Römische Sarkophage mit Darstellungen des Persephone-Mythos (Teil 2)

Zwei Sarkophage sollen als Beispiele für das auf römischen Friessarkophagen äußerst beliebte Thema des Raubs der Persephone durch Hades dienen:

Der sogenannte Proserpina-Sarkophag in Aachen entstand im 1. Viertel des 3. Jhs. n. Chr. in Rom. Er ist aus Carrara-Marmor gefertigt und 205 cm lang, 50 cm breit und 49 cm tief. Die Vorderseite zeigt im Zentrum Hades, der Persephone auf seinem Wagen entführt. Hilfe bekommt der Herrscher der Unterwelt von Athena, die hinter dem von vier Pferden gezogenen Wagen steht, dem Liebesgott Eros sowie dem Götterboten Hermes, der das Viergespann führt. Auf der linken Seite sieht man Demeter, die Hades in ihrem von Schlangen gezogenen Wagen verfolgt.

Auf der linken Schmalseite sieht man zwei junge Mädchen und einen Jungen beim Pflücken von Blumen, auf der rechten Schmalseiten dagegen einen Jungen, der Früchte trägt und zwei Schäfer.

Der Überlieferung nach wurde der Aachener Sarkophag 814 n. Chr. die die Bestattung Karls des Großen wiederverwendet. Aber spätestens seit dem Jahr 1215 war der Sarkophag leer und stand im unteren Oktogonumgang des Aachener Münsters. Napoleon I. ließ den Sarkophag Ende des 18. Jhs. nach Paris verschleppen, aber schon 1815 kehrte der Sarkophag Aachen zurück. Seit 1979 befindet er sich in der Domschatzkammer.

Auf einem Beispiel aus Wien (Antikensammlung, Inv. Nr. I 1126), vermutlich ebenfalls aus dem frühen 3. Jh., wird der Mythos in drei Szenen erzählt. Im Zentrum entführt Hades Persephone auf seinem Wagen. Dabei sträubt sich Persephone heftig. Wieder werden die Pferde von Hermes geführt und Athena steht neben dem Wagen. Der Moment, in dem Hades dem Mädchen auflauert, während es Blumen pflückt wird erst rechts der Entführungsszene dargestellt. Persephone blickt sich dabei zu Demeter um, die auf der rechten Seite mit Fackeln in den Händen auf ihrem Schlangenwagen steht.

Man geht davon aus, dass der Mythos auf Friessarkophagen als Hoffnung des Verstorbenen und seiner Familie auf ein Weiterleben im Jenseits zu verstehen ist. Auch kann der Raub als Symbol für einen plötzlichen Tod gesehen werden.