Reisetipp: Archäologischer Park Egnazia in Süditalien (Teil 1)

Parco archeologico di Egnazia
Adresse: via degli Scavi, 84 – 72010 Savelletri Di Fasano
Provinz: Brindisi
Website: http://www.egnaziaonline.it/index_file/Page413.htm (hier kann man auch einen Flyer in englischer Sprache runterladen)

Egnazia liegt an der Adriaküste auf halbem Weg zwischen Bari und Brindisi an einem flachen Küstenstück, das leicht vom Meer überflutet werden kann. Wind und Wellen schufen entlang der Küste viele kleine Buchten, doch abgesehen vom Hafen von Brindisi gibt es kaum Buchten, die sich für große Häfen eignen. Zu dieser Erosion durch Wind und Wellen kam eine Hebung des Meeresspiegels und/oder eine Senkung der Küste. Dadurch veränderte sich die Küstenlinie im Lauf der Zeit immer wieder. Man fand heraus, dass der Meeresspiegel vom 7. Jh. v. Chr. bis heute um insgesamt 4,66 m angestiegen ist, so dass einige Reste der antiken Stadt heute vom Meer überflutet sind. Aber auch der Mensch trug zur Zerstörung der Landschaft bei, da das Tuffgestein der Küste als Baumaterial verwendet wurde.

Die archäologischen Funde entlang dieser Küste belegen für die antike Bevölkerung direkte Handelsverbindungen sowohl mit der griechischen und westgriechischen Welt und mit der einheimischen Bevölkerung des Hinterlands als auch mit der illyrischen Bevölkerung an der gegenüberliegenden Küste.

Die freigelegten Bereiche des antiken Egnazia wurden als Freilichtmuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Den Kern der Siedlung bildet ein etwas erhöhtes Felsplateau, heute Akropolis genannt, das von zwei Buchten gerahmt wird. Hier ließen sich bereits in prähistorischer Zeit die ersten Menschen nieder, wobei die beiden Buchten als Ankerplätze dienten. Die auf der Akropolis gefundenen Siedlungsspuren belegen eine Besiedlung vom 13.-12. Jh. v. Chr. bis ins Mittelalter hinein. Die lateinischen Schriftquellen nennen die Stadt meist Egnatia, die griechischen Autoren dagegen eher Gnathia.
Das Straßennetz

Egnazia war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Sein Hafen lag an einem wichtigen Punkt der Mittelmeer-Seefahrt und war durch ein ausgedehntes Straßennetz mit fast allen wichtigen einheimischen und griechischen Orten Apuliens verbunden.

Die wichtigste dieser Straßen wurde in der Kaiserzeit zur Via Traiana oder Via Appia Traiana ausgebaut. Sie führte von Brindisi nach Benevent über Egnazia, Norba, Celia, Bitonto, Ruvo, Canosa und Herdonia. Diese Straße führte dabei über Stationen, die schon in prähistorischer Zeit oder von den späteren einheimischen Kulturen benutzt worden waren. Sie führt quer durch Egnazia und die Geschichte der Stadt war eng mit ihr den Jahrhunderten in Gebrauch blieb, als das römische Reich bereits zusammengebrochen war und die Städte allmählich verfielen.

Eine weitere wichtige Straße führte zum Beispiel an der Küste entlang nach Bari und von dort aus nach Butuntum, wo sie sich mit der Via Traiana vereinigte. Diese Straße hatte v.a. in der frühen Kaiserzeit eine große Bedeutung.

Hier der Verlauf einiger anderer Straßen, die sich in Egnazia trafen:

  • Egnazia – Ceglie Messapico – Oria
  • Egnazia – Monte Sannace – Altamura – Silvium – Serra di Vaglio
  • Egnazia – Fasano – Locorotondo – Martina Franca – Masseria Orimini – Masseria S. Teresa – Tarent

 

Forschungsgeschichte (kurzer Überblick)

Spätestens im 8. Jh. n. Chr. war die Stadt endgültig aufgegeben worden und zerfiel allmählich. Die Ruinen dienten als Steinbrüche oder versorgten die Kalköfen. Manche wurden auch umgebaut und als Hütten wieder verwendet. Im 14. Jh. n. Chr. wurde Egnazia in einigen Seekarten erwähnt (damaliger Name Ananzo) und seit dem 16. Jh. ist Egnazia unter verschiedenen Namen mit einem Turm auf der sog. Akropolis verzeichnet. seit dieser Zeit wurden auch immer wieder antike Ruinen in Egnazia durch Reisende, Chronisten und Historiker erwähnt.

Das 19. Jh. n. Chr. ist vor allem gekennzeichnet durch Raubgrabungen und erst 1912-13, begannen die ersten offiziellen Grabungen der Soprintendenza alle Antichità della Puglia, zunächst allerdings noch ohne wissenschaftliche Planung. Auch wurde leider fast nichts veröffentlicht. 1963 markiert den Beginn systematischer Grabungen und Forschungen.

Neben der traditionellen archäologischen Forschung wurden später zunehmend auch moderne technische und naturwissenschaftliche Methoden und Hilfsmittel verwendet. Einer der Forschungsschwerpunkte war beispielsweise die Erstellung eines archäologischen Plans des Gebiets von Egnazia.

 

(Fortsetzung folgt …)

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