Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 4)

Am ersten eigentlichen Festtag gab es eine große Prozession, an der alle Teilnehmer der Agone (= Wettkämpfe) und auch Frauen teilnahmen. Es war eine sehr farbenfrohe Prozession: die attischen Bürger trugen weiße Kleidung, die Metöken (= dauerhaft in Athen lebende Fremde ohne Bürgerrecht) scharlachrote Kleidung und die Choregen (Bürger, die finanziell und organisatorisch für die Chöre verantwortlich waren) trugen sehr prunkvolle Gewänder. Die Prozession endete vor dem Tempel des Dionysos Eleuthereus. Nachdem man dem Gott Schlachttiere und anderes geopfert hatte, ging man ins Theater.

Am Vormittag dieses Tages wurden außerdem verdiente Bürger geehrt und die Jugendlichen in die Gesellschaft eingeführt. Nachmittags wetteiferten Dithyrambenchöre miteinander (je ein Männer- und ein Knabenchor aus jeder Phyle (= Verwaltungsbezirk Athens und seines Umlands)). Ein Dithyrambos war das eigentliche Festlied des Dionysos und bestand aus einem Wechselgesang zwischen Chor und Vorsänger. Ein Chor aus 50 Teilnehmern sang und tanzte dabei zu Flötenmusik. Möglicherweise endete der Tag mit einem Umzug zu Ehren des Dionysos (Komos).

Am zweiten Festtag standen fünf Komödien auf dem Programm und danach folgten drei Tage mit je einer Tetralogie bestehend aus 3 Tragödien und 1 Satyrspiel. Die Theaterwettkämpfe (Agone) begannen bei Tagesanbruch. Vor Beginn einer Tetralogie gab es ein Opfer und man bestimmte auch di Richter, die die Stücke bewerten sollten. Die Reihenfolge der Konkurrenten wurde bei allen Wettbewerben durch das Los bestimmt.

Die Tragödien bestanden ursprünglich aus einem Chor und einem Schauspieler, der die verschiedenen Rollen mit Hilfe von unterschiedlichen Masken verkörperte. Später waren es zwei Schauspieler und noch später drei Schauspieler. Anfangs ehrte man nur die Dichter, später auch die Schauspieler. Die Siegerlisten der Dionysien und auch der Lenäen sind uns in Inschriften überliefert.

Am Abend des fünften Festtages gingen die Dionysien mit der Verkündung der Sieger im tragischen Wettkampf formal zu Ende, es fand jedoch noch eine abschließende Volksversammlung statt.

Die Entwicklung des Theaters – Tragödien, Komödien usw. sowie auch die Theaterbauten – hat ihren Ursprung in den Festen zu Ehren des Dionysos. Und die meisten im 5. Jh. v. Chr. entstandenen Dramen hatten ihre Uraufführung bei den städtischen Dionysien.

 

 

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