Das römische Welzheim (Teil 2)

Westkastell

Das 1895 gefundene Westkastell von Welzheim ist an seiner Südseite 236,1 m lang, an der Westseite 181 m. Die 1,4 – 2,1 m breiten Umfassungsmauern haben sich im Boden noch etwa 60-70 cm hoch erhalten. Da dieses Kastell unter der modernen Siedlung liegt, wissen wir darüber wesentlich weniger als über das Ostkastell.

Die Tore im Süden, Osten und Westen konnten allerdings teilweise freigelegt werden. Alle diese Tore hatten zwei Durchfahrten zwischen zwei Türmen. Von den Innenbauten konnte nur die Principia, das Stabsgebäude, ausgegraben werden. Die vor diesem Gebäude verlaufende „via principalis“ ist von einer Halle überdeckt. Daran schließt sich ein Innenhof an, hinter dem das Verwaltungsgebäude und das Fahnenheiligtum (sacellum) liegen.

An den Ecken des Lagers gab es rechteckige bis trapezförmige Türme. Zum Lager gehört auch ein 44 x 16 m großes Badegebäude, das ca. 100 m östlich des Lagers gefunden wurde.

Das Welzheimer Westkastell war ein Alenkastell. Die Besatzung war also eine 500 Mann starke berittene Einheit. Die gefundenen Münzen lassen vermuten, dass dieses Lager vor der Mitte des 2. Jhs. n. Chr. errichtet wurde.

 

Zivilsiedlung

Bei jedem römischen Kastell gab es auch eine Zivilsiedlung. Diese stand vermutlich unter militärischer Aufsicht. Die Welzheimer Zivilsiedlung liegt zwischen den beiden Kastellen – leider ebenfalls unter moderner Bebauung. Zwar konnten in diesem Bereich keine systematischen Grabungen durchgeführt werden, aber 1979 konnte ein Gräberfeld im Bereich der Justus-Kerner-Halle bei einer Notgrabung untersucht werden. Außerdem stößt man bei Baumaßnahmen immer wieder auf Spuren der römischen Vergangenheit Welzheims. Neben verschiedenen Münzen trat beispielsweise ein Eisendepot zutage.

 

Literaturauswahl (aus Wikipedia):

  • Dieter Planck: Welzheim. Römische Kastelle und Zivilsiedlung. In: Die Römer in Baden-Württemberg. Stuttgart, Theiss 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 364ff.
  • Sönke Lorenz, Andreas Schmauder: Welzheim. Vom Römerlager zur modernen Stadt. Markstein, Filderstadt 2002, ISBN 3-935129-05-X.
  • Dieter Planck: Untersuchungen im Westkastell von Welzheim, Rems-Murr-Kreis. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg, 1989, S. 126–127.
  • Rüdiger Krause, Alexandra Gram: Neue Ausgrabungen im Westkastell von Welzheim, Rems-Murr-Kreis. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2005. 26, 2006 ISSN 0724-8954, S. 129–134.
  • Klaus Kortüm: Das Westkastell von Welzheim – ein beinahe unbekanntes Schwergewicht am Obergermanischen Limes. In: Jahresheft des Historischen Vereins Welzheimer Wald 14, 2010, S. 5–60.
  • Marcus G. Meyer, Harald von der Osten-Woldenburg, Klaus Kortüm: Mit Bodenradar zu neuen Erkenntnissen über die Innenbebauung des Welzheimer Ostkastells. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2012, 2013, S. 170–173.
  • Harald von der Osten-Woldenburg: Elektro- und geomagnetische Prospektion des Welzheimer Ostkastells, Rems-Murr- Kreis. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1993, 1994, S. 135–140.
  • Carol van Driel-Murray, Hans-Heinz Hartmann: Das Ostkastell von Welzheim, Rems-Murr-Kreis. Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1077-2.
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