Stadtplanung in Athen im 6. Jh. v. Chr. (Teil 4)

Die Stoa Basileios, der Amtssitz des Archon Basileios, wurde Mitte des 6. Jhs . v. Chr. auf die Agora verlegt und befand sich seit dieser Zeit in einem kleinen Gebäude neben der Stoa des Zeus. Es handelt sich um eine dorische Säulenhalle mit geschlossener Rückwand und 8 Säulen zwischen seitlichen Anten an der Vorderseite. Die Vorbauten stammen frühestens aus dem 4. Jh. v. Chr. Die Identifizierung wurde ermöglicht durch die Angabe bei Pausanias I 3,1, der die Stoa Basileios gleich am Eingang der Agora zur Rechten lokalisiert, sowie durch Inschriften, die den Archon Basileios betreffen. Aufgabe des Archon Basileios war die Verwaltung der Staatskulte und die Leitung von Prozessen gegen Gottlosigkeit. In der Stoa Basileios wurden wichtige Gesetze aufgestellt und an einem Stein vor der Stoa wurde bei öffentlichen Zeremonien der Eid abgelegt. Auch die Beamten legten hier ihren Amtseid ab.

Im 3. Viertel des 6. Jhs. wurde ein 32,40 x 28,30 m großer Bezirk im Süden der Agora mit einer Mauer umgeben, dessen Deutung unklar ist. Ein großer offener, ummauerter Platz weist normalerweise auf einen sakralen Bereich. Man fand aber weder Spuren eines Altars oder eines Schreins noch Votivgaben. Eine weitere Möglichkeit für einen offenen Bezirk bilden Gerichtshöfe und so schlug man aufgrund von Größe, Datierung und Lage auf der Agora die Identifizierung als Heliaia vor, der von Solon eingeführten Volksgerichtshof und mit mehr als 1500 Geschworenen größten Gerichtshof des archaischen Athen. Dies bleibt jedoch hypothetisch.

Unter dem Tempel des Apollon Patroos (4. Jh.) fand man aus der Mitte des 6. Jhs v. Chr. eine Mauer in Apsisform und eine Basis, die wohl eine Kultstatue trug. Daneben befand sich eine Grube, um eine Bronzestatue (Kouros) zu gießen. Vermutlich befand sich hier ein älterer Tempel des Apollo Patroos. Apollo hatte gleichzeitig den Beinamen Phratrios (von Phratie = Verband von mehreren Familiengruppen).

Unter der Stoa des Zeus Eleutherios fanden sich ebenfalls ältere Reste, die nach Boersma aus dem 3. Viertel des 6. Jhs. v. Chr. stammen und auf ein offenes Heiligtum weisen. Vermutlich wurde hier auch Zeus verehrt, vielleicht als Zeus Agoraios. Ein Altar vor der Zeus-Stoa stammt vermutlich aus peisitratidischer Zeit.

Im Südosten der Agora fand man Reste eines Brunnenhauses in Form eines langgestreckten Rechtecks und besteht aus einem Mittelraum und zwei daran angrenzenden Wasserbassins, die vom Mittelraum durch Schranken abgegrenzt sind. Dieses Brunnenhaus ist Teil des großen Wasserleitungssystems, das ins frühe letzte Viertel des 6. Jhs. v. Chr. datiert wird.

Thukydides VI 54,6 f. überliefert, dass Peisistratos der Jüngere während seines Archontats 522/21 v. Chr. einen Altar für die zwölf Götter stiftete. Reste dieses Altars fand man im Nordteil der Agora unter der U-Bahn nach Piräus. Der Altar diente zum einen nach Herodot II 7 als Meilenstein, von dem aus alle Entfernungen gemessen wurden, zum anderen als Asylstätte.

 

(Fortsetzung folgt …)

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