Spätrömischer Kaiserpalast in Konz an der Mosel

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Wenig bekannt sind die Reste des römischen Kaiserpalasts, den man in Konz, dem antiken Contionacum, gefunden hat. Die Anlage liegt heute etwas versteckt am Zugang zum Friedhof neben der Kirche St. Nikolaus. Die offizielle Adresse ist Martinstr. 22, 54329 Konz, aber der eigentliche Zugang befindet sich in der Gartenstraße, wo man einen kleinen Parkplatz findet, auf dem auch eine erste Informationstafel über den Palast informiert. Leider fehlt ein Schild an der Einfahrt des Parkplatzes.

Der römische Dichter Ausonius erwähnt den Palast im 4. Jh. n. Chr. in seiner Mosella – einem Loblied auf die Mosel – und noch im 17. Jh. konnte man Teile der Anlage sehen. Die Badeanlage kam als erster Teil des Palasts schon 1867 wieder ans Licht. Weitere Reste fand man, als 1959 die neue Pfarrkirche St. Nikolaus gebaut wurde. Es gab damals auch Ausgrabungen, bei denen 30 Räume und ein Apsidensaal zutage traten sowie einige herausragende Funde wie ein Diatretglas, ein Goldschatz, Wandmalereien und Marmor. Leider wurde der größte Teil des Palasts im weiteren Verlauf der Bauarbeiten jedoch zerstört. 2004 beschloss man, die noch vorhandenen Reste zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Herbst 2007 waren die Arbeiten abgeschlossen.

Der Palast liegt an einem Hang oberhalb der Saar. Der Grundriss entspricht einer Portikusvilla mit Eckrisaliten: an der Front des 84 × 28 m großen Gebäudes befand sich eine Portikus, also eine Säulenhalle, die an ihren Enden vorspringende Räume hatte. Dahinter lagen mehrere kleinere Räume, aber auch ein großer Saal mit Apsis, wohl der Empfangssaal. Die übrigen Räume des Palasts waren um einen Hof angeordnet. Auch gab es eine große Badeanlage. Da man unter zahlreichen Räumen Hypokaustanlagen zur Beheizung fand, wurde der Palast wohl ganzjährig bewohnt.

Die noch vorhandenen Reste beschränken sich auf den Westteil des Kaltbades (Frigidarium), einige Reste der Stützmauer des Mittelsaales sowie Teile der Portikus. Unter der Kirche hat sich außerdem die Feuerungsstelle der Heizungsanlage des Empfangssaales erhalten. Damit man sich eine Vorstellung von den Räumen der des Palasts machen kann, wurden die Mauern der ergrabenen Räume mit Pflastersteinen sichtbar gemacht. Eine Stahlstruktur ahmt zwei der Fenster der Säulenhalle nach und veranschaulicht so die Höhe der Portikus. Den Grundriss und weitere Informationen über die Villa zeigen fünf Informationstafeln.

Der Palast wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 4. Jhs. n. Chr. errichtet und unter anderem von Kaiser Valentinian I. (364-375) genutzt. Die Villa diente dabei nicht nur der Erholung. Auch Staatsgeschäfte wurden hier erledigt. So haben sich auch einige Gesetze erhalten, die Valentinian hier in Contionacum unterzeichnet hat.

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