Römisches Weißenburg Teil 1 – das Militärlager

Um 90 n. Chr. legten die Römer in der Nähe des unter Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.) nach Norden vorgeschobenen Limes im heutigen Weißenburg ein Militärlager. Dieses in Holz-Erde-Konstruktion errichtete Lager umfasste ca. 2,8 Hektar. Mitte des 2. Jhs. n. Chr. ersetzte man es durch ein 3,1 Hektar großes Steinkastell. Hier war fast durchgängig die spanische Kavallerie-Truppe Ala I Hispanorum Auriana stationiert. Eine weitere Truppe, die Cohors IX Batavorum equitata milliaria exploratorum, war wohl in einem östlich davon gelegenen Kastell stationiert, das aber nur unter Trajan oder Hadrian besetzt war. Der antike Name Weißenburgs – Biriciana – ist durch die Tabula Peutingeriana, der mittelalterlichen Kopie einer spätantiken Straßenkarte, überliefert.

Das Kastell wurde auf einer Erhöhung errichtet, von der aus die Besatzung einen guten Überblick über die Umgebung hatte. Die Mauer des Steinkastells mit ca. 170 mal 179 Metern war fast quadratisch und hatte wie üblich abgerundete Ecken, die mit Türmen gesicherten waren. In der Mitte jeder Seite befand sich ein von Türmen flankiertes Tor. Bis auf die Nordseite hatten diese Tore zwei Durchfahrten. Je ein weiterer Turm sicherte die Mitte der Mauer zwischen Eckturm und Tor. Das Lager war außerdem von Gräben umgeben, die Angriffe erschwerten.

Im Inneren wurde die Mauer mit einem angeschütteten Wall verstärkt, an dem die umgebene Lagerstraße (via sagularis) entlangführte. Der Grundriss des Kastells folgte dem üblichen Schema römischer Militärlager: Das Haupttor, die Porta Praetoria, lag im Süden, die gegenüberliegende Porta Decumana lag in Richtung Limes. Nördlich des Kreuzungspunktes der Hauptstraßen lagen die Verwaltungsgebäude – das Stabsgebäude (Principia) mit kleinen Büros, die um einen Innenhof gruppiert sind, sowie dem Fahnenheiligtum. Östlich davon befand sich ein großer Getreidespeicher und das Praetorium, in dem der Kommandant wohnte. Außerdem fand man Reste eines Lazaretts, einiger Werkstätten und der Mannschaftsbaracken. Ein besonderer Fund waren Teile einer Panzerstatue. Diese war vermutlich im Fahnenheiligtum aufgestellt.

Mitte des 3. Jhs. n. Chr. wurde das Kastell während der Einfälle der Alamannen zerstört. Auch die nahe des Lagers entstandene Zivilsiedlung mit den mehreren Thermen fiel dieser Zerstörung zum Opfer.

 

Literaturauswahl:

  • Eveline Grönke: Das römische Alenkastell Biricianae in Weißenburg in Bayern. Die Grabungen von 1890 bis 1990. (Limesforschungen, Bd. 25). Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2318-2
  • Eveline Grönke, Edgar Weinlich: Die Nordfront des römischen Kastells Biriciana-Weissenburg: Die Ausgrabungen 1986/1987. Prähistorischen Staatssammlung München, Laßleben, Kallmünz 1991. ISBN 3-7847-5125-3.
  • Ute Jäger: Römisches Weißenburg. Kastell Biriciana, Große Thermen, Römermuseum. Keller, Treuchtlingen/Berlin 2006, ISBN 3-934145-40-X
  • Hans-Jörg Kellner: Der römische Schatzfund von Weißenburg. 3. erweiterte Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-1104-1
  • Ludwig Wamser: Biriciana – Weißenburg zur Römerzeit. 2. Aufl. Theiss, Stuttgart 1986. (Führer zu archäologischen Denkmälern in Bayern: Franken 1), ISBN 3-8062-0323-7

 

(Fortsetzung folgt …)

 

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