Rezension: Jeanne-Nora Andrikopoulou, Sebastian Held, Johanna Jäger, Kathrin Jascke, Gabriele Schmidhuber, Auf Achse mit den Römern. Reisen in römischer Zeit

(Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH, Mainz 2020)

Der LVR-Archäologische Park Xanten ist nicht nur ein sehenswertes Freilichtmuseum, sondern auch Forschungsstätte. Den gezeigten Bauten und Rekonstruktionen gehen oft jahrelange Forschungen voran. So auch dem Pavillon „Reisen und Verkehr“, zu dem dieses Jahr eine reich bebilderte Begleit-Publikation erschienen ist.

Nach einer kurzen Vorstellung des Pavillons sind die Autoren „den Römern auf der Spur“. Sie gehen ausführlich auf römische Straßen sowie auf das Straßennetz ein, das das Imperium Romanum für das Militär, Händler und Privatreisende erschloss: Welche Straßentypen gab es? Wie wurde eine römische Straße gebaut? Wer war für den Bau und die Instandsetzung verantwortlich? Auch Reisebeschreibungen und Karten, mit denen sich Reisende orientieren konnten, werden vorgestellt. Zu den bekanntesten Karten gehört beispielsweise die Tabula Peutingeriana, von der auch ein Nachdruck im Pavillon „Reisen und Verkehr“ zu sehen ist.

Danach begleiten wir „Menschen unterwegs“. Wer reiste in der Antike und warum? Was gehörte zum Gepäck der Reisenden? Welche Unterkunftsmöglichkeiten gab es? Welche Gefahren lauerten auf während einer Reise?

Ausführlich gehen die Autoren auch auf die Gründe für Reisen in der Antike ein. Dabei zeigt sich, dass sich diese Gründe im Laufe der Jahrhunderte kaum geändert haben. Neben dem staatlichen Nachrichtendienst gab es berufliche Reisen von Politikern und Beamten, die in der Regel alle paar Jahre ihren Einsatzort wechselten. Auch die Kaiser selbst begaben sich oft auf Reisen. Privat ging man dagegen auf Bildungsreisen oder suchte Erholung. Auch unternahm man Pilgerreisen, reiste zu Festspielen oder besuchte Verwandte.

Unter Augustus war der sogenannte „cursus publicus“ eingerichtet worden, der für Boten, Staatsbeamte und auch den Güterverkehr im öffentlichen Auftrag nicht nur ein gutausgebautes Straßennetz zur Verfügung stellte, sondern auch Herbergen (mansiones) – oft im Abstand einer Tagesreise – und Stationen, um die Pferde zu wechseln (mutationes). Auch Händler und Privatleute nutzten dieses Netz an Unterkünften, mussten aber dafür zahlen.

Ein Schwerpunkt der Publikation ist aber auch die Erforschung römischer Kutschen im Rahmen eines Projektes des Archäologischen Parks Xanten. Schriftliche Quellen zum Konstruktion römischer Kutschen haben sich leider nicht erhalten und so musste man die vorhandenen verstreuten Informationen in antiken Quellen mit Darstellungen in der Kunst und archäologischen Funden ergänzen. Das Ergebnis des interdisziplinären Projekts, zu dem auch Fahrversuche einschließlich der Messung der Belastung für den menschlichen Körper gehörten, sind die Rekonstruktionen der drei Kutschentypen, die heute im Pavillon „Reisen und Verkehr“ stehen.

Das reich bebilderte Buch gibt einerseits einen guten Überblick über das Thema „Reisen in römischer Zeit“. Vor allem der letzte Teil zur Erforschung römischer Kutschen einschließlich des Zuggeschirrs mit detaillierten Zeichnungen zur Konstruktion und interessanten Einblicken in den Reisekomfort dieser Transportmittel macht diese Publikation jedoch besonders interessant.

Auf Achse mit den Römern
Reisen in Römischer Zeit
Jeanne-Nora Andrikopoulou, Sebastian Held, Johanna Jäger, Kathrin Jaschke, Gabriele Schmidhuber

€ 15,00 (D) / € 15,50 (A)
151 Seiten, 135 Abbildungen
21,1 x 27,6 cm
Klappenbroschur
ISBN: 978-3-96176-128-9