Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim (Teil 2)

Ausgehend vom Eingang an der Maison Jean Schaub in Reinheim führt der Weg in den Kulturpark zunächst zum Keltischen Fürstengrab.

Bereits 1952 hatte man Reste des Grabhügels eines ca. 45 bis 55 Jahre alten Mannes beim Sandabbau in der Nähe des heutigen Parks entdeckt. Dieses Grab war allerdings bereits zu stark zerstört. Zwei Jahre später stieß man auf das sogenannte Fürstinnengrab, ein keltisches Hügelgrab. Dieses Grab wurde in den folgenden Jahren ausgegraben. Dabei fand man zwei weitere Grabhügel. Alle drei Grabhügel wurden im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim im Maßstab 1:1 rekonstruiert. Allerdings ist nur das sogenannte Fürstinnengrab zugänglich und gibt einen Eindruck vom ursprünglichen Aussehen der Grabkammer.

Der Begriff Fürsten- bzw. Fürstinnengrab ist irreführend. Heute verwendet man auch die Begriffe Prunkgrab oder Elitegrab für solche prunkvollen Gräber. In unserem Fall handelte es sich bei der Bestatteten möglicherweise um eine Priesterin. Allerdings haben sich keine Skelettreste gefunden, sodass nicht absolut sicher ist, dass hier eine Frau bestattet war. Nur einige Grabbeigaben – ein Spiegel und zwei Armringe – weisen darauf hin, dass es sich um eine Frau handelte. Datiert wird das Grab in die keltische Periode La Tène A Stufe 3 (ca. 370 v. Chr.) aufgrund der Motive, die einiger der Grabbeigaben (Armreif, Maskenfibeln, Torques) schmücken.

Die Rekonstruktion des Grabhügels wurde 1999 eröffnet. Man betritt das Grab durch einen Vorbau mit einem Informationsstand und wechselnden Ausstellungen. Von dort führt eine Treppe zur Grabkammer. Informationstafeln und Vitrinen mit Kopien einiger Funde stimmen auf die eigentliche Grabkammer im Zentrum des Raumes ein. Man betrachtet die Grabkammer von der beim Sandabbau bereits abgetragenen Westseite aus und sieht auch das Grabungsprofil.

Die bestattete Frau trägt einen Torques, an jedem Arm einen goldenen Armring und Fingerringe. Links neben ihrem Kopf liegen Nachbildungen einer Stangengliederkette, eines Bernsteincolliers und einer Büchse, rechts die Kopie des Spiegels. Auf einem Tisch an der Ostwand der Grabkammer sieht man die berühmte vergoldete Bronzekanne und ein Trinkgeschirr.

Das Motiv des Pferdes mit Blattkrone vom Deckel der Bronzekanne findet sich auch vor dem Eingang zur Grabkammer zwischen den drei rekonstruierten Grabhügeln. Die Originalfunde befinden sich heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken.

Literaturauswahl:

  • Peter Buwen, Das Grab der Keltenfürstin in Reinheim. (= Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde. Sonderheft 2003), Saarpfalz-Kreis, 2003.
  • Rudolf Echt, Das Fürstinnengrab von Reinheim. Studien zur Kulturgeschichte der Früh-La-Tène-Zeit. (= BLESA Band 2). Veröffentlichung des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim, 1999.
  • Walter Reinhard, Die keltische Fürstin von Reinheim. Stiftung Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, Saarpfalz-Kreis, 2004.
  • Walter Reinhard: Der Fürstensitz von Reinheim. In: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. 2500 Jahre Geschichte (= Dossiers d’Archéologie. Sonderheft Nr. 24). ÉDITIONS FATON, 2013, S. 8–15.

 

(Fortsetzung folgt …)