Der geschundene Marsyas

Marsyas war ein Satyr aus dem Gefolge der Göttin Kybele. Er gilt in der griechischen Mythenwelt als Beispiel für Hochmut, der von den Göttern bestraft wird.

Athena hatte die Doppelflöte erfunden, warf sie allerdings weg, als sie sah, dass das Spiel auf der Flöte ihr Gesicht entstellte. Marsyas fand die Flöte und lernte sie zu spielen. Schließlich war er der Meinung, dass er besser als Apollo spielen würde. Natürlich gewann der Gott der Musik den Wettkampf und bestrafte Marsyas für seinen Hochmut, indem er ihn an einem Baum aufhängen und ihm bei lebendigem Leib die Haut abziehen ließ.

In der hellenistischen Kunst wurde oft menschliches Leid dargestellt und auch die Bestrafung des Marsyas wurde jetzt als Thema aufgenommen. Kopien einer entsprechenden Skulpturengruppe finden wir beispielsweise in München, in Paris und in Rom.

Erhalten ist jeweils der an einem Baum aufgehängte Marsyas. Nachklänge auf Münzen und Reliefs zeigen, dass ursprünglich mindestens eine weitere Figur zu der Gruppe gehörte. Man vermutet, dass der sogenannte „Schleifer“ (Beispiel im Louvre) dazu gehörte. Unklar ist, ob auch Apollo dargestellt war. Vermutlich sollten aber vor allem die Aussicht auf die Bestrafung und das Leiden im Mittelpunkt stehen. Auch ohne die Darstellung Apollos wusste der antike Betrachter, worum es ging und konnte die Szene mit der Bestrafung der Hybris (Hochmut) durch den Gott verbinden.

 

Literatur:

  • Andreas F. Kelletat: Der ungeschundene Marsyas. In: Dietmar Albrecht u. a. (Hrsg.): Unverschmerzt. Johannes Bobrowski: Leben und Werk. München 2004, S. 171–185.
  • Luise Seemann: Marsyas und Moira. Die Schichten eines griechischen Mythos. Marburg 2006
  • Ursula Renner, Manfred Schneider (Hrsg.): Häutung. Lesarten des Marsyas-Mythos. München 2006
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