Das Erechtheion auf der Akropolis von Athen (Teil 8)

Zur Funktion des Tempels (Fortsetzung)

Die Verbindung von Kekrops zu Erechtheus lässt vermu­ten, dass beide das gleiche Schicksal erlitten und dass auch Kekrops dort begra­ben wurde, wo er starb. Ursprünglich war Kekrops, nach Elderkin, die Schlange, die das Was­serbecken an der südwestlichen Ecke des späteren Erechtheions bewachte. Möglicherweise wurde Kekrops durch den Dreizack des Neuankömmlings Posei­don getötet. Später wurde Kekrops in der Überlieferung zu einem Wesen mit menschlichem Oberkörper und Schlangenfüßen.

Poseidon war der erste, der nach Athen kam, und mit seinem Dreizack ein Meer hervorbrachte. Schon immer war an der heuti­gen Südwestecke des Erechtheions Wasser durchgesickert, ebenso wie es wahrscheinlich schon vor der Ankunft von Zeus und Athena einen Ölbaum oder Ölbäume auf der Akropo­lis gegeben hatte. Poseidon und Athena vereinnahmten allerdings später das Meer und den Öl­baum als ihre Schöpfung.

Der Sage nach stritten Athena und Poseidon um die Schutzherrschaft über Attika und Kekrops I., der König Attikas, entschied dass beide Götter den Menschen Attikas ein Geschenk machen sollten. Derjenige, der das bessere Geschenk gebe, sollte die Herrschaft erlangen. Der Wettbewerb wurde auf dem Felsen ausgetragen, auf dem später die Akropolis entstehen sollte. Poseidon stieß seinen Dreizack in den Fels und ließ eine Quelle sprudeln (nach anderen Quellen einen Salzwasserquell), Athena pflanzte den ersten Olivenbaum. Kekrops entschied sich für das Geschenk Athenas, und die Hauptstadt von Attika wurde Athen genannt. Aus Wut verdammte Poseidon Kekrops, nie wieder Land berühren zu dürfen. Athena jedoch gab ihm Unsterblichkeit und somit die Hoffnung, irgendwann von seinem Schiff der Verdammnis herunter zu kommen.

In die gleiche Zeit wie die Niederlage des Poseidon gegen Athena fällt nach Elderkin wahrscheinlich auch die Ersetzung des Poseidon durch Erechtheus. Eine der Konsequenzen war ein neuer Namen für das sog. „Meer des Poseidon“, das nun Erechtheis hieß. Der neue Name ersetzte den alten aber nicht ganz und auch der Altar des Poseidon wurde nicht ausschließlich der des Erechtheus, aber in den offiziellen Quellen wurde Poseidon igno­riert. Das „Meer“ erhielt später die Gestalt ei­nes normalen Brunnens.

 

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