Kolloquium „Welten im Umbruch – Archäologische Perspektiven“ (20.08.13) Teil 1

Am 20.07.2013 veranstaltete der 2008 gegründete Verbund archäologischer Institutionen Köln und Bonn VarI in Bonn ein Kolloquium zum Thema „Welten im Umbruch – Archäologische Perspektiven“.  12 Wissenschaftler deckten mit Ihren Vorträgen ein breites Spektrum an Themen ab: von neolithischen und bronzezeitlichen Siedlungen im Karpathenbecken über die Römer bis zu mittelalterlich islamischen Siedlungen und dem Untergang der Maya – von geoarchäologischen Forschungen und Krisenforschung. Es war für jeden etwas dabei.

Den Anfang machte Andreas Zimmermann von der Universität zu Köln, Institut für Ur- und Frühgeschichte. Ausgehend von Vere Gordon Childes „Stufen der Kultur“ gab Andreas Zimmermann einen Überblick über „Großen und Kleine Umbrüche“ in der Entwicklung der menschlichen Kulturen. Dabei geht er davon aus, dass diese Umbrüche vor allem auf neuen landwirtschaftlichen Techniken basierten:
Die Neolithische Revolution führte der Anbau der noch heute wichtigen Getreidesorten Weizen, Mais oder Reis zur Sesshaftwerdung und veränderte so den Lauf der Welt. Die Städtische Revolution führte zu Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land, und während der Industriellen Revolution entstand der erste Dünger.
Die Gründe für diese Umbrüche lagen teils in der Umwelt, teils in den Beziehungen zu Nachbarn, teils in kulturellen Änderungen.

Tobias Kienlin zeigte in seinem Vortrag „Welten im Umbruch? Vergleichende Betrachtungen am Beispiel neolithischer und bronzezeitlicher Tellsiedlungen des Karpatenbeckens“, dass die Unterschiede zwischen neolithischen und bronzezeitlichen Siedlungen offenbar nicht so groß sind, wie von der Wissenschaft oft angenommen. So ist die Annahme von Stammesgesellschaften für die neolithische Zeit und proto-urbanen Siedlungen mit einer zentralen Entscheidungsgewalt zumindest im Karpatenbecken nicht nachzuvollziehen. Alle Tellsiedlungen scheinen auf einer ähnlichen Kulturstufe zu stehen.

Nikolai Grube entführte uns mit „Das Ende einer Welt – der Zusammenbruch der Klassischen Maya-Kultur“ nach Mittelamerika. Der Untergang der Maya ist ein zentrales Thema der Mayaforschung und es gibt verschiedene Hypothesen für diesen Untergang:
– Erosion und Auslaugung der tropischen Böden
– Klimawandel mit Dürreperioden
– interne Konflikte
Nikolai Grube zeigte anhand der Stadt Calakmul, dass die Maya-Königreiche durch ein großes Netzwerk durch diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen ebenso wie durch Heirat untereinander zusammengehalten wurde. Es scheint, dass sich diese Netzwerke in den letzten 100 Jahren der Klassischen Mayakultur weitgehend aufgelöst haben.

(Fortsetzung folgt)

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