Portraittypen des Augustus (Teil 2)

27 v. Chr. gelingt es Octavian, seine Alleinherrschaft verfassungsrechtlich zu verankern. Er gibt seine Ausnahmegewalt offiziell an Senat und Volk von Rom zurück und erhält dafür den Ehrentitel Augustus (der Erhabene) und den Oberbefehl über das Heer.

Dieser Übergang zum sogenannten „Principat“ war Anlass für einen neuen Portraittypus, Prima-Porta-Typus, der der Haupttypus der Augustus-Portraits ist. Das namengebende Beispiel für diesen Typus ist die Panzerstatue des Augustus, die 1863 in der Villa der Livia in Prima Porta an der Via Flaminia ausgegraben wurde. Die Marmorstatue befindet sich heute in den vatikanischen Museen.

Dieser Portraittyp soll den neuen Titel repräsentieren und drückt Erhabenheit, Würde und eine gewisse Alterslosigkeit aus. Auf einem breiten, kurzen Hals sitzt ein breiter Kopf und das Gesicht wirkt fülliger als beim Actium-Typus. Die einzelnen Strähnen sind zu dicken Locken zusammengefasst und zu einem sogenannten Gabel-Zangen-Motiv geordnet. Aber auch individuelle Züge werden angedeutet: Die Wangenknochen sind leicht hervorgehobenen, die Ohren stehen etwas ab, die Nase ist leicht gebogen. und die leicht gebogene Nase verleihen dem Gesicht individuelle Züge.

Weitere Beispiele für den Prima-Porta-Typus:

Bei einem dritten Portraittyp des Augustus, dem Typus Forbes, ist die Datierung unklar und die Meinung der Forscher schwankt zwischen ca. 27 v. Chr. (z. B. U. Hausmann) und 17 v. Chr. (z. B. P. Zanker und K. Fittschen).

Kopfwendung und Gesichtsausdruck ähneln dem Prima-Porta-Typus. Allerdings wirken die Gesichtszüge individueller. Die Haare sind zur Seite gestrichen und das Gabel-Zangen­Motiv wurde aufgelöst. Das Gesicht wirkt schmäler, persönlicher. Die Aussagen des Prima-Porta­ Typus (Alterslosigkeit, Erhabenheit usw.) bleiben jedoch erhalten.

Beispiele des Typus Forbes:

 

Literaturauswahl:

  • Paul Zanker, Studien zu den Augustus -Portraits. I Der Actium-Typus, Abh Göttingen 1973; zum Actium-Typus alles; zum Prima­ Porta-Typus S. 44 – 46, Taf. 33 u. 34;
  • Ulrich Hausmann, Zur Typologie und Ideologie des Augustusportraits. in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, 1 2.2, II Principat (Hrsg. H. Temporini u. W. Haase); S. 553ff.;
  • K. Fittschen – P. Zanker, Katalog der römischen Portraits in den Capitolinischen Museen und den anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom, Bd.I : Kaiser- und Prinzenbildnisse (1985); zum Prima-Porta -Typus S. 3 – 5; zum Forbes-Typus Nr . 8, Taf. 9,10;
  • K. Vierneisel – P.Zanker (Hrsg.), Die Bildnisse des Augustus, Herrscherbild und Politik im kaiserlichen Rom. Katalog der Ausstellung in der Glyptothek München (1979); zum Prima­ Porta-Typus S. 12 – 13 und 48 – 56; zum Forbes-Typus s. 49 ff.;
  • U. Hausmann, Römerbildnisse, Württembergisches Landesmuseum Stuttgart 1975, Forbes-Typus S. 23 ff.;
  • H. Kähler, Die Augustusstatue von Primaporta, 19; zum Prima-Porta-Typus S. 21 – 23;
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