllampen.

Im Museum befindet sich auch eines der in den Tuff eingegrabenen Kammergräber, die sog. „Tomba delle melagrane“ aus der 2. Hälfte des 4. Jhs. v. Chr.: es besteht aus einem Vorraum, einem Teil unter freiem Himmel und der eigentlichen Grabkammer, die mit Stuck überzogen und mit vegetabilen und architektonischen Motiven bemalt ist. Man betritt das Grab durch eine 2-flügelige Tür.

Ein wichtiges Thema des Museums ist natürlich auch die sogenannte Gnathia-Keramik. Der Begriff Gnathia-Keramik geht auf Minervini zurück, der diesen Keramiktyp als erster untersuchte und glaubte, dass er in Egnazia hergestellt wurde. Heute weiß man, dass Egnazia nur einer unter vielen Fundorten dieser Keramik ist. Der Namen jedoch wurde beibehalten.

Diese Keramik hängt von der großgriechichen Keramik ab, wobei sie von dieser die bekanntesten und einfachsten Formen übernommen hat: Oinochoe, Pelike, Skyphos, Amphore, Glockenkrater, Kantharos, Krateriskos, Schüssel, halbkreisförmige Schale und Teller. Von der apulischen einheimischen Keramik finden wir die charakteristische messapische trozzella (= Nestoris).

Bei der Gnathia-Keramik ist die gesamte Oberfläche des Gefäßes mit einem schwarzen, glänzenden Firnis überzogen. Auf diesem sind anfangs mit weißer Farbe figürliche Szenen gemalt: Gruppen von maximal 2 oder 3 Figuren aus dem dionysischen Bereich. Die figürlichen Szenen verschwinden schnell und werden durch vegetabile Motive in weißer u. gelblicher Farbe ersetzt: Pflanzen, Ranken, Blumen, horizontal oder mäander- oder wellenförmig gemalt, Ketten mit hängenden Blättern, Efeugirlanden usw. Ein charakteristisches Motiv ist eine horizontale Girlande mit vertikalen Verzweigungen aus Weinblättern, -ranken und -trauben.

Diese Technik imitiert die apulisch rotfigurige Keramik und wurde seit dem Ende des 4. Jhs. v. Chr. in fast ganz Süditalien benutzt. Ähnliche Produkte gibt es auch in anderen Orten Italiens vom Gebiet der Etrusker bis Sizilien. Aufgrund der jüngsten Forschungen kann man heute sagen, dass eine Herstellung in Egnazia nicht ausgeschlossen werden kann, dass aber Tarent der Ursprungsort war und dort wohl auch der größte Teil dieser Keramik hergestellt wurde. Erst später wurde auf der ganzen salentinischen Halbinsel viel produziert.

Die Chronologie der Gnathia-Keramik ist umstritten. Ihre größte Blüte lag in der 2. Hälfte des 4. Jhs. und zu Anfang des 3. Jhs. v. Chr.; danach folgte der Niedergang bis zum Ende des 3. Jhs. Zur letzten Phase gehört eine Dekoration in glanzloser Farbe, zum Schluss nur noch weiß.

Byzantinische Kirche Theotokos ton Chal­koprateia in Istanbul

Etwa in der gleichen Zeit wie die Studios-Basilka entstand der Überlieferung nach die Kirche Theotokos ton Chal­koprateia (Mutter Gottes in Chalkoprateia). Sie liegt nordwestlich der Hagia Sophia, keine 150 m von dieser entfernt und wurde auch vom gleichen Kle­rus unterhalten wie die Hagia Sophia. Sie war die wichtigste Kirche der Maria in Kon­stantinopel und besaß den Gürtel der Ma­ria als Reliquie.

Erhaltungszustand

Leider ist die Kirche nur sehr fragmenta­risch erhalten und die vorhandenen Reste auch noch größtenteils in anderen, z.T. moder­nen Gebäuden verbaut. Erhalten sind größere Teile der Nord- und Südmauer sowie Teile der Ostwand mit einer breiten, freistehenden Apsis ohne Nebenräume. Die Apsis ist außen dreiseitig und innen halb­rund, wobei sich in jeder der drei Seiten ein großes Fenster be­findet. Vor der Apsis liegt wie in der Studios-Basilika eine kleine, kreuzförmige Krypta. Die Gesamtbreite der Kirche betrug 31 m. Damit ist sie die größte bisher bekannte Basilika der Haupt­stadt.

Sie ist zwar geräumiger als die Studios-Basilika, sonst aber, wie die erhaltenen Teile zeigen, mit dieser vergleichbar. Man kann die Kirche daher als dreischiffige Basilika rekonstruie­ren. Auch hier war der Kirche, wie wir aus der Überlieferung erfahren, ein Nar­thex und ein Atrium vorgelagert. Siehe hierzu auch den Grundriss: http://fr.wikipedia.org/wiki/Th%C3%A9otokos_des_Chalkoprat%C3%A9ia#mediaviewer/File:Theotokos_Chalkoprateia.svg.

Rekonstruktion

Südlich der Apsis führt ein 3,1 m breiter Torbogen in das Süd­schiff. Hier konnte man Anfang des 20. Jhs. noch eine Kolonnade und eine Vorhalle vor diesem Eingang sehen. Am Ende des rechten, also südlichen Seitenschiffs führte eine Tür zu einer Treppe, die zur Hagia Sophia führte. Dabei verbindet ein monumentaler Seiteneingang das rechte Seitenschiff mit einer Kolonnade. Diese monumentale Seitentür wird auch in den „De Cere­moniis“ (10. Jh.) erwähnt: Nach der Zeremonie zum Fest Mariä Ver­kündigung verließ der Kaiser die Empore auf der nördlichen Seite über eine Holztreppe, ging am Synthronon vorbei und nahm dann den Ausgang bei der Vorhalle, wo er auf sein Pferd stieg.

In der Nordostecke der Kirche wurde die Ostwand durch den Bau ei­ner Straße zerstört, so dass man nur vermuten kann, dass sich auch hier ein Eingang befand. Die Tür in der Mitte der Nordwand führte vermutlich zu einer der Kapellen, die der Chalkopratien-Kirche angegliedert waren.

Durch die oben erwähnte Stelle in den „De Ceremoniis“ ist die Exi­stenz von Emporen gesichert. Wir wissen aber nicht, ob sie umlau­fend waren und wie die Zugänge gestaltet waren.

Zur Innenausstattung der Kirche gibt es nur wenige Hinweise. Es hat sich eine einzige Säulenbasis gefunden, die aber stark beschä­digt ist. Sie gehört vermutlich zum Obergeschoß und zeigt Spuren einer Schrankenanlage.

Der Kirche waren ein Narthex und ein Atrium vor­gelagert. Von beiden ist aber nichts mehr erhalten. Die nördliche Begrenzung des Atriums markiert ein oktogo­nales Gebäude, das in einer Linie mit der Nordwand der Kirche liegt. Welche Funktion dieses oktogonale Gebäude hatte, ist unklar? Der Bautypus könnte auf ein Bapti­sterium deuten. Außerdem könnte ein Pfeiler im Zentrum des Fundaments dazu gedient haben, eine schwere Last, wie z.B. ein Taufbecken, zu tragen, und in der Nähe wurde auch tatsächlich ein Taufbecken ge­funden (heute im Archäologischen Museum). Andererseits wurden Fresken aus dem 14. Jh. gefunden, die heute allerdings nicht mehr zu sehen sind. Sie zeigten Szenen aus der Kindheit Jesu und den Tod des Zacharias. In den Chroniken mit­telalterlicher Reisender werden Reliquien vom heiligen Zacharias und aus der Kindheit Jesu im Zusammenhang mit der Kapelle des Heiligen Jakobus genannt, die sich im Atrium der Chalkopratien-Kirche be­fand. Wenn es sich bei dem Oktogon um diese Kapelle handelt, wäre dies eines der wenigen gesicherten Martyria Konstanti­nopels.

Datierung

Die Chalkoprateia-Kirche entstand ungefähr gleichzeitig mit der Studios-Basilika. Als Gründer nennen die Quellen z.T. Theodosios II. (408-450), z.T. auch seine Schwester Pulcheria, wobei nicht klar ist, ob sie die Kirche noch während der Regierungszeit ihres Bru­ders oder während ihrer Alleinherrschaft (450-453) gründete. An­dere Quellen nennen Verina, die Frau Leos I. (457-474) als Gründe­rin. Um diese verschiedenen Datierungsansätze zu verbinden, wurde vorgeschlagen, daß der Bau unter Pulcheria, noch gegen Ende der Regierungszeit ihres Bruders, d.h. vor 450 n. Chr., begonnen und, vielleicht ein Jahrzehnt später, von Verina been­det und geweiht wurde. Die Ähn­lichkeit mit der Studios-Basilika würde diese Datie­rung unterstüt­zen.

Literaturauswahl:

  • A. Kazhdan (Hrsg.), The Oxford Dictionary of Byzantium, Oxford University Press,‎ 1991, vol. 1, 407-408 ;
  • W. Müller-Wiener, Bildlexikon zur Topographie Istanbuls, Tübingen, Deutsches Archäologisches Institut,‎ 1977, 76-78.