Das Theater von Priene (Teil 4)

Der Umgang der Orchestra besteht aus unregelmäßigen Marmorplatten und diente gleichzeitig als Wasserabfluß. Der Umgang hat zur Orchestra hin ein leichtes Gefälle und an seinem inneren Rand befindet sich eine flache Rinne, die an den Enden des Umgangs von Platten überdeckt wird. Dort geht sie auch in breitere Kanäle über, die dann unter dem Proskenion hindurch zum Rand des Skenengebäudes liefen. Auf der östlichen Brückenplatte steht noch heute die Rundbasis einer Bronzefigur, deren Standspuren auf eine etwa lebensgroße Figur mit ausgreifenden Schritt hinweisen. Am westlichen Ende des Umgangs befindet sich der rechteckige Sockel einer Wasseruhr.

Der Umgang wird von der knapp 30 cm hohen Schwelle des Zuschauerraums begrenzt. Auf der Oberfläche der Stufe ist durch eine Ritzlinie der Grundkreis der Konstruktion angegeben, der von der Vorderwand des Skenengebäudes tangiert wird. Auf der Linie ist auch die Bauachse des Zuschauerraums durch einen kurzen Querstrich markiert.

Vom Zuschauerraum selbst wurden nur etwa acht bis neun Sitzreihen freigelegt, da der obere Teil jetzt größtenteils zerstört ist. Der Zuschauerraum wird durch sechs Treppen in fünf etwa gleichbreite Keile geteilt. Die Treppen sind zum großen Teil erhalten und beginnen, abgesehen von kleinen Ungenauigkeiten, am Grundkreis. Auf eine Sitzreihe kommen dabei zwei Stufen. Die äußeren Treppen liegen parallel zu den sogenannten Parodosmauern und versuchen durch Verengung bzw. Erweiterung deren Abweichungen auszugleichen.

Die Sitzbänke des Zuschauerraums sind aus Platten und Quadern zusammengesetzt und haben eine Sitzhöhe von 39 bis 40 cm. Von den Sitzplatten sind nur noch vier Stück erhalten. In den drei westlichen Keilen tritt teilweise der gewachsene Fels hervor, der hier für die Aufnahme der Sitzstufen abgearbeitet war. Sonst brauchte man Hinterfüllungen aus Erde und Steinbrocken.

In der Höhe der fünften Sitzreihe befindet sich in der Mitte des Theaters eine 3,7 m lange einheitliche Bank aus fünf ungleich langen Werkstücken als Prohedriebank, die sich von der normalen Bankform durch die obere Platte unterscheidet. Die Sitzhöhe beträgt 39 cm und die Lehne bestand aus vier Platten, von denen zwei heute in der östlichen Parodos stehen. Sie sind höher und steiler als die Lehnen der unteren Prohedrie.

Der untere Rang wird durch eine Brüstung nach oben hin abgeschlossen. Dahinter befand sich ein Diazoma, ein Rundgang, der die Sitzreihen in Ränge unterteilte. Der Zuschauerraum weist außerdem im unteren Teil ein System von tiefen rechteckigen Löchern aus, die in konzentrischen Bahnen von 3 m Breite angeordnet sind. Möglicherweise dienten diese Löcher für die Stützen eines Zeltdaches.

Die Sitzreihen sind durch dicke Stützmauern, die sogenannten Parodosmauern, abgeschlossen. Sie enden jeweils zur Orchestra hin in einem kräftigen Pfeiler, auf dem später Statuen aufgestellt wurden. Die ca. 20 m lange Parodosmauer selbst besteht aus Quadern und an der Stelle, an der später der Pfeiler des Parodostores aufgestellt wurde, ist das Profil der Deckplatte grob weggeschlagen.

Ost- und Westumfassungsmauern des Zuschauerraums konvergieren nach Norden hin. Sie sind 2 m dick und bestehen aus sechs Quaderschichten. Etwa in der Mitte der Ostwand wurden die Reste eines Treppenzugangs zum Sitzraum gefunden. Die Treppe ist 1,57 m breit und verschiebt den nördlichen Teil der Ostmauer ebenso weit nach innen. Vier Stufen der 1,57 m breiten Treppe sind noch erhalten. Die Treppe führt zu einem ungefähr radial auf die zweite Treppe von Osten gerichteten Zugang, der sich nach innen verengt. Im Westen sind die Mauerteile ebenfalls versetzt.

Oberhalb des Theaters liegt die Stützmauer eines hellenistischen Bauwerks. Westlich schließt daran eine weitere Mauer an. Die Stützmauer springt in den Zuschauerraum vor. In späterer Zeit scheint eine Längsstraße durch den Zuschauerraum geführt worden zu sein, da man Reste einer späten Mörtelschicht und einen kleinen Wasserkanal fand.

 

(Fortsetzung folgt …)

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