Obernburg am Main – auf den Spuren der römischen Besiedelung

Eines der Kastelle, die die Römer entlang des „nassen“ Limes Main bauten, befindet sich an der Stelle des heutigen Ortes Obernburg am Main in Bayern. Das ca. 110 n. Chr. errichtete Kohortenlager befindet sich gegenüber des Flusses Elsava. Etwas südlich fließt auch die Mümling in den Main.

Das Lager ist heute komplett überbaut, seine Struktur kann man jedoch noch teilweise im Straßenplan der Altstadt nachvollziehen. Die Badgasse folgt der Via Praetoria, die von der Porta praetoria (im Pflaster der Badgasse kenntlich gemacht) zum Stabsgebäude führte. Der Via decumana, die hinter dem Stabsgebäude zur Porta decumana führte, folgt heute die Schmiedstraße. Die Römerstraße dagegen entspricht der Via principalis, der Straße, die vor den Principia entlangführte. An einigen wichtigen Stellen des Lagers sind Hinweisschilder angebracht.

Die wichtigste Entdeckung Obernburgs war allerdings eine Benefiziarierstation mit dem dazugehörigen Weihebereich. Die Ausgrabungen (2000 – 2007) konnten erstmals eine vollständige Benefiziarerstation freilegen und dokumentieren. Benefiziarier dienten im römischen Militär als Sekretäre und waren normalerweise an verschiedene Orte in der Provinz abkommandiert, wo sie auch als eine Art Polizei fungierten. Sie wurden alle 6 Monate ausgetauscht und als Dank dafür, dass sie diese Zeit gut überstanden haben, dankten sie den Göttern zum Ende ihrer Dienstzeit mit Weihesteinen, die uns heute wichtige Informationen über die stationierten Soldaten liefern.

Viele Funde aus dem Lager und der Benefiziarierstation werden im Römermuseum von Obernburg präsentiert. Dort gibt es auch ein Modell des römischen Obernburg. Der besondere Schatz des Museums sind jedoch Inschriftensteine aus dem Weihebezirk der Benefiziarier. Außerdem ist die Bauinschrift des Stabsgebäudes des Lagers ausgestellt sowie zahlreiche Kleinfunde, z. B. Fibeln, Gebrauchskeramik und Münzen. Auch wurden Bruchstücke mehrerer Jupitergigantensäulen.gefunden. Die Rekonstruktion einer vollständigen Jupitergigantensäule steht vor dem Museum. Der Keller ist dem Mithraskult gewidmet.

 

Weitere Informationen:

Literatur:

  • Erfurth, Eric (2017): Römerstadt Obernburg am Main. Ein Rundgang. Erste Auflage. Obernburg am Main: LOGO VERLAG Eric Erfurth. ISBN 978-3-939462-30-9
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17.06.2018 Sonntagsführung: Waffen, Helme, Weihegeschenke – Die Sammlung von Metallgegenständen des Akademischen Kunstmuseums (Marie-Claire Born)

 

Uhrzeit: 11.15 Uhr

Adresse:

Akademisches Kunstmuseum – Antikensammlung der Universität Bonn
Am Hofgarten 21
53113 Bonn

Preis für Erwachsene: 3 € (Eintritt und Vortrag)

 

Die Etrusker – Weltkultur im antiken Italien (16.12.2017 – 17.6.2018 Badisches Landesmuseum Karlsruhe) (Teil 3)

Der nächste Teil der Ausstellung widmet sich der „Zeit der Stadtstaaten“, die unter anderem von vielen Kriegen gegen Griechen, Kelten und Rom, und den damit verbundenen Krisen geprägt war. Künstlerisch fällt in diese Zeit zunächst ein verstärkter Import aus Griechenland, aber auch das eigene archaische Kunsthandwerk. Die Karlsruher Ausstellung zeigt unter anderem den typischen Terrakotta-Schmuck (Antefixe, Akrotere) eines tuskanischen Tempels, Weihgeschenke und Götterbilder.

In das 4. Jh. v. Chr. fällt das Erstarken Roms und die allmähliche Eroberung der etruskischen Städte bis Etrurien schließlich Anfang des 1. Jhs. v. Chr.  im römischen Reich aufgeht. Künstlerisch ist dies die Zeit der Sarkophage und Urnen mit Reliefs.

Das besondere Verhältnis zwischen Rom und den Etruskern wird in einem eigenen Abschnitt der Ausstellung präsentiert. Hier finden wir unter anderem die Statue des sogenannten Arringatore. Die Statue stellt den Etrusker Aule Meteli in einer Toga dar und war vermutlich als Weihgeschenk in einem Heiligtum aufgestellt. Auch Kaiser Claudius ist hier vertreten, der eine leider verlorene zwanzigbändige Geschichte der Etrusker geschrieben haben soll.

„Die Etrusker und wir“ gibt zum Abschluss einen Einblick in die Geschichte der Erforschung der Etrusker und zeigt etruskische Kunst aus Raubgrabungen, Fälschungen etruskischer Kunst sowie etruskisch beeinflusste Kunst.

Zur Karlsruher Ausstellung ist ein umfangreicher Begleitkatalog erschienen, der die einzelnen Teile der Ausstellung vertieft und viel Hintergrundwissen bietet: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Herausgeber), Die Etrusker: Weltkultur im antiken Italien (2017) ISBN 978-3806236217

Weitere Informationen:

Die Etrusker – Weltkultur im antiken Italien (16.12.2017 – 17.6.2018 Badisches Landesmuseum Karlsruhe) (Teil 2)

Die Entwicklung der etruskischen Kultur aus der Villanova-Kultur (10. Jh. v. Chr. bis ca. 700 v. Chr.) und die Entstehung der ersten städtischen Siedlungen aus den eisenzeitlichen Dörfern (ca. 7. Jh. v. Chr.) sind das Thema des zweiten Ausstellungsabschnitts.

Typisch für die Villanova-Kultur sind bikonische Urnen aus Ton oder Metall, deren Deckel üblicherweise eine flache Schale oder eine Schüssel. Manche Urnen wurden auch mit einem Helm verschlossen. In einigen Gräbern fand man auch Urnen in Form der Hütten, die Modelle der Wohnhäuser dieser Zeit darstellen. Grabbeigaben wie zum einen Haarspangen und Spinnwirteln sowie Rasiermesser und zum anderen Waffen weisen auf das Geschlecht der bestatteten Person. Später kommt in einigen Regionen der Villanova-Kultur die Körperbestattung hinzu die Grabbeigaben werden wertvoller.

Ab dem Ende des 9. Jhs. v. Chr. gibt es bei den Grabbeigaben zunehmend Anzeichen für intensiven Kontakt und kulturellen Austausch mit anderen Kulturen innerhalb und außerhalb von Italien. Dieser Austausch basierte auf wirtschaftlichen Kontakten, die schließlich auch zu einer immer stärkeren Hierarchisierung innerhalb der Villanova-Kultur führte – zur „Zeit der Fürsten“.

Diese sogenannte orientalisierende Phase zeigt sich archäologisch unter anderem in neuen Grabformen, z.B. Tumulusgräber, die als Familiengräber dienten, und dem Luxusgeschirr aus Griechenland, dass auf die neue Sitte des Banketts weist, die aus dem Osten übernommen worden war. Die Ausstellung zeigt die prächtige Grabausstattung solcher Fürsten anhand von Schmuck, Waffen, griechischer Keramik, usw.

In dieser Zeit entwickelte sich unter diesen verschiedenen Einflüssen auch die etruskische Schrift und das etruskische Kunsthandwerk, das dann wiederum in den Mittemeerraum und zu denen Kelten exportiert wurde. Die Macht der Etrusker erreichte ihren Höhepunkt, was sich auch in der Expansion nach Kampanien und in die Po-Ebene zeigt. In Rom übernahm in dieser Zeit der erste Etrusker die Königsherrschaft.

 

(Fortsetzung folgt …)

Die Etrusker – Weltkultur im antiken Italien (16.12.2017 – 17.6.2018 Badisches Landesmuseum Karlsruhe) (Teil 1)

In den letzten Jahren gab und gibt es in Europa zahlreiche Ausstellungen zu verschiedenen Aspekten der etruskischen Kultur (siehe Kasten unten[1]). Während sich einige Ausstellungen nur einzelnen Aspekten widmen / widmeten, hat es sich die Ausstellung im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe zur Aufgabe gemacht, ein umfassendes Bild der Kultur der Etrusker vom 10. bis zum 1. Jh. v. Chr. zu vermitteln.

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit italienischen Behörden und Museen und zeigt viele Funde, die zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sind. Sie gliedert sich in die Bereiche

  • Die Welt der Etrusker
  • Frühe Etrusker und Zeit der Fürsten
  • Zeit der Stadtstaaten
  • Die Etrusker und Rom
  • Die Etrusker und wir

Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt mit einer kurzen Einführung zum Siedlungsgebiet der Etrusker, zu ihrer Bedeutung für die Geschichte des antiken Italien und den Diskussionen über ihre Herkunft. Das Kerngebiet der Etrusker bzw. Rasenna oder Rasna, wie sie sich selbst nannten, entspricht den heutigen Regionen Toskana, nördliches Latium und westliches Umbrien. Daneben expandierten sie teilweise bis in die Po-Ebene im Norden und Kampanien im Süden.

Die Herkunft der Etrusker war schon in der Antike umstritten und konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Die Meinungen schwankten zwischen Einwanderung aus dem Osten (Lyder oder Pelasger), um ihre Fremdartigkeit zu erklären, und Entwicklung auf italischem Boden. Die archäologischen Zeugnisse weisen auf eine kontinuierliche Entwicklung aus der früh-eisenzeitlichen Villanova-Kultur, die sich im Bereich des späteren etruskischen Kernlands erstreckte. Die spätere etruskische Kultur entstand offenbar, als diese einheimische Kultur Einflüsse von Handelspartnern und Einwanderern, z.B. aus dem Orient und Griechenland (inklusive der griechischen Siedlungen in Italien) aufnahm.

 

(Fortsetzung folgt …)

 


[1] Etrusker-Ausstellungen der letzten Jahre (Auswahl):

  • Die Etrusker – Una storia particolare (03.2013 – 11.11.2013, Gallo-Römisches Museum, Tongeren)
  • Die Etrusker – Von Villanova bis Rom (16.07.2015 – 08.01.2017, Antikensammlungen, München)
  • Etrusker: Antike Hochkultur im Schatten Roms (09.2017 – 18.02.2018, Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen)
  • Götter der Etrusker – Zwischen Himmel und Unterwelt (14.10.2017 – 04.02.2018, Archäologisches Museum, Frankfurt)
  • Der himmlische Ort. Die Etrusker und ihre Götter. Das Bundesheiligtum von Orvieto (16.03.2018 – 02.09.2018, Musée National d’Histoire et d’Art, Luxemburg)