Geometrische Vasenmalerei: kurze Übersicht über die Entwicklung (Teil 3)

3. Der mittelgeometrische Stil (ca. 850-760):

Mittelgeometrisch I (850 – 800 v. Chr.)

Die Halshenkelamphoren sind mit einer Höhe von 40-60 cm kleiner als die monumentalen frühgeometrischen. Der Körper hat einen höheren Schwerpunkt und der Hals ist noch höher und ausladender. Auch bei der Schulterhenkelamphora wird der Hals höher.

Allmählich breitet sich die Dekoration immer weiter aus. Ein neu hinzukommendes schmales Motiv ist z.B. das Stundenglasmotiv zwischen Gruppen vertikaler Linien. Dieses Muster erscheint am häufigsten um Lippe und Bauch der Halshenkelamphora sowie um Hals und Bauch von Schulterhenkelamphoren. Wenn, wie häufig der Fall, drei schmale Zonen um den Bauch laufen, befindet sich dieses Motiv in der Mitte. Von breiten Motiven werden oft nur der schraffierte Mäander und die mehrfache Zickzacklinie verwendet. Oft ist die Schraffierung mit verdünntem Firnis aufgetragen, sodass die Umrisse stärker hervortreten. Die sog. Fenster nehmen jetzt, v.a. auf größeren Gefäßen mehr Raum ein als in der frühgeometrischen Phase. Ihre Ausdehnung wird am ehesten am Hals von Halshenkelamphoren deutlich. Die Fenster nehmen jetzt den ganzen Freiraum zwischen den Henkeln ein. Auf den Hälsen geschlossener Gefäße sind die Halsfenster horizontal gegliedert. Auf Halshenkelamphoren befindet sich eine Reihe von Dreiecken über und unter dem Hauptmotiv.

Beispiele:
http://arachne.uni-koeln.de/arachne/index.php?view[layout]=objekt_item&search[constraints][objekt][searchSeriennummer]=200704

Mittelgeometrisch II (800 – 760 v. Chr.)

Der Körper von Halshenkelamphoren folgt der allgemeinen Tendenz zu schmaleren Proportionen, nur kleinere Gefäße bilden hier Ausnahmen.

Der Mäander wird jetzt nicht mehr so sorgfältig gemalt und die Schraffierung ist häufig steiler. Das Stundenglasmotiv ist immer noch auf allen Amphoren üblich, erscheint aber jetzt auf dem Bauch von Halshenkelamphoren meist allein statt als mittlere von 3 Zonen. Manchmal wird das Motiv auch weggelassen und der schwarze Überzug nur von vielen dreifachen ausgesparten Streifen unterbrochen. Die Fensterzone zwischen den Henkeln ist noch größer geworden. Immer noch ist ein breites Motiv in der Mitte, aber die schmaleren, rahmenden Motive sind jetzt über den Henkeln umlaufend.

Figürliche Malerei mit Menschen und Tieren kommt jetzt etwas häufiger vor, die Figuren haben aber noch keinen festen Platz. Insgesamt wird das Interesse an der Natur größer. Füllornamente kommen kaum vor.

Beispiele:
http://arachne.uni-koeln.de/arachne/index.php?view[layout]=objekt_item&search[constraints][objekt][searchSeriennummer]=195615
http://arachne.uni-koeln.de/arachne/index.php?view[layout]=objekt_item&search[constraints][objekt][searchSeriennummer]=149307

Literatur:

J. N. Coldstream, Greek Geometric Pottery (1968)
P. Kahane, Die Entwicklungsphasen der attisch-geometrischen Keramik, in: AJA 44, 1940, S. 464 ff.
K. Kübler, Kerameikos. Ergebnisse der Ausgrabungen Bd. V (1954)
E. Simon, Die griechischen Vasen (1981)
R. L. Murray, The Protogeometric Style: the first Greek style (1975)
H. Eiteljorg, „The fast wheel, the multiple brush compass and Athens as home of the Protogeometric style“ American Journal of Archaeology (AJA) 84 (1980) pp. 445–452

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