Imperium der Götter: zur aktuellen Ausstellung in Karlsruhe (Teil 1)

Noch bis zum 18. Mai 2014 sind Mithras, Isis und andere Götter des römischen Reichs zu Gast in Karlsruhe (http://www.landesmuseum.de/website/Deutsch/Sonderausstellungen/Aktuell/Imperium_der_Goetter.htm). Die großartige Ausstellung bietet einen umfangreichen Überblick über die römische Götterwelt im 3. Jh. n. Chr. Siehe auch die Website des Museums. Ein ausführlicher Begleitband beleuchtet die Religionen des römischen Weltreichs und viele Einzelaspekte der Götterverehrung intensiver.

Zunächst wird die römische Staatsreligion vorgestellt. „Religio“ ist zunächst die religiöse Verpflichtung, d.h. die Pflicht des Staates und des Einzelnen, die Götter zu achten und ihnen nach fest vorgeschriebenen Regeln Opfer zu bringen. Die offiziellen Rituale gegenüber den Hauptgöttern Jupiter Optimus Maximus, Juno und Minerva und später die Verehrung des Kaisers waren zwar notwendig, damit es dem römischen Staat als Ganzes gut ging. Der Einzelne wandte sich jedoch an persönlichere Götter. Als bäuerliches Volk verehrten die Römer viele Gottheiten, die mit Landwirtschaft zu tun hatten, und in jedem römischen Haus sorgten Laren und Penaten für das Wohlergehen der Familie.

Im Kontakt mit Etruskern, Griechen und anderen Völkern füllte sich der römische Götterhimmel im Laufe der Zeit. Fremde Götter wurden nicht unterdrückt, sondern in den römischen Pantheon aufgenommen. Götter mit ähnlichen Aufgaben wurden den vorhandenen Göttern gleichgesetzt und andere Götter wurden einfach neu aufgenommen. So konnte jeder Bewohner des römischen Imperiums „seinen“ Gott anbeten – solange er seine Pflichten gegenüber den Staatsgöttern und dem Kaiser nachkam.

Vor allem Götter aus dem Osten des Reichs sprachen die Römer offenbar an. Sie versprachen ihren Anhängern ein besseres Leben nach dem Tod. Diese Götter bilden den Schwerpunkt der Karlsruher Ausstellung.

Sogenannte Mysterienkulte gab es schon in Griechenland. Demeter und Dionysos verlangten eine besondere Einweihung in ihren Kult und die Eingeweihten mussten gegenüber Außenstehenden absolutes Stillschweigen über Riten und Kult bewahren. Die erste orientalische Gottheit, die Einzug in Rom hielt, war Magna Mater, die große Mutter, die vermutlich aus Phrygien stammt. Zur Zeit des zweiten Punischen Krieges (218–201 v. Chr.) holten die Römer das Kultbild der Göttin (in Gestalt eines Meteoriten) aufgrund der Weissagungen der Sybillinischen Bücher nach Rom. Man schuf eine silberne Statue, in die der Meteorit eingearbeitet wurde und stellte sie zunächst im Tempel der Victoria auf. Der Sieg über die Karthager wurde Magna Mater zugeschrieben und man baute ihr einen eigenen Tempel. Man hielt ihr zu Ehren jedes Jahr Spiele ab (die ludi Megalenses vom 4. bis 11. April) und der römische Staat brachte ihr ein jährliches Opfer dar. Zusammen mit Magna Mater / Kybele wurde ihr Geliebter Attis verehrt. Es gint verschiedene Überlieferungen. Dem Mythos zufolge gingen beide aus Agdistis hervor, der wegen seines furchterregenden Wesens von den Göttern kastriert wurde. Als Attis später heiraten will, rast Kybele vor Eifersucht und lässt die Hochzeitsgesellschaft wahnsinnig werden. Attis entmannt sich in diesem Anfall von Wahnsinn und verblutet. Einige Mythen erzählen, das Kybele Attis jedoch wieder zum Leben erweckt. Es scheint, dass in dieser Überwindung des Todes der Urspung eines Mysterienkults lag, der seinen Anhängern Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod versprach.

 

(Fortsetzung folgt …)

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