Die Gemma Augustea (Teil 2)

In der unteren Bildzone der Gemma Augustea sind unterworfene Barbaren – Männer und Frauen – dargestellt. Die Männer sind bärtig und tragen Hosen sowie den typischen Halsring der Kelten (Torques), der aber auch bei anderen Völkern verbreitet war. Römische Soldaten richten ein Tropaion auf. Dieses Siegeszeichen bestand aus einem hölzernen Gestell, an dem Helm, Schild, Schwert oder Lanze sowie die Rüstung und / oder Kleidung der Unterlegenen aufgehängt wurden. Das ganze Gestell hatte ein menschenähnliches Aussehen. Es bezeichnete ursprünglich im Krieg die Stelle, an der die Feinde die Flucht ergriffen hatten. Später diente ein solches Tropaion in der Kunst als allgemeines Symbol für den Sieg.

De Darstellung auf der Gemma Augustea bezieht sich vermutlich auf den Sieg des Tiberius gegen die Pannonier. Allerdings handelt es sich beim aufgehängten Schild nicht um einen Schild der dargestellten Barbaren, sondern um eine Pelta, den Schild der mythischen Amazonen. Damit wird die ganze Szene auf eine mythische, allegorische Ebene gehoben und weist ganz allgemein auf die Sieghaftigkeit des Tiberius und der Römer allgemein.

Die Hinweise auf seinen Sieg gegen die Pannonier durch Viktoria und die Szene in der unteren Bildzone, weist darauf hin, dass Tiberius die Hauptfigur der Gemma Augustea ist. So wird auf der Pelta auch sein Geburtszeichen „Skorpion“ dargestellt. Tiberius wird als legitimer Nachfolger des Augustus vorgestellt – auch er hält wie Augustus ein Szepter – und die Biga (= Zweigespann) weist darauf in, dass Tiberius seinen Triumphzug angesichts der Niederlage des Varus 9 n. Chr. verschob.

Es geht aber auch um die Überhöhung seines Vorgängers und Adoptivvaters Augustus, dessen Geburtszeichen Capricornus (=Steinbock) über zwischen Roma und Augustus dargestellt ist. Er teilt sich den Thron mit Roma und seine Darstellung ist an Jupiter angelehnt. Auch der Adler unter dem Thron weist auf Jupiter.

Die Gemma Augustea wurde vermutlich kurz nach der Rückkehr des Tiberius aus Pannonien in Auftrag gegeben. Wer sie herstellte und für wen sie bestimmt war, ist bisher jedoch nicht eindeutig geklärt.

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