Titusbogen in Rom (Teil 1)

Gerade wurden Reste eines zweiten Ehrenbogens für den römischen Kaiser Titus im Circus Maximus in Rom gefunden, der vermutlich für den Sieg des Titus über die Juden errichtet wurde.

Aus diesem Anlass sei hier und in den folgenden Artikeln der bekannte Titusbogen auf dem Forum Romanum beschrieben.

Dieser Bogen befindet sich auf der Höhe der Velia, einem Hügelrücken, der den Palatin mit dem Esquilin verbindet. Nach Osten fällt das Gelände zum Kolosseum und nach Westen zum Forum Romanum ab. In augusteischer Zeit traf der Clivus Palatinus in der Nähe des Titusbogens auf die vom Forum kommende Via Sacra.

Aus der Antike kennen wir kaum Dokumente, die wir auf den Titusbogen beziehen können. Eines dieser Dokumente könnte eine Beischrift auf einem Relief am Haterier-Grabmal aus der Zeit Trajans (98-117) sein, die einen dargestellten Bogen mit „in sacra via summa“ kennzeichnet. Im Mittelalter diente der Titusbogen als Tor zur Festung Frangipani und 1821 wurde er unter Papst Pius VII restauriert.

Literatur:

H. Kähler, RE Bd. VII, A 1 (1939), „Triumphbogen“
F. Coarelli, Rom. Ein archäologischer Führer (1975), S. 96 f.
E. Künzl, Der römische Triumph (1988)
H. Knell, Bauprogramme römischer Kaiser (2004)
M. Pfanner, Der Titusbogen (1983)
G. Kleiner, Der Triumph des Titus, in: Festschrift M. Wegner (1962), S. 42-43
F. J. Hassel, Der Trajansbogen in Benevent (1966), S. 23-30
A. Wlosok (Hrsg.), Römischer Kaiserkult (1978)
E. Bickermann, Die römische Kaiserapotheose, Archiv f.Religionswissenschaft 27,  1929, S. 1-35
U. Geyer, Der Adlerflug im römischen Konsekrationszeremoniell (Diss. 1967)

Bestandteile und Aufbau

Der Bogen weist in den Maßen beträchtliche Schwankungen auf. Er ist ungefähr 13,50 m breit, 15,40 m hoch und 4,75 m tief (erhaltene Höhe 49 Fuß = 14,47 m). Der Durchgang ist ca. 5,50 m breit.

Der Titusbogen ist horizontal in Sockel, in Säulenordnung mit Gebälk und Attika und vertikal in die beiden Pylonen und in den Mittelteil mit Durchgang und vorspringendem Gebälk- und Inschriftteil der Attika eingeteilt.

Der Durchgang ist ganz mit Reliefs und Ornamentik überzogen. Weitere Reliefs befinden sich in den Archivoltzwickeln und den Schlusssteinen sowie über dem Architrav. Die Attika trägt Inschriften. Die Außenseiten der Pylonen waren ungeschmückt, ob die Attikaflächen neben der Inschrift Reliefs besaßen, bleibt unsicher.

Die Inschrifttafel ist nur an der Ostseite original erhalten. Aus dem Vergleich mit anderen Bogenmonumenten ergibt sich jedoch, dass an der Forumsseite wahrscheinlich die gleiche Inschrift saß. Heute befindet sich hier eine Inschrift, die bei der Restaurierung Anfang des 19. Jh. angebracht wurde.

Die Inschrift an der Ostseite lautet:

SENATUS
POPULUSQUE ROMANUS
DIVO TITO DIVI VESPASIANI F
VESPASIANO AUGUSTO

„Der Senat und das Volk von Rom für den vergöttlichten Titus, Sohn des vergöttlichten Vespasian, den Vespasian Augustus“

Diese typische Inschriftsformel – Weihung an den divus ohne Angabe der Ämtertitulatur und des Grundes – kommt ausschließlich bei Monumenten vor, die einem divus gelten. Der Anlass der Errichtung ist daher nicht, wie aufgrund des Reliefschmucks teilweise angenommen, der jüdische Triumph, sondern die Divinisierung des Kaisers.

 

(Forsetzung folgt …)

 

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